Afrokaribische Bevölkerung leidet nach wie vor unter Diskriminierung

von Markus Plate

(Berlin, 03. September 2012, npl).- Acht Prozent der Costa Ricaner*innen sind afrikanischer Herkunft, ungefähr eine Drittelmillion Menschen gehören der afrokaribischen Kultur an. Costa Ricas schwarze Bevölkerung lebt traditionell an der Karibikküste und wurde über Jahrzehnte diskriminiert. Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts war es ihnen sogar untersagt, in die Hauptstadt San José zu reisen. Auch wenn sich die Situation in den letzten 20 Jahren gebessert hat, gebe es nach wie vor einen versteckten Rassismus, so der Forscher und Akademiker Carlos Minot:

„Es gibt in Costa Rica strukturellen Rassismus und rassistische Diskriminierung. Eine Studie der Universität von Costa Rica mit Unterstützung von UNICEF belegt ziemlich deutlich, dass mindestens die Hälfte der Costa-Ricaner Menschen afrokaribischer Herkunft diskriminiert.“

Die Studie belegt, dass die Mehrheitsgesellschaft negative Eigenschaften mit der afrokaribischen Bevölkerung assoziiert. Sie werden mit Drogen und Delikten in Verbindung gebracht und die Mehrheit glaubt, dass Schwarze keiner Beschäftigung nachgehen wollen. Carlos Minot kritisiert, dass in den Bildungseinrichtungen Costa Ricas der Rassismus nicht thematisiert werde und in den Einrichtungen Afrokaribier regelmässigen Anfeindungen ausgesetzt seien, die oft in Schlägereien enden. Dies beeinträchtige massiv das Selbstbewusstsein schwarzer Jugendlicher. Dies wiederum sei neben dem Rassismus unter Arbeitgebern ein Grund dafür, dass trotz vergleichbarer Schulbildung die Jobperspektiven der schwarzen Bevölkerung deutlich schlechter sein, als im Bevölkerungsdurchschnitt. Die Direktorin des Zentrums für afro-costaricanische Frauen, Epsy Campbell, konstatiert zwar Fortschritte bei der Anerkennung der afrokaribischen Kultur, es gebe aber immer noch viele Vorurteile:

„Die costaricanische Bevölkerung akzeptiert uns in Anführungszeichen. Sie akzeptieren uns, aber sie fordern, dass wir die gleichen Frisuren tragen wie sie. Oder sie wollen, dass wir so sprechen und uns so bewegen wie sie. Das ist lächerlich, entweder sie akzeptieren uns oder sie akzeptieren uns nicht! Sie wollen, dass wir uns „mehr costarricanisch“ verhalten, also unser Schwarzsein verleugnen. Das versteht die costaricanische Mehrheitsbevölkerung oft unter Integration.“

Schwarze Kultur kaum sichtbar

Campbell hatte sich vor den letzten Wahlen am Ende erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der größten Oppositionspartei, der Partei der Bürgeraktion PAC, beworben. Sie bemängelt, dass weder an den Gerichten, noch im Parlament Schwarze über eine Präsenz verfügen. Deswegen sei es notwendig, affirmative Programme, zum Beispiel Quoten einzuführen, um diese Situation zu ändern. Die Sichtbarmachung schwarzer Kultur, wie beim jährlich Ende August stattfindenen Tag der afrokaribischen Kultur, sei ein wesentliches Element, um Gleichheit zu erreichen und Vorurteile auszumerzen:

„Ich habe die Hoffnung, dass sich Costa Rica endlich zu dem entwickelt, was es de facto ist, eine plurikulturelle und multiethnische Gesellschaft. Immerhin gibt es in der Gesellschaft die Einsicht, dass die afrokaribische Bevölkerung Rassismus erlitten habe. In den neunziger Jahren hat das eine große Mehrheit noch abgestritten.“

Dennoch könne die langsame Zurückdrängung eines offenen Rassismus nur ein allererster Schritt sein zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der schwarzen Minderheit in Costa Rica. Vor allem die Politik sei gefordert, die Präsenz der afrokaribischen Bevölkerung in staatlichen Institutionen, in Parteien, an Universitäten und in Unternehmen auch in führenden Positionen zu erhöhen, und gegen die immer noch bestehenden Diskriminierungsformen entschlossen vorzugehen.

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