„Militarisierung der sogenannten humanitären Hilfe zerstört das Land noch weiter“

von Natasha Pitts

(Fortaleza, 08. Februar 2010, adital).- Unter dem Vorwand der Hilfe für Haiti in der Zeit nimmt die Militarisierung der humanitären Hilfe zu. Obwohl die dringendsten Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung nach dem Erdbeben vom 12. Januar Wasser, Essen, Kleidung und Medikamente sind, haben US-amerikanische und brasilianische Truppen das Territorium bis auf Weiteres besetzt.

Laut Nildo Ouriques, Professor für Wirtschaft an der brasilianischen Bundesuniversität Santa Catarina UFSC (Universidad Federal de Santa Catarina) und Vorsitzender des Instituts für Lateinamerikanische Studien Iela (Instituto de Estudios Latinoamericanos), gibt es keine Aussicht auf Abzug der US-amerikanischen Truppen; das brasilianische Militär hält einen Abzug seiner Truppen innerhalb der nächsten fünf Jahre angesichts der Lage für nicht möglich.

„Die dauerhafte Präsenz der Truppen in Haiti ist eine weitere Katastrophe und zeigt, dass die Militarisierung der sogenannten humanitären Hilfe noch weiter zur Zerstörung des Landes beiträgt. Brasilien und die Vereinigten Staaten wollen für längere Zeit auf Haiti bleiben. Niemand ist willens, ein Abzugsdatum zu nennen. Wir können diese unbefristete Präsenz dieser Truppenkontingente nicht akzeptieren, weil dadurch dem haitianischen Volk die Möglichkeit genommen wird, sein Land aus eigener Kraft wieder aufzurichten. Dennoch ist jetzt eine echte humanitäre Hilfe für Haiti von entscheidender Bedeutung.“, so Ouriques.

Vor wenigen Tagen wurde spekuliert, ob für die dauerhafte Besetzung Haitis durch US-amerikanische Truppen nicht vielleicht Ölvorkommen auf der Insel verantwortlich sind. Demnach sollen die Truppen alle vor einigen Jahren entdeckten Ölvorkommen sichern, welche als Reserven zurückgehalten und in dem Moment benutzt werden sollen, wenn die Reserven in Nahost erschöpft sind. Eine weitere Spekulation über den Grund der Besetzung ist die Nutzung von Tiefwasserhäfen für die Ölraffinerie. Trotz dieser Spekulationen glaubt Ouriques, dass die Vereinigten Staaten keine Ausreden brauchen, um in Haiti die Stellung zu halten: „Bis jetzt ist das Vorhandensein von Ölreserven auf Haiti reine Spekulation, aber wir müssen auf der Hut sein. Die USA brauchen keinen derartigen Vorwand für eine Intervention auf Haiti. Diesen Interventionismus kann es nicht geben, auch wenn es eine humanitäre Intervention gibt. Humanitäre Hilfe und Interventionismus sind zwei grundverschiedene Dinge.“

Der Professor befürchtet außerdem, dass trotz der Schwere der Situation auf Haiti die Tragödie bald vergessen sein wird. „Bei der internationalen Gemeinschaft, den großen imperialistischen Mächten wird Haiti bald wieder in Vergessenheit geraten; eine Situation, in der Haiti sich schon immer befand. Ich bezweifle, dass die derzeitigen Debatten um Haiti dazu beigetragen haben, die Bedingungen aufzuzeigen, in denen das Land schon seit Jahren steckt. Und es wird auch weiterhin keine Nachgiebigkeit mit dieser Nation geben.“

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