Tödliche Polizeigewalt in Argentinien: Gespräch mit Sergio Maldonado

Santiago Maldonado
Sergio Maldonado, Bruder des nach einem Polizeieinsatz ums Leben gekommenen Santiago Maldonado, auf einer Demonstration am 24. Mai 2019 in Buenos Aires gegen tödliche Polizeigewalt. Vier Tage zuvor waren vier Jugendliche nach einer nicht aufgeklärten Polizeiaktion gestorben. Foto: Lidia Barán/Anred

Am 1. August 2017 verschwand der argentinische Kunsthandwerker und Aktivist Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz gegen eine Gruppe von Mapuche, die eine Straße in Patagonien blockiert hatten. Das Schicksal von Santiago Maldonado hatte damals die argentinische Öffentlichkeit und den Wahlkampf geprägt, am 1. Oktober 2017 gingen landesweit bis zu 300.000 Menschen gegen Polizeigewalt und für Gerechtigkeit auf die Straße. Viele hatten noch die tausendfachen Fälle von gewaltsam Verschwundenen aus der Diktaturzeit vor Augen.

Erst zweieinhalb Monate später wurde Maldonados Leiche gefunden; flussaufwärts von der Stelle, an der der Polizeieinsatz stattgefunden hatte. Zeugen haben zudem ausgesagt, dass Polizisten ihn in ein Auto gezerrt hätten. Dennoch legte der Richter Gustavo Leral den Fall am 29. November 2018 zu den Akten. Die offizielle Version lautet bis heute: Tod durch Ertrinken, keine Fremdeinwirkung.

Wir hatten Gelegenheit, mit Santiagos Bruder Sergio Maldonado zu sprechen. Er kämpft für die Wiederaufnahme des Verfahrens und für die Einrichtung einer unabhängigen Expert*innenkomission.  Für Sergio Maldonado war der Tod seines Bruders nur der Auftakt zu einer repressiven Politik der harten Hand, gefördert von Sicherheitsministerin Patricia Bullrich.

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