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(Buenos Aires, 30. Dezember 2025, tierra viva/poonal).-
Was haben wir in diesem Jahr geschafft, wo geht es hin?
Gewalt, Straflosigkeit, Konzerne und Plünderung natürlicher Reserven.
Ernährungssouveränität und Bewegungen der Landbevölkerung, Verteidigung der Territorien und der indigenen Völker, Entwicklung von Alternativen und Aufbau von ökologischen gesellschaftlichen Strukturen. Gegen die Militanz des Pessimismus. Ernten, Narben und die Aussaat für 2026.
Gewalt. Die Regierung von Javier Milei, in einem Wort zusammengefasst.
Rebellion. Bewegungen der Landbevölkerung, indigene Völker, sozioökologische Versammlungen, Produktionsgenossenschaften und kritische Stimmen, unter anderem von Intellektuellen. Trotz der widrigen Umstände wird jeden Tag die Saat für die Zukunft ausgebracht und gegen die Ungerechtigkeiten der Macht rebelliert.
Krieg. Wird von der Regierung gegen die Unterprivilegierten geführt. Javier Milei verfolgt nicht nur ein Wirtschaftsmodell, sondern einen Plan: die Privilegierten (noch mehr) zu begünstigen und die Unterprivilegierten zu unterwerfen. Das aktuelle alltägliche Beispiel ist der Umgang mit den Protesten von Rentenbezieher*innen und die Verachtung gegenüber Menschen mit Behinderungen. Keine demokratische Regierung hat sich ihnen gegenüber je so gewalttätig aufgeführt.
Plünderung. Der Rohstoffabbau (Großbergbau, Agrarindustrie, Forstwirtschaft, Erdöl und anderes) ist die Grundlage seines wirtschaftspolitischen Modells. Selbst vor dem Wasser als lebenswichtigem Element macht dieses Modell nicht halt, und es wird von allen Gouverneuren und der Justiz unterstützt und mit Gewalt durchgesetzt.
Soweit das aktuelle Bild. Und doch sind die Dinge in Bewegung: Die agroökologischen Hektarflächen vermehren sich, die landwirtschaftlichen Kolonien sprießen wieder, die Mobilisierungen reißen nicht ab (siehe Paraná, Andalgalá und Salta), es gibt kleine und große Erfolge (auch wenn es uns oft schwerfällt, sie zu würdigen), es gibt Bereiche einer mutigen, engagierten Wissenschaft. Es gibt sogar Grund zum Feiern: das zehnjährige Jubiläum des kleinen Dorfes Las Coloradas (Neuquén), das es geschafft hat, ein Bergbauunternehmen aus seinem Gebiet zu vertreiben, oder die wunderbare Peña Trashumante (ein historischer Ort, der sich der Bildung für alle verschrieben hat); oder das Festival Puentes de Agua (das nächste ist bereits in Planung). Für die indigenen Völker gab es zum Jahresende einen historischen Schritt nach vorne: Die Nivaĉlé sind ein Volk, das bereits vor der argentinischen Staatsgründung existierte. Der offiziellen Anerkennung waren Jahrzehnte des Kampfes, der Mobilisierungen, Versammlungen und jede Menge bürokratischer Aufwand vorangegangen, in denen den Nivaĉlé ihre Rechte verweigert wurden. Doch die Menschen gaben nicht auf. Über Jahrhunderte wurde die Flamme einer jahrtausendealten Kultur am Leben gehalten und gesagt: So waren wir, hier sind wir und so werden wir sein. Ein indigenes Volk, das das Leben feiert und seine Gegenwart und Zukunft gestaltet.
Wir werden sehen, wie es im neuen Jahr weitergeht. Hier einige Schlaglicher aus dem Jahr 2025:
Ernährungssouveränität zum Schutz der Gebiete und zur Bekämpfung des Hungers
Der 16. Oktober ist der Tag der Ernährungssouveränität für die internationale Bewegung der Menschen auf dem Land und Welternährungstag für die Vereinten Nationen. Ein symbolträchtiges Datum, mit dem auf Hunger und Mangelernährung aufmerksam gemacht werden, aber auch die Notwendigkeit einer Veränderung bekräftigt werden soll. „Die Agrarökologie kann unsere Lebensweise verändern, nicht nur die Art und Weise, wie wir anbauen”, versichern die Vertreter*innen der Bewegungen.
Pestizide in der Luft, im Wasser und in den Menschen
Eine Untersuchung der Europäischen Union hat Dutzende von Agrochemikalien in der Luft, im Wasser, im Boden, in Lebensmitteln und in den Menschen selbst nachgewiesen. Fünf Jahre lang wurden elf Länder untersucht und die Vergiftung der Bevölkerung (auf dem Land und in der Stadt), Umweltverschmutzung und Nachlässigkeit seitens der Regierungen und Unternehmen nachgewiesen. In Argentinien wurden die Studienergebnisse zensiert.
„Wir sind ein Volk, das sich für den Schutz des Paraná-Flusses engagiert”
180 Organisationen ruderten von Clorinda bis Rosario, um den Paraná-Fluss zu verteidigen. „Gegen den Strom rudern für Wasser und Leben” heißt die Aktion von Fischerfamilien, indigenen Gemeinschaften und Umweltorganisationen, die seit fast einem Monat läuft.
Zu viel Land in den Händen einiger weniger: Zehn multinationale Konzerne kontrollieren Millionen Hektar Land
Die Untersuchung „Los señores de la tierra” enthüllt die Machenschaften von zehn Konzernen, die 40 Millionen Hektar kontrollieren und wegen Rechtsverletzungen angeklagt sind. Darunter befinden sich drei Unternehmen, die in Argentinien tätig sind: Benetton, Cresud und Arauco. Im Fokus stehen die Rolle der Investmentfonds, die Parteilichkeit der Regierungen und die Forderung nach Agrarreformen, mit denen das Land an Bauern und indigene Völker zurückgegeben werden könnte.
Eine fotografische Hommage an die Agrarökologie Lateinamerikas
„Terruños” ist der Titel des Essays, der die Arbeit von Bauernfamilien widerspiegelt, die gesunde, giftfreie Lebensmittel mit lokaler Arbeit produzieren und Räume der Würde schaffen. Die Fotoreportage – entstanden in Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien und Venezuela – ist dem Andenken an Leda Giannuzzi gewidmet, einer der Gründerinnen des ersten Lehrstuhls für Ernährungssouveränität in Argentinien.
Seltene Erden: neue Elemente auf dem globalen Rohstoffmarkt
Die Regierung Milei treibt mit den Vereinigten Staaten eine beispiellose „Rettungsaktion” voran, ohne die Bedingungen dafür zu erläutern. Die sogenannten „Seltenen Erden”, Schlüsselelemente für die „Energiewende”, sind ein mögliches geopolitisches Ziel. Argentinien verfügt über Vorkommen in mehreren Provinzen und wenig Erfahrungen mit deren Abbau. Zugleich wurden gegen das Unternehmen Minera Alumbrera Schmuggel-Vorwürfe erhoben. Schädigende gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen zeigen sich auch in anderen Ländern.
„Wir müssen auf die Straße gehen, uns im öffentlichen Raum versammeln“
Folklore, Rock, soziales Engagement. Das sind einige der Merkmale der Band Duratierra, die sich für Erinnerung und Vielfalt einsetzt. Ihr letztes Album „A los amores” verbindet Gesellschaftliches mit Persönlichem, Urbanes mit dem Leben der Landbevölkerung, das private Zuhause-Gefühl mit der Bedeutung der Territorien. „Die Musik bringt uns zusammen, sensibilisiert uns, regt zum Nachdenken an und gibt uns Kraft”, erklären sie.
Das Scheitern der HB4-Technologie: internationale Forderung nach Verbot des gentechnisch veränderten Weizens
Organisationen aus Lateinamerika und Afrika prangerten das „Scheitern“ des gentechnisch veränderten Weizens HB4 des Unternehmens Bioceres an. Sie forderten, dass er aufgrund seiner Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Produktion vom Markt genommen wird. Argentinien ist das erste Land weltweit, das das umstrittene gentechnisch veränderte Produkt konsumiert. Der Weizen wird mit dem Herbizid Glufosinat-Ammonium angebaut.
Über die Zeit nachdenken: „Volksmacht entsteht durch Bewusstsein und Handeln, nicht durch Pläne oder indem man andere zu etwas zwingt.“
Roberto „Tato“ Iglesias, 82 Jahre, Aktivist, Pädagoge und Mitbegründer der Universidad Trashumante ist ein Weiser – auch wenn er selbst es sicher ablehnen würde, so genannt zu werden. Er war in Ezeiza bei der Rückkehr Peróns, lernte bei Paulo Freire, begleitete die Bewegung der Landbevölkerung und widmete sein Leben dem Aufbau autonomer Strukturen, fernab von den Schauplätzen der Macht. Soziale Bewegungen und die Domestizierung der Rebellion, der Progressismus und die Rechte; die Demokratie, das System und die Träume.
In jedem blühenden Gemüsegarten lebt das Vermächtnis von Miryam Gorban
Miryam Gorban war eine Vorreiterin in der Verteidigung des Menschenrechts auf Nahrung. Sie förderte den Lehrstuhl für Ernährungssouveränität an der Universidad Buenos Aires und besuchte unzählige Orte, an denen agroökologische Landwirtschaft betrieben und gegen die Agrarindustrie gekämpft wird. Sie stand immer auf der Seite der Menschen und vertrat die Ansicht, dass Ernährungssouveränität ohne wirtschaftliche Souveränität und soziale Gerechtigkeit nicht möglich ist. Eine Hommage an die Wissenschaft und die Organisationen der Landbevölkerung. Sie starb am 22. Oktober 2025. Ruhe in Frieden, Miryam.
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