Was ist die richtige Wahl für Peru?

Wahlen Peru 2026
Konservative unter sich: Sollte Keiko Fujimori (rechts) im vierten Anlauf Präsidentin werden, droht eine rechte Autokratie in Peru. Foto: Presidencia Peru/Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

(Lima, 3. Juni 2026, servindi).- Damit eine „Demokratie“ funktioniert und all deine Rechte gesichert sind, muss die Macht aufgeteilt sein. Keine einzige politische Partei sollte der „absolute Herrscher“ des Staates sein. Hier kommt eine einfache Erklärung.

Gleichgewicht der Macht: Deine Stimme sollte eine „Handbremse“ haben. Zu wählen bedeutet, die Kontrolle über die Zukunft eines Landes zu ergreifen. Um die Politik einfach zu verstehen, stell es dir wie ein Fußballspiel vor: Wenn nur ein einziges Team Spieler*innen aufstellt, den Schiedsrichter besticht, die Linien bestimmt und auch noch das VAR (Video Assistant Referee) kontrolliert, dann ist das Spiel manipuliert. Eine Falle, die auf jeden Fall zuschnappt.

In Peru geschieht genau das. Damit eine „Demokratie” funktioniert und all deine Rechte sicher sind, muss die Gewalt aufgeteilt sein. Keine einzige politische Partei sollte der „absolute Herrscher“ des Staates sein. Mit Blick auf die Wahlen gibt es daher drei wichtige Gründe, weshalb das Gleichgewicht beibehalten werden sollte.

1. Das Risiko oder die reale Gefahr der Machtkonzentration

Der peruanische Staat basiert auf drei unabhängigen Säulen: Der Kongress, der die Gesetze verabschiedet; der Präsident, der das Land verwaltet; und die Justiz, die Strafen verhängt. Außerdem gibt es neutrale Entscheidungsinstanzen für die Wählerstimmen (ONPE und JNE).

Das Bild, das sich heute abzeichnet: Die Partei von Keiko Fujimori (Fuerza Popular) hat bereits enormen Einfluss im Kongress, in der Justiz und in den Behörden, die die Wahlen organisieren.

Die Gefahr: Wenn Keiko Präsidentin würde, hätte sie über absolut alles die Macht. Sobald eine einzige Gruppe alle drei Gewalten auf einmal in der Hand hat, ist es aus mit der demokratischen Kontrolle. Niemand kann Untersuchungen gegen sie einleiten, niemand kann sie bestrafen und die Demokratie wird, praktisch gesehen, zu eine Autokratie (eine Diktatur als Legalität verkleidet). Das heißt, es besteht die Gefahr einer Diktatur unter Keiko Fujimori.

2. Wie wirkt sich die „absolute Macht” auf deinen Alltag aus?

Wenn eine Regierung weder Grenzen noch Opposition hat, dann leiden Bürger*innen unter den Konsequenzen. Insbesondere die jungen Menschen, die mit dem Arbeiten oder Studieren beginnen: Gefahr im Netz und auf der Straße (sie nehmen dir die „Meinungsfreiheit”): Sie könnten fragwürdige Gesetze anwenden – wie das des „urbanen Terrorismus“ oder das der „Rechtfertigung des Terrorismus“, wie es zuvor unter Alberto Fujimori üblich war, um jede*n als kriminell zu betiteln, der*die im Netz seine*ihre Meinung äußert, friedlich demonstriert oder harte Kritik an der Regierung auf TikTok, Instagram oder X äußert. Das bedeutet: Adiós mit dem Recht auf „freie Meinungsäußerung”.

Ökonomische Verfolgung und Machtmissbrauch: Institutionen wie SUNAT (die hohe Steuern und Geldstrafen verhängt) oder SUTRAN könnten instrumentalisiert werden, um neue Unternehmen, lokale Geschäfte oder Personen, die anders als das Regime denken, mit Geldstrafen zu ersticken.

Straflosigkeit und Korruption ohne Folgen (wie wir Peruaner*innen es aktuell bereits erleben): Die Spitzen der Macht sichern sich selbst Riesengehälter zu, Boni und Vergünstigungen und schützen sich gleichzeitig vor Vorwürfen der Korruption oder der Verletzung von Menschenrechten. Was wir heute bei Dina Boluarte sehen ist nur ein Beispiel; mit der totalen Kontrolle über den Staat und den Rückhalt von gut bezahlten Militärs könnte dieses Modell für 30 oder 50 Jahre weiterlaufen und so jegliche Option zur politischen Veränderung blockieren.

3. Roberto Sánchez und die strategische Wahl der „Handbremse”

Hinsichtlich der Gefahr eines politischen Monopols stellt die Option der Unterstützung von Roberto Sánchez (Juntos por el Perú) einen demokratischen Schutzschild dar. Der Grund? Weder hat er, noch wird er die absolute Macht haben.

Die Lüge der Angst von den Radikalen: Im Wahlkampf erschreckt man die Bevölkerung, indem man sagt, dass wenn die Linke an die Macht kommt, das Land von heute auf morgen „kommunistisch, sozialistisch“ wird. In Wahrheit aber hat Sánchez nicht die Mehrheit im Kongress (weder bei den Abgeordneten noch im Senat). Ohne die parlamentarische Unterstützung ist ein Präsident gesetzlich dazu gezwungen, die Konstitution zu respektieren und mit Konsens zu regieren. Er kann nichts erzwingen.

Garantie einer Absetzung, wenn er als Staatschef versagt: Da Roberto Sánchez das Parlament nicht kontrolliert. behält der Kongress die Möglichkeit, ihn unverzüglich aus dem Amt zu entfernen, sollte Sánchez sein Amt schlecht führen oder versuchen, die demokratische Ordnung zu untergraben. So war es schon mit seinem Vorgänger Pedro Castillo: Als dieser versuchte, die Spielregeln zu umgehen, wurde er innerhalb von ein paar Stunden abgesetzt, da er keine legislative Mehrheit hatte. Mit einem Präsidenten ohne Mehrheit ist ein Gleichgewicht garantiert.

Zusammenfassend:

Die Zukunft Perus zu diesem Zeitpunkt zu analysieren ist enorm wichtig. Es geht nicht um ideologische Ansichten (links oder rechts), sondern es geht um Vernunft und Strategie. Für Roberto Sánchez zu stimmen bedeutet nicht, ihm einen Freibrief zu geben oder eine unbekannte Partei zu unterstützen; es bedeutet, eine Exekutive mit „Handbremse“ zu wählen.

Dies ist die einzige wirkliche Alternative, um zu verhindern, dass eine einzige Partei den gesamten staatlichen Apparat ergreift und sich unsere essentiellen Freiheiten wegschnappt. Das Machtgleichgewicht ist für uns alle wichtig. Das heißt, für uns Peruaner*innen ist es ratsam, für Roberto Sánchez zu stimmen, weil er aus den genannten Gründen keine Gefahr darstellt.

Übersetzung: Lucy Weiler

CC BY-SA 4.0 Was ist die richtige Wahl für Peru? von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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