„Größter Abholzer“ des Amazonas-Urwalds festgenommen

von Andreas Behn

(Berlin, 03. März 2015, npl).- Ezequiel Antônio Castanha gilt als der „größte Abholzer“ im Amazonasgebiet. Die Umweltbehörde Ibama geht davon aus, dass er, seine Bande und weitere Helfershelfer*innen in den vergangenen Jahren für rund 20 Prozent der Entwaldung verantwortlich waren. Am Wochenende wurde der Unternehmer im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens festgenommen – nach sechsmonatigen Ermittlungen seitens der Bundesstaatsanwaltschaft, der Bundespolizei und der Steuerbehörden.

Castanha droht jetzt eine langjährige Haftstrafe. Ihm wird neben der illegalen Rodungen die Bildung einer kriminellen Bande, Dokumentenfälschung und Geldwäsche vorgeworfen. Allein im vergangenen Jahr soll er die Fläche einer mittleren Großstadt illegal abgeholzt haben, insgesamt soll sein Treiben Umweltschäden in Höhe von umgerechnet knapp 250 Millionen US-Dollar verursacht haben.

Castanha profitierte von der verbreiteten Korruption, unzureichender Kontrolle seitens der Behörden und einer untätigen Justiz in Pará – dem Bundesstaat Brasiliens, in dem seit Jahren am meisten abgeholzt wird. Zumeist bemächtigte er sich großer Flächen öffentlichen Landes, steckte sie ab und begann, die Bäume zu fällen. Mit Hilfe von Maklern verkaufte er der Grundstücke, meistens an Landwirte aus der Region, aber auch an Großinvestoren aus dem reichen Südwesten Brasiliens.

Oft agierte der windige Unternehmen entlang der Bundesstraße BR-163, die mitten durch teils unberührtes Waldgebiet geschlagen wurde, um die bis dahin schwer zugängliche Gegend wirtschaftlich zu erschließen. Umweltschützer*innen weisen immer wieder darauf hin, dass der Bau solcher Landstraßen das wichtigste Einfallstor für Abholzung in Urwaldregionen sei. Den Baumaschinen folgten die Arbeiter, die ersten Ansiedlungen und zwangsläufig werde das Land rechts und links der Straße irgendwann abgeholzt.

Waldverlust in Brasilien geht weiter

Brasiliens Regierung geht seit Jahren gegen die Entwaldung in der Amazonasregion vor. Nach Rekordzahlen in der Abholzung zu Beginn des Jahrhunderts in der Größenordnung von über 25.000 Quadratkilometern sank der Waldverlust in 2011 auf 4.500 Quadratkilometer. Die Zahlen beziehen sich auf das „Amazônia Legal“ genannte Waldgebiet, das in neun Bundesstaaten fast 60 Prozent des brasilianischen Territoriums umfasst.

Vor allem die strafrechtliche Verfolgung der illegalen Rodungen, aber auch bessere Kontrollsysteme seitens des Bundes waren für diesen Fortschritt verantwortlich. Zuletzt wurden im Oktober vergangenen Jahres 23 Mitglieder einer Holzfällerbande festgenommen und vor Gericht gestellt. Doch der erklärte Wille der Regierung, die Region in den ökonomischen Aufschwung Brasiliens zu integrieren, macht das Ziel einer Null-Abholzung unmöglich. Vor allem die extensive Landwirtschaft, aber auch die Förderung von Bodenschätzen und die Energiegewinnung durch durch Wasserkraft setzen dem Waldbestand immer wieder zu.

Umweltschützer*innen schlagen Alarm

Inzwischen schlagen Umweltschützer*innen wieder Alarm. Die neusten Zahlen zur Abholzung deuten an, dass der Waldschutz in Brasilien erneut ins Hintertreffen geraten ist. Am Mittwoch (25.2.) erklärte das für die Satellitenbeobachtung zuständige Imazon-Institut, dass die Abholzung im Januar 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 169 Prozent angestiegen sein. Bereits Ende vergangenen Jahres informierte die Umweltbehörde Ibama, dass in 2014 durchschnittlich eine Vordoppelung der Rodungen im Vergleich zu 2013 stattgefunden habe. Die Regierung hingegen legte andere Zahlen vor und sprach von einer weiteren Reduzierung der Abholzung.

Brasilien läuft Gefahr, trotz der Meldungen über spektakuläre Festnahmen seine Vorbildfunktion in Sachen Abholzung zu verlieren. Ökolog*innen gehen davon aus, dass die Umweltschäden inzwischen nicht mehr revidierbar sind. Für Umweltforscher Antonio Donato Nobre ist ein Stopp der Abholzung nicht mehr ausreichend: „Es muss wieder aufgeforstet werden, sonst werden wir schon bald dramatische Klima-Veränderungen zu spüren bekommen“, sagt Nobre voraus.

 

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