
(Lima, 24. März 2026, dialogue earth).- Als Videoaufnahmen publik wurden, auf denen zu sehen war, wie der peruanische Präsident in einem Kapuzenpullover zu nächtlichen Treffen mit dem chinesischen Unternehmer Zhihua Yang erschien, löste dies den jüngsten einer Reihe von politischen Skandalen in Peru aus. Der als „Chifagate“ bekannte Skandal – benannt nach den chinesisch-peruanischen Fusionsrestaurants, in denen die Treffen stattfanden – führte schließlich im Februar 2026 zur Amtsenthebung von Präsident José Jerí. Am 12. April wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Es wird der oder die neunte Präsident*in Perus in nur einem Jahrzehnt sein.
„Chifagate“ hat auch eine breitere Debatte über den wachsenden Einfluss chinesischer Investor*innen und Unternehmen in Peru ausgelöst. Yang ist einer von vielen Unternehmern, die seit den 1990er Jahren die Investitionen Chinas in Peru vorangetrieben haben. Sein Unternehmen ist Inhaber einer Konzession für ein Wasserkraftprojekt am Fluss Pachachaca. Ursprünglich war die Fertigstellung für Anfang dieses Jahres versprochen worden, doch zum Zeitpunkt seiner Treffen mit Jerí war eine Verlängerung um drei Jahre beantragt worden.
Mehrere chinesische Unternehmen sind mittlerweile wichtige Akteure im peruanischen Bergbau, in der Energieversorgung und der Infrastruktur geworden. Das prominenteste Beispiel ist der Hafen von Chancay, ein von China finanzierter Megahafen in der Nähe von Lima, zu dem sich die USA kürzlich geäußert haben, um dem chinesischen Einfluss in der Region entgegenzuwirken.
Abgesehen von den geopolitischen Implikationen und der politischen Korruption liegen diese Projekte in einigen der ökologisch sensibelsten Regionen Perus. Untersuchungen der OECD und von Umweltorganisationen haben gezeigt, dass eine schwache Regierungsführung die Umweltaufsicht über die Rohstoffindustrie untergraben hat.
Jahrzehntelange Korruption
Seit Jahren befindet sich Peru in einer Situation politischer Instabilität. Ausdruck dafür sind Präsident*innen, gegen die wegen Korruption ermittelt wird, die vor Gericht stehen oder verurteilt wurden. Der erste war Alberto Fujimori, der 2024 starb, nachdem er eine 16-jährige Haftstrafe wegen Menschenrechtsverletzungen und zahlreicher Korruptionsfälle verbüßt hatte. Vier seiner Nachfolger waren in den Fall „Lava Jato“ verwickelt, das Bestechungsnetzwerk brasilianischer Bauunternehmen, das ganz Lateinamerika erschütterte. Ein weiterer ehemaliger Präsident wurde kürzlich wegen Absprachen mit peruanischen Unternehmen des sogenannten „Club de la Construcción“ verurteilt.
Auch gegen den letzten, 2021 gewählten Präsidenten Pedro Castillo wird ermittelt, wegen mutmaßlicher Bestechung bei öffentlichen Bauvorhaben. Nachdem er seines Amtes enthoben und wegen Anstiftung zur Rebellion verurteilt worden war, hielten sich auch seine Nachfolger*innen nicht bis zum Ende der Wahlperiode. Sie wurden vom Kongress mit Amtsenthebungsverfahren und Misstrauensvoten abgesetzt.
Für José Luis Gargurevich, Geschäftsführer von Proética, Mitglied des Anti-Korruptionsnetzwerks Transparency International, ist das Gleichgewicht zwischen den Staatsgewalten gestört. „Die Instabilität der politischen Ämter zeigt uns, dass jeder Kongressabgeordnete morgen Staatspräsident sein kann. Der Kongress hat eine unverhältnismäßige Macht angehäuft“, erklärte er gegenüber Dialogue Earth.
Laut einer im Oktober von Proética durchgeführten Umfrage unter 1.300 in städtischen Gebieten lebenden Peruaner*innen wird der Kongress als die korrupteste Institution des Landes wahrgenommen und erzielt eine Ablehnungsrate von 85 Prozent. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 von Transparency International belegt Peru Platz 130 von 182 Ländern.
In diesem Panorama werden die Peruaner*innen am 12. April an die Urnen gehen, um aus 36 Kandidat*innen einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin zu wählen.
Das Wachstum chinesischer Investitionen
Einige chinesische Unternehmen investieren weiterhin in Peru. „China hat eine langfristige Perspektive, und die politischen Turbulenzen in Peru schrecken sie nicht unbedingt ab“, erklärt Cynthia Sanborn, Direktorin des Zentrums für China- und Asien-Pazifik-Studien (CECHAP) an der Universidad del Pacífico in Lima.
Nach Angaben des CECHAP hat sich China in den letzten Jahrzehnten zum wichtigsten Handelspartner Perus entwickelt, mit kumulierten Investitionen in Höhe von 27,9 Milliarden Dollar. Das entspricht 21 Prozent der ausländischen Investitionen im Land. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf dem Bergbau, auf den 47 Prozent der Investitionen entfallen.
Die Präsenz der großen chinesischen Staatsunternehmen begann 1992, als Shougang das damalige staatliche Unternehmen Hierro Perú übernahm und Shougang Hierro Perú in Marcona (Ica) gründete, wo es mehr als 2,25 Milliarden Dollar investiert hat.
Die Handelsbeziehungen intensivierten sich 2007, als die China Aluminum Corporation das Kupfer-Megaprojekt Toromocho in Junín im Zentrum Perus übernahm. Das Unternehmen investierte rund 5,6 Milliarden Dollar in Infrastruktur und Bergbaubetrieb. Die letzte bedeutende Investition erfolgte 2014 mit dem Kauf von Las Bambas – einem der größten Kupfervorkommen des Landes in Apurímac – durch ein Konsortium unter der Führung von MMG Limited zusammen mit Guoxin und CITIC, das rund 4,7 Milliarden Dollar investiert hat.
In den letzten Jahren hat sich das Portfolio in Richtung Energie sowie Hafen- und Logistikinfrastruktur diversifiziert. Nach dem Abzug von US-amerikanischem und europäischem Kapital erwarben chinesische Staatskonzerne die Aktienmehrheit an Enel und Luz del Sur, den wichtigsten Stromversorgern in der Hauptstadt Lima.

Im Jahr 2024 weihte das chinesische Unternehmen Cosco Shipping nördlich von Lima den Megahafen Chancay ein. Mit einer geplanten Kapazität von zwei Millionen Containern pro Jahr gilt er als der wichtigste Hafen im Südpazifik.
China hat zudem entscheidenden Einfluss auf die Handelsbilanz Perus. Anfang 2025 stammten 28,7 Prozent aller Importe aus China, und 33,8 Prozent der peruanischen Exporte gingen nach China.
Chinesische Unternehmen unter Korruptionsverdacht
Mehrere chinesische Unternehmen stehen wegen Korruptionsverdachts in der Kritik. Im Jahr 2022 enthüllte eine Kronzeugin die mutmaßliche Existenz einer Gruppe von Kongressabgeordneten, bekannt als „Los Niños“ („die Kinder“). Ihrer Aussage zufolge sollen diese beim damaligen Präsidenten Pedro Castillo interveniert haben, um Konsortien zu begünstigen, denen die Baufirmen China Railway Tunnel Group und China Civil Engineering Construction Corporation angehörten.
Yangs Bauunternehmen gehört zudem zu einer Gruppe von 13 Baufirmen, bekannt als der „Club del Dragón“, der im Zusammenhang mit der Vergabe öffentlicher Aufträge der „Einflussnahme“ beschuldigt wurde.
Sanborn warnt allerdings davor, es sich zu einfach zu machen. „Wir dürfen nicht alle chinesischen Investitionen über einen Kamm scheren, ebenso wenig wie alle mexikanischen, US-amerikanischen oder französischen Investitionen. Korruptionsvorwürfe sind ein Problem in unserem Land und in verschiedenen Sektoren, für die wir mitverantwortlich sind und die wir kontrollieren müssen“, erklärte sie gegenüber Dialogue Earth.
Soziale und ökologische Probleme
Neben diesen Vorwürfen sehen sich chinesische Unternehmen auch mit Kritik wegen Umweltverschmutzung und Missbrauch gegenüber indigenen Gemeinschaften konfrontiert. Ein Beispiel ist das Erdölprojekt Lote 58 in der Provinz La Convención in Cuzco. Im Jahr 2013 erwarb die China National Petroleum Corporation (CNPC) die Anteile von Petrobras Argentina. Die schlechten Beziehungen der CNPC zu den indigenen Gemeinschaften, die Nichteinhaltung der Vorab-Konsultation und die mit ihrer Tätigkeit verbundenen Umweltprobleme haben zu einer ablehnenden Stimmung gegenüber dem Unternehmen geführt.
Aktueller ist der Fall des Keramik- und Fliesenherstellers Tengda, der mit Zhihua Yang in Verbindung steht. Im Jahr 2022 errichtete das Unternehmen eine Fabrik auf einem 35 Hektar großen Grundstück im Bezirk Salas in Ica. Doch bevor sie den Betrieb aufnehmen konnte, wurde die Fabrik zweimal von der Umweltbehörde OEFA beanstandet. Die Aufsichtsbehörde stellte fest, dass die Anlage zu einer Übernutzung der Wasserressourcen sowie zur Freisetzung von Schwefeldioxid, Stickoxiden und gesundheitsschädlichen flüchtigen Verbindungen führen würde.
Die investigative Nachrichtenplattform Ojo Público enthüllte kürzlich, dass gegen Vertreter*innen von acht Unternehmen wegen illegalen Abbaus, Diebstahls und Exports von Bergbauabfällen nach China ermittelt wird. Das Material gelangte in chinesische Häfen, nachdem es von den Unternehmen Wuchan Zhongda International Group Co., Ltd. und Shuikoushan Nonferrous Metals Co., Ltd. erworben worden war, die vom chinesischen Staat kontrolliert werden. Keines der Unternehmen wollte sich zu diesem Bericht äußern. Der illegale Transport und die illegale Gewinnung potenziell giftiger Stoffe offenbaren eine mangelnde Aufsicht. Das erhöht die Gefahr von Umweltschäden.
Zwei Großmächte im Konflikt
Peru befindet sich mitten in den aktuellen Spannungen zwischen China und den USA.
Kürzlich ordnete ein Gericht die Aussetzung der Aufsicht über den Hafen von Chancay durch die Verkehrsaufsichtsbehörde an. Daraufhin warnte die US-Behörde für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre vor einem möglichen Verlust der Souveränität Perus gegenüber chinesischen Eigentümer*innen. Bernie Navarro, US-Botschafter in Peru, verschärfte den Ton seiner Kritik und erklärte in einem Beitrag in den sozialen Medien: „Alles hat seinen Preis, und auf lange Sicht kommt billig teuer. Es gibt keinen höheren Preis als den Verlust der Souveränität.“
Die Antwort Chinas kam von Lian Jian, dem Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peru. Auf einer Pressekonferenz erklärte er: „China weist die falschen Anschuldigungen und Desinformationen der USA gegen die Zusammenarbeit Chinas mit Peru im Hafen von Chancay entschieden zurück.“
César Gutiérrez, Berater und ehemaliger Präsident von Petroperú, schließt aus, dass die gerichtliche Maßnahme die Souveränität des Landes beeinträchtigen würde. „Die Regelung zu Chancay hätte vor der Vergabe der Hafenkonzession (2008) festgelegt werden müssen und nicht sechs Monate vor der Einweihung, wie dies versucht wurde“, erklärte er gegenüber Dialogue Earth.
USA wollen verlorenes Terrain zurückgewinnen
Im weiteren regionalen Kontext unterstreicht die kürzlich veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie der USA den Wunsch, die hegemoniale Macht in der westlichen Hemisphäre zu bleiben. José de Echave, ehemaliger stellvertretender Umweltminister und Mitarbeiter der NGO CooperAcción, vertritt die Ansicht, dass die USA versuchen, verlorenes Terrain zurückzugewinnen: „China ist zum wichtigsten Handelspartner der meisten Länder der Welt geworden, und Peru ist eines davon. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass die USA Investitionen wie die im Hafen von Chancay rückgängig machen können, auch wenn sie sicherlich versuchen werden, dieser enormen Macht entgegenzuwirken, so wie in Panama.“
Unterdessen haben die USA ein Abkommen im Wert von 1,5 Milliarden Dollar zur Modernisierung des Marinestützpunkts Callao in der Nähe des internationalen Flughafens von Lima verabschiedet. Und Peru steht vor einer Entscheidung über den Kauf einer Flotte von Kampfflugzeugen im Wert von über drei Milliarden Dollar.
Derzeit muss sich der 83-jährige Interimspräsident José María Balcázar der Aufgabe stellen, die Stabilität in einem Land zu wahren, das sich in anhaltenden Turbulenzen befindet.
Übersetzung: Annette Brox
Fragiler Balanceakt zwischen China und den USA von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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