Oaxaca: Indigene bei erneutem Hinterhalt erschossen

von Philipp Gerber

(Berlin, 19. Oktober 2010, npl).- Mitte September 2010 vertrieben paramilitärische Strukturen die letzten Familien der Unabhängigen Bewegung der Vereinigung des Kampfes der Triqui MULTI (Movimiento de Unificación de Lucha Triqui-Independiente) aus dem Dorf San Juan Copala (siehe poonal Nr. 914). Die meisten dem Autonomieprojekt von MULTI verpflichteten Familien verstecken sich seither in den anderen MULTI-Gemeinden wie Yosoyuxi oder Tres Cruces. Einige Quellen berichten, dass alle ihre Häuser in San Juan Copala abgebrannt worden seien. Doch auch in den Zufluchts-Gemeinden sind die intern Vertriebenen keineswegs sicher. Anfang Oktober ordnete deshalb die Interamerikanische Menschenrechtskommission in Washington sogenannte Schutzmaßnahmen an für die 135 namentlich bekannten vertriebenen Triqui-Indigenen.

Am Nachmittag des 16. Oktober geschah die nächste Gewaltttat: Auf dem Weg in die Gemeinde Yosoyuxi geriet ein Auto bei Tres Cruces in den Hinterhalt von Bewaffneten. Der 34-jährige Serafín Ubaldo Zurita und die 30-jährige Teresa Ramírez Sánchez (sie war in der Liste der Schutzbefohlenen der Menschenrechtskommission) wurden ermordet, Teresas Ehemann Jordán Ramírez Gonzalez schwer verletzt. Die Augenzeugin Virginia Ramírez López berichtete gegenüber der Lokalzeitung Mixteca Hoy, dass sechs Personen den Anschlag ausübten und die Opfer mit einem Gnadenschuss hinrichteten. Sie habe sich im Auto totgestellt und sei deshalb unverletzt davongekommen.

Seit Beginn der Gewalteskalation zwischen PRI-nahen Organisationen und den Anhänger*innen des autonomen Bezirks im November 2009 geschahen rund 30 politische Morde in der Region, viele weitere Indigene, darunter viele Frauen, wurden zum Teil schwer verletzt. Doch keine einzige Person wurde verhaftet. Auch die Untersuchung der ermordeten Aktivistin Bety Cariño und des finnischen Menschenrechtsbeobachters Jyri Jaakkola, die vor bald sechs Monaten, am 27. April, beim Beschuss einer Friedenskarawane ums Leben kamen, ergab bisher keinerlei Resultate. Für diese Untersuchung hat die Bundesbehörde die Verantwortung. Eine funktionierende Strafverfolgung wäre eine Grundvoraussetzung für Friedensverhandlungen zwischen den Fraktionen. Doch die Regierung von Gouverneur Ulises Ruiz (PRI) hat offensichtlich kein Interesse daran, das Pulverfass zu entschärfen. Im Gegenteil, muss sie doch die Regierungsgeschäfte nach über 80 Jahren Alleinherrschaft der PRI am 30. November 2010 an eine Übergangsregierung abgeben. Es droht wohl weitere politische Gewalt in Oaxaca.

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