Indigene Gemeinden protestieren in Chiapas gegen neues Autobahnprojekt

Autobahnprojekt Chiapas
Indigene Prozession gegen eine Autobahn in Chiapas. Quelle: Misión de Bachajón

(Chilón/San Cristóbal de las Casas, 14. August 2025, amerika21).- Im südmexikanischen Chiapas haben rund 3.000 Maya-Tseltal an einer Mobilisierung gegen ein neues Autobahnprojekt teilgenommen. Die Demonstration vereinte in der Gemeinde Chilón verschiedene basiskirchliche Organisationen, die die Einstellung des Autobahnprojekts von San Cristóbal de las Casas nach Palenque und den „Respekt gegenüber der Mutter Erde“ forderten.

An den beiden Ausgangspunkten der Mobilisierung, in den Dörfern Jalalal und San Martín Cruztón, führten die Indigenen eine traditionelle Zeremonie zur Verteidigung des Territoriums durch. Auf dem Pilgermarsch nach Bachajón, der am 9. August stattfand, dem Internationalen Tag der indigenen Völker, riefen sie Slogans wie „Wir wollen keine Autobahn, wir wollen unser Land.“ Verschiedene Polizeieinheiten versuchten mit ihrer Präsenz, die Gemeinden einzuschüchtern.

Autobahnprojekt seit 2003 geplant

Der Gouverneur von Chiapas, Eduardo Ramírez Aguilar, hatte das Projekt der Autobahn unter dem Namen „Route der Maya-Kulturen“ neu lanciert. Der Widerstand gegen den Bau dieser Schnellstraße ist jedoch nicht neu. Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) schlug das Straßenprojekt 2003 im Rahmen des Entwicklungsplans „Puebla-Panama“ erstmals vor. Bisher haben die Anwohner*innen in dem dicht besiedelten Maya-Territorium ihre Zustimmung verweigert.

Trotz der Opposition gab Gouverneur Eduardo Ramírez am 8. Juni den Startschuss für den Bau eines ersten Teilstücks der Autobahn von Palenque nach Ocosingo. Nach Angaben der Protestierenden war die indigene Konsultation über das Projekt nicht rechtens, da Informationen zum Projekt fehlten und die Abstimmungslokale nur in den Gemeindehauptorten eingerichtet wurden, nicht aber in den Dörfern, in denen die Straße gebaut werden soll. Außerdem wurde die Umweltverträglichkeitsprüfung erst nach dieser Konsultation veröffentlicht. Auch spiegele die von den Bauunternehmen finanzierte Studie nicht den tatsächlichen Schaden wider, den der Bau verursachen werde.

Gedenken an ermordete Aktivisten

Auf der Demonstration erinnerten die Indigenen auch an die Kriminalisierung der indigenen Menschenrechtler*innen und an die Morde an Aktivisten, darunter Pater Marcelo Pérez Pérez. Der engagierte Unterstützer für die Rechte indigener Gemeinden war am 20. Oktober vergangenen Jahres nach einem Gottesdienst in der Cuxtitali-Kirche in San Christóbal de las Casas erschossen worden. Sie wiesen darauf hin, dass der Täter vergangene Woche zu lediglich 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Höhe dieses Strafmaßes sei im Vergleich zu den Strafen, die „unsere Brüder von San Juan Cancuc“ erhielten, gering.

Fünf Tzotziles aus San Juan Cancuc wurden 2022 nach Protesten gegen das Autobahnprojekt des Mordes an einem Gemeindepolizisten beschuldigt und zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben der UN-Arbeitsgruppe gegen willkürliche Verhaftungen wurden Manuel Santiz Cruz, Agustín Pérez Domínguez, Martín Pérez Domínguez, Juan Velasco Aguilar und Agustín Pérez Velasco „aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihres Status als Menschenrechts- und Umweltaktivisten inhaftiert und diskriminiert“ und widerrechtlich verurteilt. Mexikanische und internationale Organisationen fordern ihre Freilassung.

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