Mord an renommierter Umweltschützerin schockiert die Welt

Von Markus Plate

Hier trauert Berta Cáceres noch um ermordete Mitstreiter*innen. Nun wurde sie selbst ermordet. Foto: Amerika21/Globalwitness.org
Hier trauert Berta Cáceres noch um ermordete Mitstreiter*innen. Nun wurde sie selbst ermordet. Foto: Amerika21/Globalwitness.org

(Mexiko-Stadt, 3. März 2016, npl).- Sie hat die Weltbank und China gestoppt. Sie hat sich über zwei Jahrzehnte für indigene Rechte in ihrem Heimatland eingesetzt. Sie hat lautstark gegen Regierung und Oligarchen in Honduras protestiert. Dafür hatte Berta Cáceres in der Vergangenheit nicht nur Preise, sondern immer wieder Morddrohungen erhalten. In der Nacht zum Donnerstag (3. März) ist die Sprecherin des Komitees der indigenen Völker Honduras (COPINH) in ihrem Haus ermordet worden.

Es ist nicht einmal ein Jahr her, als Berta Cáceres mit dem Goldman-Preis die wichtigste Anerkennung für Umweltaktivist*innen verliehen wurde. Spätestens dadurch wurde die unerschrockene Verteidigerin indigener Rechte einer weltweiten Öffentlichkeit bekannt. In Interviews, auch mit globalen Medienunternehmen wie CNN und der BBC, prangerte sie die Rechtlosigkeit in ihrem Heimatland an, sprach vom Widerstand gegen Holzunternehmen, und gegen international finanzierte Staudammprojekte und informierte die Welt über die Kriminalisierung dieses Widerstands – und über die Morde, denen in den Jahren zuvor bereits zehn COPINH-Aktivist*innen zum Opfer gefallen waren.

Um ein Uhr in der Nacht zum Donnerstag drangen ihre Attentäter in ihr Haus in La Esperanza, im Südosten Honduras‘ ein. Laut lokalen Quellen sollen sie zunächst gewartet haben, bis es im Haus still geworden war, hätten dann die Tür aufgebrochen und schließlich die vierfache Mutter erschossen. Cáceres Bruder wurde bei dem Attentat verletzt.

Erst letzte Woche hatte Cáceres die voranschreitende Militarisierung der Region hingewiesen, zu der auch Pläne für eine US-Militärbasis gehöre. Dies alles mit dem Ziel, die Ausbeutung des Landes und seiner natürlichen Ressourcen zu gewährleisten und den Widerstand dagegen zu brechen. Gleichzeitig würde der Staat die indigenen und ländlichen Gemeinschaften bewusst vernachlässigen, insbesondere was Gesundheitsversorgung und kleinbäuerliche Programme anbetreffe.

Staudammunternehmen soll mordverdächtige Kriminelle unter Vertrag haben

Nach einer COPINH-Demonstration am 20. Februar waren Cáceres und einige ihrer Mitstreiter*innen nach einem Communiqué der Organisation von der Armee, der Polizei und Angestellten des Staudammprojektes bedrängt und bedroht worden. Cáceres‘ 84-jährige Mutter sagte am Tag des Mordes gegenüber Radio Globo, sie habe keinen Zweifel daran, dass sie für Ihren Einsatz getötet worden sei und dass „Soldaten und die Leute vom Staudamm verantwortlich“ seien. Auch der Regierung wies sie die Schuld zu.

Neben Morddrohungen war Cáceres im Jahr 2013 am Rande einer 70-tägigen Protestaktionen zur Verteidigung des Flusses Gualcarque und gegen das Staudammprojekt Agua Zarca festgenommen (poonal berichtete). Das Projekt hatten über 150 indigene Gemeinden abgelehnt. Nationale und internationale Proteste führten in der Folge zu Cáceres Freilanssung und dass sich mit der Weltbank und der chinesischen Staatsfirma Sinohydro die zwei wichtigsten Partner aus dem Staudammprojekt zurückzogen.

Die Ermordung der renommierten Aktivistin hat im In- und Ausland Bestürzung und scharfe Proteste ausgelöst. Radio Progreso aus der gleichnamigen honduranischen Stadt sendete den ganzen Tag Sondersendungen über den Kampf und die Ermordung Berta Cáceres  und klagte den honduranischen Staat dafür an, sie nicht ausreichend geschützt zu haben sowie die Morde an zahllosen Menschenrechtler*innen in Honduras nicht zu verfolgen. In mehreren lateinamerikanischen Hauptstädten wurde zu Protestveranstaltungen aufgerufen. In sozialen Medien, so auf Facebook, brachten zahlreiche Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen ihre Abscheu über den Mord zum Ausdruck.

Der Druck auf Honduras‘ Regierung dürfte nach dem Mord weiter zunehmen. Bereits im Februar musste Honduras eine internationale Mission gegen die Straffreiheit und Korruption ins Land lassen. Das zentralamerikanische Land liegt seit Jahren in den Mordstatistiken auf den vordersten Plätzen. Für Umweltaktschützer*innen ist die Lage besonders schlimm: Bezogen auf die Einwohnerzahl werden in keinem Land der Welt so viele Aktivist*innen ermordet, wie hier. Zwar hat das honduranische Innenministerium ein Kommando nach La Esperanza geschickt, um den Mord zu untersuchen. Bei der notorischen Straffreiheit in Honduras wird vehementer Druck notwendig sein, damit es eine Chance gibt, zumindest die Verantwortlichen dieses Mordes zur Rechenschaft zu ziehen.

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