Mexiko

Chiapas: Indigene und Behörden schließen Nichtangriffspakt


Foto: Servindi

(Lima, 6. Juni 2019, servindi/poonal).- Nach jahrelangen Auseinandersetzungen haben Vertreter*innen indigener Völker und der Regierung des südmexikanischen Bundesstaates Chiapas einen Nichtangriffspakt geschlossen. Damit soll ein Schlussstrich unter die Feindseligkeiten gezogen werden, die allein in diesem Jahr bereits 34 Todesopfer gefordert haben. Teil der Vereinbarung ist eine bessere Infrastruktur für die Indigenen und die Freilassung politischer Gefangener von indigenen Tsotziles und Tseltales. Befriedet ist die Region damit jedoch noch nicht.

Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen haben die indigenen Gemeinden Chalchihuitán und Chenalhó einen „Nichtangriffspakt“ mit der Regierung von Chiapas geschlossen. Damit soll ein Konflikt beendet werden, der sich 2019 verschärft hatte und in diesem Jahr bereits 34 Todesopfer gefordert hat. Teil des Übereinkommens ist die Öffnung zweier Straßen zwischen beiden Gemeinden im Hochland von Chiapas, die wegen den Auseinandersetzungen gesperrt waren. Die Regierung von Chiapas und die mexikanische Bundesregierung verpflichten sich, Gesundheitsstationen einzurichten; zudem soll in diesem Teil von Chiapas eine Zweigstelle der Universität Benito Juárez eröffnet werden.

„Im Hochland von Chiapas wurde zwischen indigenen Behörden und Regierungsvertretern ein Nichtangriffspakt unterzeichnet“, erklärte der mexikanische Staatssekretär für Menschenrechte, Alejandro Encinas. „Entscheidend war der ausdrückliche politische Willen der Gemeinden (Aldama, Chalchihuitán und Chenalhó), um ein Abkommen für Frieden und Wiedergutmachung zu erreichen.“ In Anwesenheit des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador erklärte Encinas in Mexiko-Stadt, dass auf diesem Verhandlungsweg versucht werden soll, sozialen Frieden und Toleranz wieder herzustellen.

Gebiete seit Jahrzehnten umstritten

Ein noch ungelöster Teil des Konfliktes ist der Streit um ein 60 Hektar großes Stück Ackerland, das den Indigenen gehört. Seit der Agrarreform in den 1970er Jahren befinden sich die Gemeinden Aldama und Chenalhó im Streit um dieses Gebiet. Im Jahr 2016 hatte sich der Streit zu einer bewaffneten Auseinandersetzung und der Vertreibung hunderter Familien ausgeweitet.

Der unterzeichnete Vertrag soll nun diesen Konflikt beenden. Zudem wurde eine Gruppe Indigener freigelassen, die 2017 im Zuge dieses Konflikts festgenommen worden waren. Staatssekretär Encinas selbst sagte, diese Menschen seien kriminalisiert worden, weil sie ihr Land verteidigt hätten. „Dies ist der geeignete Moment, um diesen Nichtangriffspakt zu unterzeichnen. Wir wollen keine Gewalt, keine bewaffneten Auseinandersetzungen und kein Blutvergießen mehr“, heißt es in dem Vertrag, für dessen Unterzeichnung sich der mexikanische Präsident eingesetzt hatte.

Allerdings ist nach der Unterzeichnung der Vertrags erneut eine EZLN-Gemeinde von Heckenschützen von Chenalhó aus beschossen worden, ohne dass es Verletzte gab. Ein Medienbericht kritisierte, der Vertrag sei „heimlich“ geschlossen worden und werde nicht von allen Beteiligten des Konflikts unterstützt. Die EZLN selbst macht den Staat für die Auseinandersetzungen verantwortlich.

CC BY-SA 4.0 Chiapas: Indigene und Behörden schließen Nichtangriffspakt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Schüsse auf Vertriebene in Chiapas
104
(San Cristóbal de las Casas, 24. Januar 2019, desinformemonos).- Nach Informationen des mexikanischen Menschenrechtszentrums Fray Bartolomé de las Casas wurde in der Gemeinde Coco des Bezirks Aldama im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas am Morgen des 22. Januar auf drei Personen geschossen. Die Personen befanden sich auf dem Weg von San Pedro Cotzilnam nach Xuxch‘en. Die Schüsse wurden aus dem Ort Santa Martha Manuel Utrilla im Bezirk Chenalhó abgefeuert. Eine Person starb,...
Indigene Gemeinden in Chiapas unter Beschuss
189
(Berlin/Mexiko-Stadt, 3. Mai 2018, desinformémonos/la jornada/poonal).- Im Landkreis Aldama im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas, in der Nähe des zapatistischen Regierungszentrums Oventic, schwelt seit Februar ein Konflikt um Einfluss und Land, bei dem vermehrt auch hochkalibrige Schusswaffen eingesetzt werden: Bisher wurden drei Menschen erschossen und hunderte vertrieben. Seit dem 15. April befinden sich mehrere Gemeinden in Aldama praktisch täglich unter Beschuss, wie d...
Vertriebene in Chiapas kehren in die Ungewissheit zurück
84
(Mexiko-Stadt, 3. Januar 2017, desinformémonos).- Etwa 4.000 aus der Gemeinde Chalchihuitán im südmexikanischen Chiapas vertriebene Indigene sind am 2. Januar in ihre Häuser zurück gekehrt, obwohl dort weiterhin bewaffnete Gruppen aktiv sind. Die Indigenen machen daher die Regierung Bundesstaates Chiapas und die mexikanische Bundesregierung verantwortlich, sollte es zu einem Angriff auf die Familien kommen. Wie die Gemeindepfarrer Marcelo Pérez Pérez, aus Simojovel und Sebast...
25 Jahre zapatistischer Aufstand: “Wir sind das Mexiko, das niemand beachtet”
327
(Oaxaca-Stadt, 17. Dezember 2018, npl).- Silvester, Mitternacht. Korken und Raketen knallen, die mexikanische Elite stößt mit Sekt auf den Jahreswechsel an. Die Feier im Präsidentenpalast hat einen speziellen Grund: An diesem 1. Januar 1994 tritt der Nordamerikanische Freihandelsvertrag (NAFTA) in Kraft, und damit soll Mexiko den Anschluss an die “entwickelten” Länder finden. Präsident Salinas hat dafür eine der wichtigsten Errungenschaften der Mexikanischen Revolution (1910-...
Kommentar | Getrübter Optimimus: Die neue Regierung in Mexiko
192
(Tlapa, 1. Juli 2019, Centro de Derechos Humanos de la Montaña Tlachinollan).- Der historische Wahlerfolg, den der amtierende Präsident Andrés Manuel López Obrador (AMLO) mit mehr als 30 Millionen Stimmen am 1. Juli 2018 erzielte, bedeutete einen Kurswechsel im Hinblick auf die strukturellen Reformen, die die Staatspräsidenten von Miguel de Madrid bis Enrique Peña Nieto vorangetrieben hatten. Am 2. Dezember 2012 hatten die größten Parteien, die Partei der Institutionalisierte...