Entkarbonisierung kann 15 Mio. zusätzliche Arbeitsplätze schaffen

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(Lima, 02.08.20, pressenza).- Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation und der Interamerikanischen Entwicklungsbank könnte der Übergang zu einer CO2-neutralen Wirtschaft in Lateinamerika und der Karibik bis 2030 etwa 15 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Würde man die Stromproduktion auf Basis fossiler Brennstoffe einstellen und die Produktion von tierischen Produkten zurückfahren, gingen zwar etwa 7,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Dies würde laut der Ende Juli veröffentlichten Studie allerdings durch die Schaffung von 22,5 Millionen Arbeitsplätzen im Bereich Erneuerbare Energien, Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln und anderen Sektoren wieder ausgeglichen. „Dekarbonisierung ist notwendig, machbar und bringt Vorteile. Wir müssen die Nettoemissionen auf null senken. Das ist unter den aktuellen Umständen nicht einfach, aber es zeigen sich Fortschritte in vielen Ländern“, so Graham Watkins, Experte in der Klimawandel-Abteilung der Internationalen Entwicklungsbank IDB.

Nachhaltiger Wiederaufbau nach der Coronapandemie

Durch die Corona-Pandemie könne die Zahl der Arbeitslosen in der Region dieses Jahr auf 40 Millionen ansteigen. „Deswegen setzen wir darauf, die Wirtschaft nachhaltig und klimagerecht wiederaufzubauen“ so der Regionaldirektor der IAO Vinícius Pinheiro. „Entweder wir gewinnen auf beiden Seiten, beim Klimawandel und beim Arbeitsmarkt, oder wir verlieren bei beiden“, fasste Pinheiro zusammen.

Zwei Drittel der CO2-Emissionen der Region gehen laut IDB-Chef Watkins auf die Nutzung von fossilen Brennstoffen zurück. Diese müssten durch kohlenstofffreie Quellen, also erneuerbare Energien, ersetzt werden. Diese seien „jetzt schon günstiger“, so Watkins aus dem Regionalbüro der IAO in Lima. Außerdem sei eine Ernährungsumstellung hin zu mehr pflanzlichen Produkten notwendig, die ebenfalls preiswerter und auch gesünder seien. Der Konsum tierischer Produkte müsse hingegen reduziert werden, um so die Entwaldung aufgrund der Umwandlung von Wäldern durch Weideflächen zu verringern. Ferner sei eine konsequente Aufforstung vonnöten.

Arbeitsplätze gehen verloren – zahlreiche neue werden geschaffen

Laut der Studie von IDB und IAO hat die Dekarbonisierung der Wirtschaft das Potenzial, bis 2030 um die 15 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze in nachhaltiger Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Sonnen- und Windenergie sowie in der Fertigungsindustrie und im Bausektor zu schaffen. Den Berechnungen der Organisationen zufolge wird die Umstellung zu einem Verlust von 60 000 Arbeitsplätzen in Kraftwerken, die fossile Brennstoffe verstromen, führen. Gleichzeitig werden 100 000 Arbeitsplätze im Sektor Erneuerbare Energien dazugewonnen. In der Viehzucht, Geflügelproduktion, in der Milchwirtschaft und in der Fischerei würden insgesamt 4,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Die Ernährungsumstellung kann bis 2030 um die 19,7 Millionen Vollzeit-Arbeitsplätze in der Pflanzenproduktion schaffen.

Fünf Kernbereiche der Dekarbonisierung

Die Studie ruft uns ins Gedächtnis, dass die CO2-Emissionen bis 2050 auf null reduziert werden müssen, damit das 2°C-Ziel oder das 1,5°C-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen erreicht werden kann. Lateinamerika und die Karibik „können einen kohlenstofffreien Wohlstand erreichen, indem sofort und parallel Maßnahmen in fünf Kernbereichen umgesetzt werden“. Der erste Kernbereich sei „der schrittweise Ausstieg aus der Verstromung fossiler Brennstoffe und Ersatz durch kohlenstofffreie Energiequellen wie Sonnen- oder Windenergie.“ Auch für Transport, Lebensmittelzubereitung und Heizung muss Strom anstelle von fossilen Brennstoffen genutzt und der öffentliche und nicht-motorisierte Verkehr ausgebaut werden. Die Entwaldung muss aufgehalten und die Pflanzung neuer Bäume veranlasst werden; Voraussetzung ist die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten: Tierische Produkte sind durch pflanzliche Erzeugnisse zu ersetzen. Außerdem müssen die Abfälle in allen Sektoren verringert, Materialien recycelt und nachhaltige Baumaterialien wie Holz oder Bambus eingesetzt werden.

Die Region hat gute Voraussetzungen für die Dekarbonisierung, diese muss aber sozialverträglich gestaltet werden

Laut der Studie hat die Region mit ihrem Ressourcenreichtum und dem relativ geringen Bevölkerungsdruck gute Voraussetzungen, um den Wandel zu einer emissionsneutralen Wirtschaft zu vollziehen. Die Kosten der Schlüsseltechnologien wie erneuerbare Energien und Elektro-Autos seien bereits gesunken. Schon jetzt seien erneuerbare Energien die günstigere Variante, um abgelegene ländliche Gegenden und marginalisierte Bevölkerungsgruppen mit Strom zu versorgen; ein effizienter öffentlicher Nahverkehr verbessere die Produktivität und Gesundheit der Arbeiter*innen. Ernährungsweisen, die weniger Fleisch und Milchprodukte enthalten, könnten laut der Studie sogar gesünder sein. Es müsse sichergestellt werden, dass Angestellte und Firmen über die nötigen fachlichen Kompetenzen für die emissionsneutrale Zukunft verfügen. Wer besonders vom Abbau der klimaschädlichsten Industrien wie Rohstoffindustrie oder Viehhaltung betroffen sei, müsse Unterstützung erhalten. Die Studie belegt außerdem, dass 80 % der neuen Arbeitsplätze in derzeit noch männerdominierten Sektoren entstehen werden. Damit nicht nur Männer von dem anvisierten Wandel profitieren könnten, müsse die aktuelle Trennung der Berufe nach Geschlechtern aufgehoben werden.

Übersetzung: Malin Gütschow

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