Interamerikanischer Gerichtshof verurteilt Regierung wegen Mordes

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Präsidentin Sheinbaum versprach, die Auflagen des Urteils umzusetzen.
Foto: Maritza Ríos / Secretaría de Cultura de la Ciudad de México via wikimedia
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(Mexiko-Stadt, 21. Dezember 2025, amerika21).- Der Interamerikanische Gerichtshof (CIDH) hat den mexikanischen Staat für die Ermordung einer Nahua-Indigenen durch mexikanische Soldaten schuldig gesprochen. „Mexiko ist verantwortlich für die Vergewaltigung, Folterung und den Tod von Ernestina Ascencio Rosario“, titelte der CIDH sein Pressebulletin über das lang erwartete Urteil. Zudem hätten die Angehörigen der im Bundesstaat Veracruz ermordeten Nahua-Indigenen keinen Zugang zur Justiz gehabt. Die Taten gegen eine Zivilperson wurden nicht vor einem Zivilgericht untersucht und verurteilt.

Präsident unterstützt die Vertuschung des Feminizids

Die 72-jährige Ernestina Ascencio Rosario wurde am 25. Februar 2007 in ihrem Haus im Bergdorf Tetlatzinga von Soldaten des 63. Infanteriebataillons der 26. Militärzone von Lencero, Veracruz, vergewaltigt. Nach der Tat wurde sie von ihren Angehörigen schwer verletzt aufgefunden. Nach Ascencios Aussage „stürzten sich die Soldaten auf sie“. Die Familie versuchte, Hilfe für Ascencio in mehreren Kliniken zu erhalten, eine adäquate Gesundheitsversorgung blieb jedoch aus. Ascencio erlag einen Tag später ihren schweren Verletzungen an Kopf, Vagina und Anus. Als das Magazin Proceso den Fall im März 2007 an die Öffentlichkeit brachte, versicherte der damalige Präsident Felipe Calderón, der Tod der Frau sei auf eine „unbehandelte chronische Gastritis“ zurückzuführen. Die Behörden leiteten Ermittlungen gegen die Journalisten ein, die an der Recherche beteiligt waren. Eine von ihnen, Regina Martínez, wurde fünf Jahre später unter bis heute ungeklärten Umständen ermordet.

Intersektionalität von Rassismus, Altersdiskriminierung und Militarisierung

Gemäß dem Gerichtsmediziner Pablo Mendizábal, der den Leichnam von Ascencio untersuchte, bestätigt nun das Urteil des CIDH das Ergebnis, zu dem er und andere Sachverständige gekommen waren. Mendizábal wurde für ein Gutachten entlassen und von den damaligen Regierungen der Parteien PAN und PRI verfolgt. Die derzeit amtierende Morena-Partei habe ihn hingegen „ignoriert“, erklärte Mendizábal. Das Urteil schafft nicht nur Gerechtigkeit für Ascencio und ihren Angehörigen, sondern legt auch einen verstärkten Sorgfaltsstandard in Fällen von Gewalt gegen indigene Frauen fest und verdeutlicht die Intersektionalität von Rassismus, Altersdiskriminierung und Militarisierung. Der CIDH verlangt, die Verantwortlichen zu identifizieren und zu bestrafen und weist den mexikanischen Staat an, umfassende Wiedergutmachungsmaßnahmen zu ergreifen.

Militarisierung der Region geht einher mit zunehmenden Menschenrechtsverletzungen

Es ist bereits das siebte Mal, dass der Interamerikanische Gerichtshof Mexiko wegen Verstößen des Militärs verurteilt. Im Gegensatz zu früheren Urteilen sei in diesem Fall die Politik der Militarisierung der öffentlichen Sicherheit direkter untersucht worden, so Eduardo Guerrero, Rechtsanwalt des Menschenrechtszentrums Centro Prodh. „In einem besonders hervorzuhebenden Absatz stellt der Interamerikanische Gerichtshof fest, dass ein Zusammenhang zwischen der Militarisierung und der Zunahme von Folter, Verschleppungen und außergerichtlichen Hinrichtungen besteht“, erklärt Guerrero. Die Präsenz von Truppen in der abgelegenen Region der Nahua-Indigenen begann ab dem Jahr 2000 aufgrund sozialer Bewegungen, die für ihre Autonomie kämpften. Die Militarisierung nahm ab Anfang 2007 im Rahmen des Amtsantritts von Präsident Calderón zu, wodurch „Menschenrechtsverletzungen durch die Armee zur Norm wurden“, wie die Mexikanische Kommission zur Verteidigung und Förderung der Menschenrechte (CMDPDH) schreibt. In der Sierra de Zongolica, weniger als einen Kilometer von Ernestinas Haus entfernt, sei ein Militärlager errichtet worden, erinnert die CMDPDH. Aufgrund massiver Proteste von mehreren tausend Indigenen musste das Militär das Lager nach dem Mord an Ascencio räumen.

Die mexikanische Regierung übernahm kurz nach der Urteilsverkündigung die Verantwortung für die gravierenden Verletzungen der Menschenrechte von Ascencio sowie ihrer Angehörigen. Die im Urteil vorgesehenen Maßnahmen seien „sehr konkret […] und wir werden sie umsetzen“, versprach Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo am 17. Dezember. Die Regierung hat ein Jahr Zeit, um einen Bericht über die Maßnahmen vorzulegen, die zur Umsetzung des Urteils ergriffen wurden.

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