Polizei und Paramilitärs blockieren Kawawane mit Hilfsgütern für San Juan Copala

von Philipp Gerber

(Darmstadt, 09. Juni 2010, amerika21.de).- Ein Konvoi mit 40 Tonnen Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern wurde am Dienstagabend im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca gewaltsam aufgehalten. Die Helfer*innen hatten versucht in die von Paramilitärs der Organisation Vereinigung für das Gemeinwohl der Region Triqui, UBISORT, (Unión de Bienestar Social de la Región Triqui) eingeschlossene Gemeinde San Juan Copala zu gelangen. Dort hatten die der ehemaligen Staatspartei PRI (Partido Revolucionario Institucional) nahe stehenden Milizen vor wenigen Wochen zwei Aktivist*innen, eine Mexikanerin und einen Finnen, erschossen.

In 18 Bussen und Fahrzeugen hatten sich rund 400 Personen, darunter zwanzig Medienvertreter*innen und zehn linke Abgeordnete aus dem Bundesparlament, dem Ort genähert, an dem vor einem Monat Bety Cariño und Jyri Jaakkola von Paramilitärs ermordet wurden. Dass sich Abgeordnete an der Autokolonne beteiligten, hat viele überrascht. So hatte Alejandro Encinos, Koordinator der Fraktion der linksgerichteten Partei der Demokratischen Revolution PRD (Partido de la Revolución Democrática) im Bundesparlament, im Vorfeld versucht, Sicherheitsgarantien für den Konvoi zu erhalten.

Auf ihrem Weg blockierte jedoch auch die Bundespolizei die Weiterfahrt. Nach den entschiedenen Reaktionen der Aktivist*innen konnten diese dann doch weiterfahren. In das Stadtzentrum des Bezirkshauptortes Santiago Juxtlahuaca durften sie jedoch nicht. Dort fand “zufällig” eine Wahlveranstaltung der PRI statt.

Nachdem sich der Tross auf den letzten und gefährlichsten Straßenabschnitt machte, wurde er von zwölf Fahrzeugen der bundespolizeilichen Kriminalpolizeieinheit AFI (Agencia Federal de Investigación) begleitet. Dennoch entschieden die Teilnehmer*innen sich später gegen eine Weiterfahrt. Im Nachbardorf von San Juan Copala hatten die Paramilitärs nicht nur Felsbrocken auf die Straße gerollt, sondern auch Frauen und Kinder gezwungen, die Straße zu blockieren. Der Chef der Milizen kündigte “eine schreckliche Tragödie” für den Fall an, dass der Konvoi weiterfahre.

Die humanitäre Lage in der Region ist weiterhin prekär. Alle Versprechen der Bundesregierung, auch von Präsident Calderón auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel Ende Mai in Madrid, die Verbrechen in der Region zu verfolgen, blieben ohne Folgen. Statt der Mörder habhaft zu werden, erfasste die Bundespolizei die Aktivist*innen fotografisch. Dennoch sollen die Aktionen fortgeführt werden.

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