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(Mexiko-Stadt, 7. Mai 2026, Avispa Midia).- Die USA werden ihre Politik gegen Drogenhandel und Drogenterrorismus in den kommenden Jahren vermutlich noch öfter für direkte militärische Interventionen und Gewalt gegen die Bevölkerung in Lateinamerika nutzen. In dem am 5. März unterzeichneten regionalen Sicherheitsabkommen zwischen den USA und rund 20 lateinamerikanischen Ländern räumt sich die Supermacht USA das Recht ein, unter dem Motto „Frieden durch Macht“ in der Region zu intervenieren. Nach dem Abkommen beteiligten sich US-Soldaten in Ecuador an Einsätzen gegen den Drogenhandel und den illegalen Bergbau. Laut internationalen Organisationen laufen 70 Prozent der weltweiten Kokainproduktion über dieses Land. Die wichtigsten Produktionsstaaten sind Kolumbien und Peru. Auf diese Weise weitet Washington seine Operation „Southern Spear“ aus, die 2025 mit Luftangriffen auf Schiffe vor der Küste Venezuelas und Trinidads und Tobagos begonnen hatte.
Bis zum 5. Mai wurden mehr als 170 Personen, denen Drogenhandel vorgeworfen wurde – die meisten davon Fischer –, im Pazifik und in der Karibik getötet. Der Kampf gegen den Drogenhandel in Südamerika droht alle Bewohner der Regionen, in denen sich Kokapflanzungen befinden, unter Generalverdacht zu stellen. Das betrifft vor allem die Anden und das Amazonasgebiet. In Peru werden im sogenannten VRAEM, dem Tal der Flüsse Apurímac, Ene und Mantaro, 70 Prozent des Kokains produziert. Daran konnten auch zwanzig Jahre Militarisierung in Zusammenarbeit mit den USA nichts ändern, im Gegenzeil: Zwischen 2010 und 2021 stieg die lokale Drogenproduktion von 360 auf 785 Tonnen pro Jahr. „Der Drogenhandel in Peru läuft weiter wie bisher, obwohl die Region von Militär, Polizei und DEA (Drug Enforcement Administration) überwacht und kontrolliert wird. Wie kann es sein, dass die Macht, die sich selbst als die mächtigste der Welt bezeichnet, die Produzenten nicht ausfindig machen kann? Die Region ist Teil eines Systems aus Herstellung und Versand; der Transport erfolgt in Kleinflugzeugen, die von niemandem angegriffen werden. Ein Teil geht über den Hafen von Callao, unter der Kontrolle der peruanischen und der US-amerikanischen Marine, was dort genau passiert, weiß man nicht so richtig, und der neue Marinestützpunkt, der dort gebaut wird, verschafft dem Seeweg noch größere Bedeutung“, so der Soziologe Héctor Béjar im Gespräch mit Avispa Mídi. Béjar, Ex-Außenminister unter Pedro Castillo, verweist auf den Einfluss des Drogenhandels auf die nationale Politik und die internationale Wirtschaftsdynamik. „Durch ihr weitreichendes Produktions- und Vertriebsnetz können die mit ihrem Geld Einfluss auf die Politik nehmen. Es gibt Studien, die beweisen, dass peruanische Banken Geldwäsche betreiben; es ist unmöglich, die Einnahmen aus dem Drogenhandel zu kontrollieren. Die Geldwäsche findet in Casinos und bei Immobiliengeschäften statt. Wegen des intensiven Drogenhandels ist der Sol gegenüber dem Dollar stabil, denn ein Großteil des Kokains geht, ebenso wie Gold, in die Vereinigten Staaten, legal und illegal“, erklärt er.
Globaler und regionaler Streit um Bodenschätze
Auch der Wettkampf mit China um die wirtschaftliche Vorherrschaft spielt für die militärische Präsenz der USA in Peru eine Rolle. Im April drängte die US-Großmacht den Andenstaat, dem US-Unternehmen Lockheed Martin eine Flotte von Kampfflugzeugen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar abzukaufen, was für Differenzen zwischen der Präsidentschaft und dem Verteidigungsministerium sorgte. Das US-Unternehmen Lockheed Martin bestätigte im April, dass Peru zwölf F-16-Kampfflugzeuge erworben habe, um seine Luftflotte zu modernisieren. Der Übergangspräsident José María Balcázar wollte die Entscheidung über den Abschluss des Kaufs aber lieber auf nach den Wahlen im Juni verschieben. Das Militär verteidigt die Rechtmäßigkeit der Ausschreibung und beteuert, dass es keinen diplomatischen Druck seitens der USA gegeben habe. Schließlich meldete sich der chinesische Botschafter in Kolumbien zu Wort und kritisierte die Äußerungen des Vertreters Washingtons in Lima, die er als „nötigend“ gegenüber Peru empfunden habe. „Peru befindet sich in einer Zwickmühle: Sein Hauptmarkt ist China, doch in militärischer Hinsicht sind die USA der wichtigste Partner. Die Mineralien, das Kupfer und die lokale Stromversorgung stammen aus China. Im Produktionssystem bilden Kupfer und Banken ein Machtnetzwerk, und China hält die wichtigste Bank der Welt. Peru ist ein Knotenpunkt der globalen kapitalistischen Herrschaft, einer internationalen Megaoligarchie; hier werden Widersprüche sichtbar, die jenseits jeglicher Information und Kontrolle liegen“, meint Héctor Béjar. Mit ihrem militärischen Einsatz in der Region wollen die USA sich den Zugang zu Rohstoffen sichern, um ihre Position gegenüber China zu verbessern. Die Invasion Venezuelas im Januar diente dazu, sich die dortigen Ölreserven anzueignen, und seitdem streben sie eine stärkere Kontrolle über die Rohstoffgewinnung an, die die Grundlage des lateinamerikanischen Wirtschaftsmodells bildet. Kupfer sei ein wirtschaftlicher Faktor ersten Ranges im Wettstreit der Großmächte sowie in den internationalen Beziehungen in Südamerika, so Béjar. Chile, der weltweit größte Kupferproduzent, plant die Gründung eines staatlichen Bergbauunternehmens in Peru, dem zweitgrößten Produzenten, das peruanisches Gold und Kupfer erwerben, verarbeiten und vermarkten soll. „Im Fall Perus, deren Rohstoffvorkommen in den Bergen liegen, bedeutet der Kupferabbau die Zerstörung des Landes; Chiles Rohstoffe hingegen befinden sich in der Wüste. In Peru bedeutet die Rohstoffgewinnung mehr Umweltverschmutzung, mehr Wasserverbrauch, die Zerstörung der Bergseen in den Andengipfeln, die Zerstörung der Menschen, der Kinder in den Andengebieten, in deren Blut sich das Blei absetzt. Peru wird systematisch zerstört, indem es der globalen Industrie geopfert wird“, so Béjar.
Terrorismusbekämpfung mit System
In dieser neuen Phase des Kampfes gegen das organisierte Verbrechen in Lateinamerika arbeiten die USA gezielt mit dem Begriff „Terrorismus“, um den politischen Diskurs in Peru zu beeinflussen und auf die Anti-Terror-Gesetzgebung in den Ländern der Region einzuwirken und die strafrechtliche Verfolgung grenzüberschreitender Kriminalität, die nicht mit Umsturz und Regierungsfeindlichkeit in Verbindung stehen, mitzugestalten. Am Vorabend der Präsidentschaftswahlen im April in Peru wurden die Militäroperationen im VRAEM intensiviert. Am 29. März töteten die Streitkräfte in der Region Ayacucho zwei Personen, die sie als Mitglieder des Leuchtenden Pfades identifiziert hatten. Am 25. April wurden fünf Einwohner des Bezirks Colcabamba in der Region Huancavelica von der Armee im Rahmen einer vorgetäuschten Drogenrazzia getötet. Das Militär beschuldigte die Opfer, das Feuer eröffnet zu haben, doch dafür wurden keine Beweise gefunden. Ein Überlebender wurde unter Druck gesetzt, um ihn zur Unterzeichnung einer Erklärung zu zwingen, die besagt, dass er Drogen transportiert hat. „Es handelt sich um gezielte, geplante Gewalt, wie sie vor den Wahlen immer wieder auftritt. Die peruanischen Rechten schaffen sich so den vermeintlichen Beweis, dass der Terrorismus noch existiert, dass der Leuchtende Pfad noch existiert. Die Rechte nutzt die Gewalt für ihre politische Kampagne und beschuldigt alle anderen Gruppierungen als Terroristen – so ist es seit 1990. „Die Rechte“ ist in Peru eine Ansammlung von Mafiagruppen und kriminellen Zusammenschlüssen, die illegale Geschäfte jeglicher Art betreiben und den Staatshaushalt ausbeuten“, fügt Béjar hinzu. Nach der Festnahme seines Anführers Abimael Guzmán 1993 hat sich der Leuchtende Pfad aufgelöst und den bewaffneten Kampf sowie seine ideologischen Positionen aufgegeben. Trotzdem wurden vor den Wahlen 2011, 2016 und 2021 Operationen durchgeführt, die laut den Militärinstitutionen bis heute als Anti-Terror-Einsätze gelten, jedoch eigentlich zum Ziel hatten, linke und soziale Bewegungen zu delegitimieren.
Ein Abkommen mit explizit ideologischem Charakter
Das US-Verteidigungsministerium betonte explizit den ideologischen Charakter des Abkommens. Mexiko, Brasilien und Kolumbien, deren Regierungen Washington als sozialistisch einstuft, wurden deswegen ausgeschlossen. Die US-Regierung stellte am 6. Mai ihre Anti-Terror-Strategie vor und bezeichnete die Kartelle als eine der größten Bedrohungen für die nationale Sicherheit. Gleichzeitig bekräftigte sie die Möglichkeit, sie eigenmächtig anzugreifen, und weitete die Idee der Bedrohung auf Regierungen aus, von denen man annehmen kann, dass sie diese unterstützen oder begünstigen.
Militärische US-Interventionen und Kriminalisierung nehmen zu von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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