ELN-Kommandant bei Militäroperation getötet

Der ELN-Kommandant alias Uriel wurde von der kolumbianischen Armee erschossen. Foto: Contagio Radio

(Bogotá, 26. Oktober 2020, contagio radio/poonal).- Am Sonntag, 25. Oktober wurde der ranghohe ELN-Kommandant Andrés Felipe Vanegas Londoño, alias “Uriel” bei einer Militäroperation der kolumbianischen Luftwaffe und der Landstreitkräfte im nordwestkolumbianischen Department Chocó getötet. Das erklärten der kolumbianische Präsident Iván Duque und sein Verteidigungsminister Carlos Holmes Trujillo auf einer improvisierten Pressekonferenz am 26. Oktober in Quibdó, der Hauptstadt des Chocó. „Uriel“ war Kommandant der Westfront der ELN und wegen seiner medialen Präsenz in den sozialen Netzwerken bekannt.

Armeechef Luis Fernando Navarro bestätigte zudem Berichte, dass in dem bei der Militäroperation „Odin“ angegriffenen Rebellencamp in der Gemeinde Nóvita im Chocó auch zwei Minderjährige im Alter von sechs und zehn Jahren anwesend waren. Obwohl es laut Navarro keine Hinweise darauf gebe, dass die Kinder bei dem Militärangriff zu Schaden gekommen seien, ist es nicht das erste Mal, dass die Armee eine Militäroperation durchführt, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass sich Kinder oder Jugendliche im Operationsgebiet aufhalten. „Militäroperationen können (auch) durchgeführt werden, wenn es Minderjährige gibt“, rechtfertigte Verteidigungsminister Holmes Trujillo das Vorgehen des Militärs.

Gemeinden im Chocó fordern ein Ende der Gewalt

Obwohl der Tod des ELN-Kommandanten „Uriel“ von der kolumbianischen Regierung als „wichtiger Schritt“ verbucht wurde, um die Sicherheitslage zu verbessern, sind die Gemeinden im Chocó weniger optimistisch. Die Gemeinden und ortsansässige soziale Organisationen stimmen überein, dass ein sogenannter „humanitärer Pakt“ geschlossen werden müsse, um ein Ende der Gewalt und die Sicherheit der Bewohner*innen zu garantieren. Dieser Pakt müsse nicht nur von den illegalen bewaffneten Gruppen unterschrieben werden, sondern auch von Armee und Regierung.

Die ELN-Guerilla hatte der Regierung in der Vergangenheit mehrmals einen Waffenstillstand angeboten und sich dabei auch auf einen Aufruf des UN-Sicherheitsrates bezogen, der angesichts der Corona-Pandemie eine „weltweite humanitäre Feuerpause“ verlangt hatte. Die ELN hatte Präsident Duque gedrängt, die Friedensgespräche wiederzubeleben, die unter seinem Amtsvorgänger Santos begonnen worden waren. Die Regierung Duque zeigte jedoch wenig Interesse an einer Verhandlungslösung; nach einem Anschlag der ELN im Januar 2019 hat sie die Friedensgespräche zunächst ausgesetzt und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch schließlich ganz ausgeschlossen.

„In diesem 50 Jahre andauernden Konflikt haben wir immer wieder Schlagzeilen gelesen wie „Anführer getötet“, doch der Krieg geht weiter. Ein Befehlshaber wird vom nächsten ersetzt. Letzten Endes können die Kriege nur beendet werden, wenn die Konflikte und die nötigen strukturellen Veränderungen in der Gesellschaft auf dem Verhandlungsweg gelöst werden.“ (Roy Barreras, Senator der gemäßigt konservativen Partei Partido de la U)

Paramilitärs im Chocó aktiv

Im Chocó operiert nicht nur die ELN, auch paramilitärische Gruppen sind dort sehr aktiv. Seit einiger Zeit beklagen soziale Organisationen, dass die paramilitärischen Gaitanistischen Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia) zunehmend die Kontrolle über die ländlichen Gebiete des Chocó in den Regionen Bajo Atrato und Boyajá übernehmen. Außerdem ist diese paramilitärische Organisation zunehmend auch in Gemeinden wie Cacarica, Curbaradó, La Larga, Pedeguita Mancilla und Jiguamiandó aktiv. Viele der dortigen Bewohner*innen sahen sich gezwungen, vor den Drohungen und der Kontrolle der Paramilitärs zu fliehen.

Mit der Militäroperation „Odin“, die zum Tod des Kommandanten „Uriel“ geführt hat, haben Regierung und Armee ein entschlossenes Vorgehen gegen die ELN an den Tag gelegt und zugleich die Möglichkeit für Verhandlungen in noch weitere Ferne rücken lassen. Allerdings scheint der Staat nicht mit derselben Entschlossenheit gegen paramilitärische Gruppen vorzugehen. Mehrfach wurde aus den Gemeinden der Vorwurf laut, dass es eine Zusammenarbeit zwischen Sicherheitskräften und Paramilitärs gebe.

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