Sandinist Hugo Torres in Haft gestorben

Grafik: Prensa Comunitaria

(Guatemala-Stadt, 14. Februar 2022. prensa comunitaria).- Hugo Torres war nicht nur ein weiterer politischer Gefangener. Er war Teil des Kommandos der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN, das 1974 das Anwesen des Somoza-Funktionärs Chema Castillo in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua erstürmte, um mehrere politische Gefangene zu befreien, unter anderem Daniel Ortega.

Mit der anschließenden Einnahme des nicaraguanischen Kongresses konnte die Freilassung von weiteren 60 oder 70 politischen Gefangenen erreicht werden. Diese Aktion lief unter dem Kommando von Dora María Téllez, die heute wegen denselben Anschuldigungen im Gefängnis sitzt wie Hugo Torres.

Revolution auf Abwegen

Hugo Torres war ein legendärer Kommandant der Sandinist*innen und führte den Titel eines Generals in der nicaraguanischen Armee. Zuletzt war er im Ruhestand. Die ebenfalls legendäre Kommandantin Dora María Téllez hatte sich hingegen für eine akademische Laufbahn entschieden. Das alles erinnert uns von der Lateinamerikanischen Fakultät der Sozialwissenschaften (FLACSO) übrigens an ein Buch von Edelberto Torres mit dem Titel: Revolutionen ohne revolutionäre Veränderungen. Denn tatsächlich haben Revolutionär*innen die FSLN angesichts derer opportunistischen Abwege verlassen. Die schlimmste Zeit der FSLN begann möglicherweise im Moment der Wahlniederlage 1990 gegen Violeta Chamorro. Es ist allgemein bekannt, dass damals das Staatsvermögen verscherbelt wurde. Das sind historische Tatsachen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Natürlich gibt es keinen Zweifel daran, dass der Imperialismus alles in seiner Macht stehende getan hat, um die nicaraguanische Revolution zugrunde zu richten. Damals haben die Contras von Honduras den Sandinismus bekämpft und wurden trotzdem besiegt. Doch die offenen und verdeckten Angriffe der USA auf Nicaragua können kein Vorwand für den autoritären und reaktionären Irrweg sein, den die nicaraguanische Regierung eingeschlagen hat. Die Repression gegen die Bevölkerung ist 2018 in ihre aktuelle Phase getreten. Über 350 Menschen sind gestorben, obwohl sie nichts anderes wollten als ein besseres Land, eine bessere Regierung und ein Nicaragua, dass sich an die Grundsätze anlehnt, von denen sich das Präsidentenpaar entfernt hat.

Das Nicaragua von heute hat nichts mit Sandinismus zu tun

Und seit 2021 sehen wir die Verhaftung von über 150 nicaraguanischen Bürger*innen aus allen Sektoren: Gewerkschafter, Journalistinnen, Studierende, ehemalige Kämpferinnen, Intellektuelle, Unternehmerinnen, Landwirte – alles, was man sich vorstellen kann. Noch dazu wurden vor den Wahlen sieben Präsidentschaftskandidat*innen ins Gefängnis gesteckt. Es gibt Daten zur Wiederwahl Ortegas im November die darauf hinweisen, dass nur 15 Prozent der Wähler*innen überhaupt zur Wahl gegangen sind. Auch danach wurden Medienhäuser geschlossen, Nichtregierungsorganisationen, Universitäten. Das hat nichts mit einer Demokratie zu tun. Erst recht nicht mit einer sandinistischen Revolution.

Das ist ein sehr schwieriges Thema und ich schreibe mit Schmerzen und voller Scham. Es geht nicht um Blindheit angesichts dessen, was in unserem Land passiert. Es geht um das grundlegende Gefühl der Geschichte und Solidarität mit einem Volk, das seinerzeit enorm solidarisch mit Guatemala, El Salvador und anderen Ländern war.

Der revolutionäre Traum ist aus

Aber darüber hinaus hat es die sandinistische Revolution ermöglicht, dass tausende Männer und Frauen weltweit träumen konnten. Sie haben von einer besseren Zukunft geträumt, von einem humaneren Planeten. Das ist jetzt verloren gegangen. Autoritarismus, Repression, Nepotismus und Korruption charakterisieren heute die Regierung Nicaraguas. So wie es zum Zufluchtsort von Kriminellen aus Guatemala und anderen Ländern geworden ist. Der guatemaltekische Ex-Minister Benito hat sich von Nicaragua aus in einem außergerichtlichen Vergleich den Behörden gestellt. Das gibt zu denken.

Vielleicht gibt es in Nicaragua bessere Straßen oder weniger Mara-Banden, mehr aber auch nicht. Nicaragua ist nicht besser und auch nicht freier als seine Nachbarländer in Zentralamerika. Sowieso reichen zwei oder drei positive Beispiele nicht aus, um zu verdecken, was sich nicht mehr leugnen lässt: Heute ist Nicaragua ein Beispiel für nichts mehr, außer für die internationale Rechte. Und für die Linke, wenn sie selbstkritisch sein will.

Für die Lösung dieser Situation müssen die Nicaraguaner*innen selbst sorgen. Ich beschränke mich darauf, meine Solidarität auszudrücken und öffentlich die Freiheit aller politischen Gefangenen zu fordern, die überwiegend beschuldigt werden, „die Souveränität und Ehre Nicaraguas angegriffen“ zu haben. Damit ist wohl eher die „Ehre“ des Herrscherpaares gemeint.

Der guatemaltekische Autor, Aktivist und Politologe Miguel Ángel Sandoval fordert die Freilassung von Cesar Montes und Bernardo Caal, zwei politische Gefangene in Guatemala.

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