„Diskriminierung und Rassismus enthüllen das Scheitern eines Landes“

RTEmagicC rosalinatuyuc01colectapoyoarosalinatuyuc cimac-noticias(Guatemala-Stadt, 24. Mai 2012, cerigua/poonal).- „Die Diskriminierung der Indígenas in Guatemala enthüllt das Scheitern eines Landes, das nach dem Modell der Ausbeutung, Ausschließung, Enteignung und Ablehnung erbaut sei und die Bevölkerung [der Indígenas] als andersartig bezeichnet“, schreibt die Kolumnistin Carolina Escobar Sarti in ihrer Kolumne „Nana Rosalina Tuyuc“ in der guatemaltekischen Zeitung „Prensa Libre“.

Diese anderen seien jene Menschen, die eine [eigene] und nicht die [eigentliche] Sprache sprechen und die auch nicht dem auferlegten westlichen Modell von Mann und Frau entsprechen, so Escobar.

Niwano-Friedenspreis für Nana Rosalina Tuyuc

Die Autorin bezieht sich in ihrem Artikel auf eine Auszeichnung, die der Menschenrechtsaktivistin Rosalina Tuyuc vor kurzem zu Teil wurde. Die 1956 geborene Kaqchikel-Maya erhielt am 10. Mai in Japan den mit umgerechnet 170.000 Euro dotierten Niwano-Friedenspreis.

Escobar erinnert sich in ihrem Text daran, wie die Preisträgerin als Abgeordnete mit ihrer kleinen Tochter im Arm im Parlament erschien und wenn nötig, sie dort sogar stillte. Dies sei sowohl ein Zeichen von Mut, als auch von Zärtlichkeit. Tuyuc war 1995 als Abgeordnete ins Parlament gewählt worden und war in dieser Wahlperiode Vizepräsidentin des guatemaltekischen Kongresses. Sie gründete 1998 die Menschenrechtsorganisation Koordinationsstelle der Verwitweten Guatemalas CONAVIGUA (Coordinadora Nacional de Viudas de Guatemala). Ihr Vater und ihr Ehemann waren in den 1980er Jahren während des Bürgerkrieges entführt und ermordet worden.

Würdigung einer Visionärin

Indígenas, die heute am politischen, akademischen, sozialen, künstlerischen und wirtschaftlichen Leben des Landes mitwirken, wüssten, dass der Weg dorthin nicht leicht war, so Escobar. Noch immer zeigten Statistiken, dass indigene Frauen die ärmsten unter den ärmsten seien und am schwierigsten Zugang zu Landbesitz, Bildung und Gesundheitswesen fänden. Hinzu komme, dass während des Krieges ihre Körper – mehr als jeder andere Ort – mit den extremsten Formen von Gewalt gebrandmarkt wurden, resümiert die Autorin.

Menschen wie Tuyuc brächten die Bevölkerung einer Utopie nahe, deren Verwirklichung möglich sei, heißt es in der Hommage an die Aktivistin. Jede Person, die sich in einer rassistischen Klassengesellschaft wie der guatemaltekischen vom aufgedrängten Modell des Westens abwende, habe seit eh und je Verachtung erfahren. Dieses Trugbild hätte Jahrhunderte lang Sklaverei und Völkermord gerechtfertigt, wie es Millionen von Indígenas erleben mussten. Noch immer sei es Ausgangspunkt für schändliche Äußerungen von Ladinos und Mestiz*innen, die sich in Sätzen wie „Die Rasse muss verbessert werden“, widerspiegelten.

Ehrung im Heimatort Comalapa

Rosalina Tuyuc wurde anlässlich der Preisverleihung von den Menschen ihres Heimatortes Comalapa im Department Chimaltenango mit einem großen Fest geehrt. Auch im Museum der Universität San Carlos de Guatemala (MUSAC) wurde der Aktivistin Anerkennung ausgesprochen. Escobar betont jedoch, dass derartige Feierlichkeiten von der ganzen Nation ausgehen sollten, denn der Weg Rosalina Tuyucs zähle zu jenen, die ein Land wie Guatemala verändern könnten.

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