Gesellschaftlicher Widerstand lebt wieder auf

von Tania Peña

noam titelman. Foto: amerika21/Pontificia Universidad Católica de Chile(Havanna, 25. April 2012, prensa latina).- Selbst die Veranstalter*innen der Demonstrationen zeigten sich überrascht: Dass so viele Menschen am 25. April dem Aufruf zum erneuten Protest gegen die Missstände im chilenischen Bildungssystem folgen würden, hatten sie nicht erwartet. In den großen Städten beteiligten sich Student*innen und Arbeiter*innen aus allen sozialen Kontexten an den Aufmärschen, die als Startschuss für das neue Protestjahr 2012 angekündigt wurden.

Allein in der Hauptstadt Santiago zogen etwa 100.000 Menschen die große Hauptstraße Alameda entlang und versammelten sich schließlich an der U-Bahn-Station Centro Cultural Mapocho. Auch in Valparaíso, wo der Nationalkongress, die chilenische Legislative, zusammenkommt, sowie in weiteren Städten wie Concepción, La Serena, Osorno, Talca und Chillán fanden Demonstrationen statt.

Menschenwürde statt Recht und Ordnung

“Y va a caer, y va a caer, la educación de Pinochet” – “Das Bildungssystem Pinochets wird fallen”; “Salimos a la calle nuevamente, la educación chilena no se vende, se defiende” – “Wir gehen wieder auf die Straße. Das chilenische Bildungssystem wird nicht verkauft sondern verteidigt“: Mit diesen Rufen zogen die Jugendlichen am 25. April in Santiago die Alameda entlang. Auf den zahlreichen Spruchbändern war zu lesen: „Das Volk braucht weniger Ordnung, sondern mehr Menschenwürde“, „Wir unterstützen unsere Kinder in ihrem Kampf“, „Schluss mit dem Ausverkauf der Bildung“ und „Volksversammlung jetzt!“

Bildungssystem muss grundlegend verändert werden

Der Sprecher der chilenischen Studentenvereinigung Noam Titelman erklärte, die Proteste richteten sich gegen ein veraltetes, funktionsunfähiges System. „Wir müssen unser Bildungssystem umstrukturieren; mit kleinen Veränderungen hier und da kommen wir nicht weiter. Wir müssen uns mit den Ursachen der Probleme befassen und über einen Paradigmenwechsel reden.“ Zu dem unerwarteten Ausmaß der Proteste in der Hauptstadt erklärte er: „Wir hoffen, daß diese Botschaft deutlich ist: „Die Bevölkerung ist noch nicht bereit, befriedet nach Hause zu gehen. Es gibt hinsichtlich unseres Bildungssystems immer noch viele offene Forderungen.“

Die Studentensprecherin Camila Vallejo erklärte: „Es gab immer wieder Stimmen, die erklärten, die Proteste führten zu nichts, die Bevölkerung habe keine Kraft mehr und die Studenten hätten die Lust verloren, immer wieder auf die Straßen zu gehen und zu demonstrieren; aber heute haben wir ihnen das Gegenteil bewiesen.“

 

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