Feministinnen demonstrieren für straffreie Abtreibung

von Jeane Freitas

aborto y pedofilia(Fortaleza, 14. September 2011, adital).- “Für ein freies Abtreibungsrecht! Für das Ende der Gewalt gegen Frauen!” So lautete der Ruf etlicher Frauen und Mädchen, die am Tag der Straffreiheit der Abtreibung in Lateinamerika und der Karibik am 28. September auf die Straße gingen. Auch in anderen Städten Lateinamerikas fanden Demonstrationen statt.

 

Seit 2008 gelten Abtreibungen im nicaraguanischen Strafrecht generell als Straftat, auch wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist. Bestraft werden dabei sowohl Frauen und Mädchen, die einen Abbruch durchführen lassen wollen, als auch das medizinische Personal. Da der Anteil der minderjährigen Schwangeren in Nicaragua besonders hoch ist, betrifft dieses Gesetz besonders oft sehr junge Frauen, die häufig zusätzlich auch in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen leben.

Hundert Jahre lang galt der Schwangerschaftsabbruch im Fall einer gesundheitlichen Gefährdung der Schwangeren oder einer medizinisch bedenklichen Entwicklung des Fötus als legal. Aus wahltaktischen Gründen und mit großer Unterstützung durch die Medien gelang es der katholischen Kirche im Jahr 2008, die gesetzliche Einführung eines absoluten Abtreibungsverbots durchzusetzen.

Aktionen im Wahlkampf

Nach Ansicht von Amnesty International begeht das Land Nicaragua mit seinem totalen Abtreibungsverbot eine „schwere Verletzung seiner Pflicht, die Menschenrechte zu schützen, zu respektieren und für ihre Umsetzung einzutreten“. Die Menschenrechtsorganisation führt derzeit eine Kampagne für das Recht auf straffreie Abtreibung in Nicaragua. Feministische Verbände wollen die Zeit des Wahlkampfs nutzen, um für das Recht auf Abtreibung einzutreten. Für den 6. November sind Aktionen gegen das Abtreibungsverbot geplant.

Die Bewegung hofft auch hier auf die Unterstützung der internationalen Menschenrechtsorganisation. „Die Lage ist sehr ernst. In ihrem Eifer, dieses Gesetz beizubehalten, greifen die Abtreibungsgegner zu denselben unseriösen Mitteln wie damals, als das Anti-Abtreibungsgesetz durchgeboxt wurde. Einige Leitfiguren der Menschenrechtsbewegung haben schon Todesdrohungen erhalten. Das sollte deutlich machen, wie zugespitzt die Situation inzwischen ist.“

Die Gewalt in Zahlen

Die Auswertung von Medienberichten ergab, dass in den Jahren zwischen 2005 und 2007 insgesamt 1.247 Mädchen und junge Frauen in Nicaragua Opfer von Vergewaltigung und Inzest wurden; in 198 Fällen kam es zu einer Schwangerschaft. Ein großer Teil dieser Opfer (172 von 198) war zwischen zehn und 14 Jahren alt.

Während im gesamten Jahr 2008 nicht ein einziger Todesfall einer Schwangeren aufgrund eines Abbruchs unter unzureichenden Bedingungen verzeichnet wurde, gingen von Januar bis Mai 2009 bereits 16 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit auf risikoreiche Abbrüche mit tödlichem Ausgang zurück.

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