„Unsere Forderung – Diskriminierung indigener Frauen sofort stoppen!“

Foto: Daniel O’Neill via flickr
CC BY 2.0

(Bogotá, 14. Oktober 2021, ANRed).- Die lateinamerikanische Organisation Enlace Continental de Mujeres Indígenas de las Américas, Región Sur  verbindet Tausende indigene Frauen auf dem gesamten Kontinent. Strukturelle Diskriminierung, Gewalt und Enteignung sind die Folgen des weitverbreiteten und wachsenden Extraktivismus, der zur Besetzung ihrer Ländereien und Wohngebiete, zur Plünderung sämtlicher Naturgüter und zur Vereinnahmung ihrer ureigenen Kenntnisse geführt hat. ECMIA SUR fordert die konsequente Einhaltung der Allgemeinen Empfehlung  der UN-Frauenrechtskonvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Seit 2004 steht die UNO indigenen Frauen Lateinamerikas mit einer Vielzahl öffentlicher Erklärungen, Mechanismen und Empfehlungen zur Seite. Dennoch sind die Rechte indigener Mädchen und Frauen innerhalb der UN-Konvention nicht ausdrücklich vermerkt. Die einzige Möglichkeit, ihre Bedürfnisse und Forderungen vorzubringen ist die Aufnahme einer Empfehlung der Frauenrechtskonvention, die die Mitgliedsstaaten motivieren soll, die Sicherheit und den Schutz ihrer Sprache und Kultur, ihrer Gebiete, des Wassers und der über Jahrhunderte gehüteten Natur, ihrer Weltanschauungen und ihrer ureigenen Kenntnisse zu gewährleisten.

Indigene Frauen: spezifische Unterdrückung, spezifische Forderungen

„Der Staat und die Regierung müssen den Schutz indigener Mädchen und Frauen garantieren. Der Rassismus gegen unser Volk, gegen unsere Traditionen und Werte entstand in der Kolonialzeit und diente als Rechtfertigung für Plünderung, Vertreibung und Gewalt. Dieser Rassismus besteht noch immer, und das muss ein Ende haben. Daher ist es überaus wichtig, dass die Frauenrechtskonvention eine Empfehlung zu unserem Schutz herausgibt und dass die Regierungen sich daran halten. Wir möchten in Ruhe und Frieden, im gegenseitigen Einklang mit der Natur leben“, macht Melanie Canales deutlich. Canales ist ECIMA SUR-Koordinatorin und Vorsitzende der nationalen Organisation für indigene Frauen im peruanischen Anden- und Amazonengebiet ONAMIAP (Organización Nacional de Mujeres Indígenas Andinas y Amazónicas del Perú). Die Corona-Pandemie und die globale Krise  haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Natur durch die Hand des Menschen und die Zunahme von Krankheiten und Epidemien besteht. Durch ihre naturverbundene Lebensweise, ihre Nähe zur Erde, zum Wasser, zu den Schätzen der Natur und durch die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung sind indigene Frauen von den Auswirkungen besonders betroffen. ECIMA SUR hat die Frauenrechtskonvention folglich schriftlich aufgefordert, die folgenden Punkte in die Allgemeine Empfehlung  zu den Rechten indigener Frauen und Kinder aufzunehmen:

– Recht an den ureigenen Territorien und ihre freie autonome Verwaltung, um den Genozid an indigenen Völkern zu verhindern. Der Schutz indigener Frauen ist gleichbedeutend mit dem Schutz ihrer angestammten Gebiete, Rituale und Lebensform.

Schutz indigener Frauen vor sexuellen Gewalt, insbesondere im Kontext bewaffneter Landkonflikte, Prävention gegen Schwangerschaften von Minderjährigen.

– Schutz vor rassistischen, kapitalistischen, sexistischen und kolonialistischen Übergriffen.

– Recht auf Protest: gegen Diskriminierung, Unterdrückung, Gewalt und Kriminalisierung der indigenen Bevölkerung.

– ein Recht auf Leben ohne jegliche Gewalt. Wir erleben ohnehin permanente Gewalt: Zusätzliche Diskriminierung erleben wir als Frauen, als Indigene und aufgrund unserer Armut.

– Gerechtigkeit und Entschädigung für alle erlittenen Übergriffe und Gewalt an indigenen Frauen, Territorien und Gemeinden, für Invasionen, Plünderungen und die Verletzung unserer Ernährungssicherheit.

– Sexuelle und reproduktive Rechte, die unserer Kosmovision entsprechen und sich nicht an Religionen orientieren, die unserem Glauben und unserem traditionellen Wissen den Respekt versagen.

Die größte Bedrohung: wirtschaftliche Megaprojekte

Rosalee Gonzales des Netzwerks „Xicana Indígena” stellt klar: „Wir befinden uns im Kampf um unsere ureigenen Ländereien. Unsere größte Bedrohung stellen dabei die Globalplayer mit ihren gigantischen Projekten zur Ölförderung und zum Mineralienabbau. Immer schon waren die Megakonzerne unsere ärgsten Feinde und werden es stets bleiben. Man kann wirtschaftliche Entwicklung nicht auf physische oder geistige Arbeit reduzieren. Wir verlangen, dass indigene Frauen ein Recht auf eigenes Land haben.“ ECIMA SUR hofft, dass die Empfehlung zum Schutz indigener Mädchen und Frauen angenommen und die 189 Vertragsstaaten der Frauenrechtskonvention motivieren wird, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und zu überwachen.

CC BY-SA 4.0 „Unsere Forderung – Diskriminierung indigener Frauen sofort stoppen!“ von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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