
(Brasilia, 10. April 2026, brasil de fato/poonal).- Beim 22. indigenen Protestcamp für Landrechte ATL (Acampamento Terra Livre) in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia kamen rund 7.000 führende indigene Persönlichkeiten von über 130 Völkern aus dem ganzen Land zusammen. Das jährlich stattfindende Protestcamp ist die größte indigene Mobilisierung in Brasilien. Die Teilnehmenden kämpfen für den Schutz ihrer Territorien, gegen Landraub und gegen eine Politik, die ihre Rechte zunehmend einschränkt. Das ATL endete am Freitag, 10. April, mit dem Verlesen eines Briefes, der im Laufe der Woche von den teilnehmenden Organisationen verfasst worden war. Das Dokument fordert die Regierung auf, sich stärker für die Belange der indigenen Bevölkerung einzusetzen.
Der Text übte vor allem scharfe Kritik an der extremen Rechten, die nach den Worten der Sprecher*innen vorhabe, die indigenen Völker anzugreifen und den USA strategische Rohstoffe zu überlassen. Das Dokument führte als Beispiel den Angriff des Weißen Hauses auf Länder wie Venezuela an.
Forderung nach mehr Demarkationen und politischer Beteiligung Indigener
Die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens APIB (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil) betont außerdem die Bedeutung einer politischen Agenda, deren Grundpfeiler die Demarkation, also die gesetzliche Festlegung von indigenen Gebieten ist, und bekräftigt, dass die indigenen Organisationen es für wichtig halten, bei den kommenden Präsidentschaftswahlen im Oktober 2026 die Wiederwahl von Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT zu unterstützen.
„Für uns bedeutet Souveränität, alle indigenen Gebiete zu demarkieren und den physischen und kulturellen Schutz unserer Völker zu garantieren. Deshalb unterstützen wir Lulas Wiederwahl. Aber es handelt sich nicht um eine blinde Unterstützung, denn wir werden auf eine Politik drängen, bei der die Demarkation oberste Priorität hat, im Rahmen einer Politik der nationalen Souveränität“, heißt es in dem Text.
In ihrem offenen Brief kritisierten die Organisationen auch den Nationalkongress. Dem Dokument zufolge ist die brasilianische Legislative für die Genehmigung verschiedener Gesetzentwürfe verantwortlich, die die Rechte der indigenen Völker angreifen.
Indigene fordern Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe
Das Dokument unterstreicht auch die Notwendigkeit, die Umwelt zu schützen und die Nutzung fossiler Brennstoffe zu beenden. Für die am ATL 2026 Beteiligten handelt es sich dabei um Fragen, die die indigenen Völker direkt betreffen.
Ein weiterer Punkt, der in dem Abschlussdokument angesprochen wird, ist die Forderung nach einer größeren Beteiligung der Organisationen bei der Besetzung von Entscheidungspositionen in verschiedenen für indigene Fragen zuständigen Ministerien.
Die Forderung nach mehr Maßnahmen von Seiten der Regierung kommt auch von der APIB. Insgesamt wurden während Lulas dritter Amtszeit 29 indigene Gebiete offiziell abgegrenzt. Nach Ansicht der Vereinigung hätte diese Zahl wesentlich höher sein können.
„Wir haben viel mehr erwartet“
„Die erreichten Fortschritte entsprechen immer noch nicht den Bedürfnissen der Völker. Der Wiederaufbau der Institutionen muss sich in effektiven Maßnahmen widerspiegeln. Wir haben viel mehr erwartet; wir haben riesige Rückstände und einen großen Bedarf an weiteren Demarkationen. Wir hoffen auf Unterstützung der Exekutive, jetzt zum Ende der Amtszeit oder in den kommenden Jahren, denn wir hoffen, dass sie wiedergewählt wird und den Prozess der Ausweisung von indigenen Gebieten weiterführen kann“, erklärte Dinaman Tuxá, leitender Koordinator der Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens, gegenüber Brasil de Fato.
Für die Organisator*innen bestand eine der wichtigsten Errungenschaften in den Kontakten zur Exekutive und zum Nationalkongress. „Wir wollen in den Machtzentren neue Wege beschreiten, damit wir eine indigene Politik entwickeln können, damit wir politische Maßnahmen entwickeln können, die sich an die indigenen Völker richten und von den indigenen Völkern gestaltet werden. Wir wollen diese Entwicklung unter Beteiligung der indigenen Völker erreichen. Deshalb wollen wir jetzt vorankommen und mehr Raum einnehmen, damit diese Maßnahmen wirklich effektiv sind und in den indigenen Gebieten umgesetzt werden“, sagte Tuxá.
Übersetzung: Christa Röpstorff
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