
(Bahía de Banderas, 5. Mai 2026, amerika21).- Am Strand Las Cocinas in der mexikanischen Gemeinde Bahía de Banderas protestieren Umweltaktivist*innen seit Wochen gegen ein Immobilienprojekt. Dieses beabsichtigt die Privatisierung des Strandes auf der Halbinsel Punta de Mita. Die Protestierenden fordern das Bauunternehmen auf, den an den Strand angrenzenden 20 Meter breiten Landstreifen zu respektieren. Dieser gilt in Mexiko als unveräußerbar und öffentlich zugänglich.
In den letzten Apriltagen kam es um das Bauprojekt zu Auseinandersetzungen zwischen Polizist*innen des Bundesstaates Nayarit und Anwohner*innen. Zwei Aktivist*innen wurden vorübergehend festgenommen. Eduardo Huerta, ein Sprecher des Kollektivs „La Batalla por la Playa“ (Die Schlacht für den Strand), wurde im Handgemenge leicht verletzt.
Während die Aktivist*innen die als illegal bezeichneten Bauarbeiten filmten, tauchten Dutzende Polizeibeamt*innen am Strand von Las Cocinas auf. Die Polizei warf den Demonstrierenden vor, sie hätten das vom Unternehmen abgegrenzte Gebiet betreten. Anwohner*innen von Punta de Mita und Emiliano Zapata blockierten mehrmals den Verkehr einer wichtigen Zufahrtsstraße und forderten die Marine auf, den Strand zu schützen. Obwohl das Umweltministerium einräumte, dass für das Projekt keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung vorläge, wurden die Bauarbeiten am letzten für die Bevölkerung von Punta de Mita frei zugänglichen Küstenabschnitt unter Polizeischutz fortgesetzt.
Aktivist warnt vor „Ökozid“
Die Baumaschinen verschieben Felsen und Sand auf dem Bundesgebiet unmittelbar am Meer. Der Bau des Luxushotels der US-amerikanischen Firma Montage International beeinträchtige damit auch das Nistgebiet für Schildkröten, beklagten die Umweltaktivist*innen. „Was das Unternehmen in Punta de Mita macht, ist ein Ökozid“, warnte Huerta in einem Interview mit dem Lokalradio La Coyotera.
Nachdem mexikanische Medien über den Konflikt breit informiert hatten, versprachen die Behörden schließlich, einen freien Zugang zum Strand zu garantieren. Die Investoren gaben ihrerseits bekannt, sie würden ihre Mauer nun fünf Meter vom Strand entfernt bauen. Bei einer Bürgerversammlung Anfang Mai lehnten die Anwohner*innen diesen Kompromiss ab und forderten die Einhaltung eines Mindestabstands von 20 Metern, um das Bundesgebiet und das Nistgebiet der Riesenschildkröte zu schützen. Diese Art benötigt zum Nisten große Sandflächen, erklärten sie.
US-Unternehmen plant Luxushotel
Das US-Unternehmen Montage International ist gemäß eigenen Angaben im Bereich „Ultra-Luxus-Hotellerie“ tätig. Finanziert wird das Projekt mit 140 Zimmern und 60 Luxusresidenzen von LCA Capital, einem Unternehmen, das Kapital aus der privatisierten Altersvorsorge der mexikanischen Lohnarbeiter*innen verwaltet.
Die Fischer von Punta de Mita wurden schon im Jahre 1994 aus ihren einfachen Hütten in Strandnähe „mit Gewehrkolben vertrieben“ und zwangsumgesiedelt, wie sie gegenüber der Tageszeitung La Jornada berichteten. Die Halbinsel südlich des bekannten Touristenorts Puerto Vallarta wird seither für Luxushotels und Golfplätze genutzt, ohne dass die Versprechungen über gut bezahlte Arbeitsplätze für die Lokalbevölkerung erfüllt wurden. Einer der größten Konflikte mit der Tourismusindustrie ist deren hoher Wasserverbrauch in einer Gegend, die unter zunehmendem Wassermangel leidet.
Drohungen und Angriffe
Im Zuge der aktuellen Protestwelle ist es auch zu Drohungen gegen Umweltschützer*innen gekommen. Der Aktivist Efraín López veröffentlichte ein Video, in dem er seine Sorge um seine Sicherheit zum Ausdruck brachte. In seiner Botschaft warf er der Regierung von Nayarit vor, Vergeltungsmaßnahmen gegen diejenigen zu ergreifen, die diesen Ort schützen wollen.
Ebenfalls in der Gemeinde Bahía de Banderas wurde am 11. März der Umweltaktivist Erik Saracho Aguilar angeschossen, nachdem er die von ihm als illegal bezeichnete Durchführung von touristischen Großprojekten kritisierte. Das Attentat geschah kurz nach einem öffentlichen Treffen zwischen kritischen Bürger*innen und dem Bürgermeister, dem Morena-Politiker Héctor Santana, sowie Vertreter*innen von Ysuri, einem Boutique-Hotelprojekt im „Hippie-Chic“-Stil, das Teil des Luxus-Tourismuskorridors der Riviera von Nayarit ist. Die Täter, die aus kurzer Distanz auf Saracho geschossen hatten, wurden bisher nicht verhaftet.
Erfolgreiche Proteste gegen Strandprivatisierung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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