Mexiko
Fokus: Menschenrechte 2015

Weitere Untersuchungen im Fall Radilla


von Desinformémonos

mexiko radilla. Foto: Desinformemonos(Berlin, 06. November 2015, poonal).- Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft PGR (Procuraduría General de la República) will erneut nach dem verschwundenen Oppositionellen Rosendo Radilla Pacheco suchen lassen. Radilla war im August 1974 im Bundesstaat Guerrero verschwunden gelassen worden. Die Untersuchungen sollen auf dem Gelände des früheren 27. Militärgebietes in der Gemeinde Atoyac de Álvarez in Guerrero stattfinden. Wie die Untersuchungsbehörde SEIDF gegenüber der Tageszeitung La Jornada erklärte, sollen Beamte des Bundesinnenministeriums die Ermittlungen durchführen. Konkret handelt es sich bereits um die fünfte Serie von Ausgrabungen, um die sterblichen Überreste von Radilla Pacheco zu finden.

„Die Untersuchung wird durchgeführt in dem Wissen um die Besonderheit dieses mutmaßlichen Falles von gewaltsamen Verschwindenlassen. Zudem soll so fristgerecht das Urteil des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs vom 23. November 2009 umgesetzt werden“, erklärte die Behörde.

Mit dieser fünften Untersuchung setzt die Generalstaatsanwaltschaft ihre Ermittlungen im Fall des gewaltsamen Verschwindenlassens von Rosendo Radilla Pacheco fort. Vorhergehende Grabungen fanden 2008, 2010, 2011 und 2013 statt, ohne dass jedoch irgendeine Spur von Radilla oder eines anderen Menschen gefunden werden konnte, die während des „Schmutzigen Krieges“ in Guerrero in den 1970er Jahren verschwunden sind.

Belohnung ausgesetzt

Am 25. August 1974 wurde Radilla Pacheco an einem Militärkontrollpunkt illegal verhaftet. Zuletzt wourde er in der Kaserne von Atoyac de Álvarez in Guerrero gesichtet. Radilla war eine angesehene Führungspersönlichkeit der Gemeinde von Atoyac, der sich für Gesundheit und Bildung der Bevölkerung einsetzte und als Gemeindepräsident fungierte.

Neben weiteren Ermittlungen hat die PGR nun erstmals eine Belohnung von 1,5 Millionen Pesos (knapp 83.200 Euro) für Informationen ausgesetzt, die zu Radilla oder den Tätern führen können – über 41 Jahre nach seinem Verschwinden.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres diesjährigen Themenschwerpunkts:

banner fokus mr 2015 400px

CC BY-SA 4.0 Weitere Untersuchungen im Fall Radilla von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Mexiko sucht 40.000 Verschwundene
166
(Mexiko-Stadt, 11. Februar 2019, amerika21).- Die mexikanische Regierung hat in den ersten Februartagen eine umfassende Strategie vorgestellt, um das Schicksal der zahlreichen Personen aufzuklären, die in den letzten zwölf Jahren des Drogenkriegs gewaltsam verschwanden. Das staatliche "Register der verschwundenen und nicht aufgefundenen Personen" in Mexiko listet derzeit insgesamt 40.180 Menschen auf. Die Hauptaufgabe bei der Suche kommt der Nationalen Suchkommission CNB (Com...
Suchtrupp findet mehr als 200 Knochensplitter in Sinaloa
101
(Mexiko Stadt, 4. Januar 2019, desinformémonos).- Die Frauengruppe 'Sabuesos Guerreras' (etwa: kämpferische Spürhunde) hat den Fund von mehr als 200 Knochensplittern in der Umgebung der mexikanischen Gemeinde La Presita im Norden der Hauptstadt Culiacán des Bundesstaates Sinaloa gemeldet. Die Frauen hatten sich auf die Suche gemacht, nachdem einen anonymen Anruf erhalten hatten. Der Anruf erfolgte am Morgen, und nach mehreren Stunden Arbeit entdeckte man am Nachmittag gege...
Mexikos geheime Gräber
85
(Oaxaca-Stadt, 27. Dezember 2018, poonal).- Mitte November 2018 veröffentlichte die Organisation Quinto Elemento Lab eine Übersicht der geheimen Gräber Mexikos. Die Veröffentlichung trägt den vielsagenden Namen „Das Land der 2.000 Gräber.“ Denn auf fast 2.000 beläuft sich die Zahl der geheimen Gräber, die während der Amtszeiten der Präsidenten Felipe Calderon und Enrique Peña Nieto entdeckt wurden. Allein die Anzahl der Gräber in denen Kriminelle ihre Opfer verscharrt haben v...
Karawane der „Mütter verschwundener Migrant*innen“ zieht wieder los
128
(Mexiko-Stadt, 6. Oktober 2018, desinformémonos).- Die „14. Karawane der Mütter Verschwundener Migrant*innen 2018“ läuft wieder einen Teil der mexikanischen Migrationsroute ab, um Hinweise auf das Verschwinden ihrer Kinder zu finden. Vom 23. Oktober bis 7. November wird es in zwölf mexikanischen Bundesstaaten Such- und Protestaktionen geben. Sie decken damit 4000 Kilometer der typischen Route der Migration ab. Sie hoffen darauf, mit ihren Aktionen die mexikanische Gesellschaf...
Ayotzinapa: AMLO verspricht Angehörigen Wahrheitskommission
60
(Mexiko-Stadt, 30. September 2018, npl).- Verhaltene bis offen geäußerte Hoffnung. So lässt sich die Reaktion der Familienangehörigen der 43 vor vier Jahren verschwundenen Studenten von Ayotzinapa nach dem Treffen mit dem gewählten Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (AMLO) beschreiben. Epifanio Álvarez, Vater eines der Verschwundenen, bedankte sich sogar „für den ersten Tag in vier Jahren, an dem wir Eltern diese Hoffnung fühlen”. AMLO sicherte den Angehörigen zu, als ei...