Behörden im Bundesstaat Sinaloa: „Abwesenheiten“ statt erzwungenes Verschwindenlassen

Das bleibt meist von Verschwundenen in Sinaloa. Dieses Bild stammt allerdings aus Chile, von der Haftanstalt Pisagua während der Diktatur. Foto: Wikimedia commons/Claudio Rodriguez (CC BY-SA 3.0)
Das bleibt meist von Verschwundenen in Sinaloa. Dieses Bild stammt allerdings aus Chile, von der Haftanstalt Pisagua während der Diktatur. Foto: Wikimedia commons/Claudio Rodriguez (CC BY-SA 3.0)

(Mexiko-Stadt, 16. November 2016, la jornada/poonal).- Wie inzwischen in vielen mexikanischen Bundesstaaten haben sich auch im Bundesstaat Sinaloa – vor allem weibliche – Familienangehörige organisiert, um ihre unter gewaltsamen Umständen verschwundenen Verwandten zu suchen. „Las Rastreadoras“ (Die Fährtensucherinnen) sind bei ihren Nachforschungen bisher auf zahlreiche geheime Gräber gestoßen. Die gefundenen Knochenreste werden 75 Skeletten zugeordnet. Die Aktivistinnen beklagen sich über die „Kälte“, die Behörden und Gesellschaft angesichts des Problems zeigten. Zudem würden die Verschwundenen ein zweites Mal zu Opfern gemacht, indem die Regierung des Bundesstaates sich weigere, bei ihnen von „erzwungenem Verschwindenlassen“ zu sprechen, sondern stattdessen den Ausdruck „Abwesenheiten“ benutze.

Der Begriff „erzwungenes Verschwindenlassen“ impliziert nach internationalen Normen die Beteiligung des Staates an dem kriminellen Akt und wird nach dem Statut von Rom als Verbrechen gegen die Menschlichkeit behandelt. Laut Mirna Medina von den Rastreadoras ist die Polizei Sinaloas in etwa 90 Prozent der entsprechenden Delikte involviert. Bei Anzeigen würde nicht ermittelt, Verschwundene gar nicht erst gesucht.

Die Rastreadoras gingen auch auf die oft zumindest indirekt von Behörden und anderen Stimmen zu hörende „Rechtfertigung“ ein, nach denen es sich bei den Opfern in der Regel selbst um Kriminelle handele. Nichts rechtfertige das Verschwindenlassen einer Person, unabhängig davon, ob sie ein Delikt begangen habe. Angesichts der Arbeit des Zusammenschlusses hat sich die Regierung in Sinaloa inzwischen etwas bewegt und den Rastreadoras ein Genlabor, einen Bodenradar und Spürhunde zur Verfügung gestellt. Letztendlich lässt sie damit jedoch die Familienangehörigen die Arbeit machen, die in ihre eigene Verantwortung fällt. Laut Medienberichten sind in Sinaloa in den letzten sechs Jahren etwa 2.200 Menschen verschwunden.

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