Mexiko

Vorsitzender von staatlicher Menschenrechtskommission erschossen – Gewalt eskaliert weiter 1


Caravana al Sur in Villahermosa (Tabasco) /Nahual, Flickr

Das Schweigen des Staates und seine Gleichgültigkeit gegenüber Straffreiheit und Korruption hat tödliche Folgen. Für viele. Das Foto aus 2012 von der Caravana al Sur ist leider immer noch sehr aktuell / Foto: villarermosa-tabasco_nahual

(Mexiko-Stadt, 25. November 2017, poonal).- In Mexiko ist erstmals ein staatlicher Ombudsman ermordet worden. Mehrere bisher unbekannte Täter*innen schnitten am 20. November dem Fahrzeug, in dem Silvestre de la Toba Camacho mit seiner Familie fuhr, mit ihrem Auto den Weg ab und erschossen in der Landeshauptstadt La Paz den Präsidenten der Staatlichen Menschenrechtskommission des Bundesstaates Baja California Sur.

„Beispielloser Vorgang“

Neben de la Toba Camacho kam auch sein Sohn Fernando im Kugelhagel um. Seine Frau und eine Tochter überlebten das Attentat schwer verletzt. Im Zentrum von La Paz tauchte ein Transparent auf, in dem angebliche Drogenkartelle die Regierung auffordern, sich nach ihnen „auszurichten”, wollten sie nicht das „Schicksal von Silvestre” teilen. Inwieweit tatsächlich die Kartelle hinter dem Mord stehen ist bisher genauso wenig gesichert wie es eindeutige Hinweise auf die ausführenden Täter*innen gibt.

Der Vertreter des UNO-Menschenrechtshochkommissariats in Mexiko, Jan Jarab, verurteilte die Tat als „beispiellosen Vorgang“. Die Ombudsbeauftragten aus dem ganzen Land trafen sich hinter verschlossenen Türen mit Luis Raúl González Pérez, dem Präsidenten der Nationalen Menschenrechtsrechtskommission. Sie wiesen auf die aktuelle Situation im Land hin, in der „Unsicherheit, Straffreiheit und Korruption vorherrschen“. Gónzalez Pérez hatte zuvor schon die „Gleichgültigkeit“ der staatlichen Behörden auf allen drei Ebenen angeklagt.

Gouverneur weist Rücktrittsforderungen zurück

Carlos Mendoza Davis, Gouverneur von Baja California Sur, hat jegliche Rücktrittsforderungen wegen der überbordenden Gewalt im Bundesstaat zurückgewiesen. Baja California Sur weist inzwischen auf die Einwohnerzahl bezogen die dritthöchste Mordrate der 32 mexikanischen Bundesstaaten einschließlich Mexiko-Stadt auf. Noch vor 10 bis 15 Jahren galt der Bundesstaat mit dem Badeort Los Cabos als einer der ruhigsten und sichersten im Land.

Die Morde in Baja California Sur ordnen sich in den allgemeinen Gewaltkontext ein. Nur einen Tag nach dem tödlichen Attentat auf den Ombudsman und seine Familie wurde im Landkreis Hidalgotitlán, Bundesstaat Veracruz, der neu gewählte Bürgermeister Santana Cruz Bahena von einem 30-köpfigen Kommando mitten am Tag aus seinem Haus gezerrt und erschossen. Es ist in diesem Jahr bereits der fünfte ermordete Bürgermeister.

Unrühmlicher Rekord bei Tötungsdelikten

Die Zahl der 2017 in Mexiko ermordeten Journalist*innen liegt bereits bei elf. Mit landesweit 2.764 Tötungsdelikten verzeichnete der Oktober einen unrühmlichen Rekord für die letzten zwei Jahrzehnte. Seit 1997 werden Morde in Mexiko statistisch halbwegs systematisch erfasst. Für das gesamte Jahr 2017 wird ebenfalls ein trauriger Rekord erwartet. Bis Ende Oktober summierte sich die Zahl der Morde auf fast 24.000.

CC BY-SA 4.0 Vorsitzender von staatlicher Menschenrechtskommission erschossen – Gewalt eskaliert weiter von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Wahlkampf mit Anschuldigungen Nestora Salgado, ehemalige Kommandantin der Gemeindepolizei, saß 31 Monate im mexikanischen Bundesstaat Guerrero unter falschen Anschuldigungen in Haft. Foto: Archiv (Berlin, 6. Juni 2018, npl).- In weniger als einem Monat finden in Mexiko Präsidentschaftswahlen statt. Bei dem Urnengang werden auch die Abgeordneten beider Parlamentskammern, Gouverneur*innen von acht Bundesstaaten, die Bürgermeister*innen von Mexiko-Stadt und vielen weiteren Städten sowie eine Reihe Regional...
Untergrabenes Feld – Bergbau in Mexiko Bergbauprojekte in Mexiko. Hier könnt ihr die Karte genauer anschauen. (Mexiko-Stadt, 11. Mai 2018, La Jornada/poonal).- Eine Errungenschaft der mexikanischen Revolution war, dass die Hälfte der nationalen Bodenfläche in Kollektivbesitz von indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinden übergegangen sind. Dies bremste die Expansion von Extraktivismus- und Mega-Infrastrukturprojekten sowie industriell angelegten Monokulturen bis in die 1990er Jahre. Die vergangenen vier -jeweils s...
La lucha Mapuche Primer programa Radio Matraca, nueva temporada 2018 La causa mapuche por la autodeterminación territorial y política, se ha convertido cada vez con mayor fuerza en un factor de politización para otros movimientos sociales y para la ciudadanía en general, tanto en Chile como en Argentina. Esta es sin duda una razón, aunque no la única ni la más persistente, que explica el nivel de represión y el ataque – judicial y policial – desatado por los Estado nacionales contra las comu...
Ex-Präsident Álvaro Colom auf Kaution frei Álvaro Colom darf das Gefängnis, nicht aber Guatemala verlassen. Foto: Telesur (Caracas, 2. Mai 2018, telesur).- Der erste Strafgerichtshof von Guatemala hat den ehemaligen Staatschef Guatemalas, Álvaro Colom, auf Kaution freigelassen. Das Gericht legte am Mittwoch, 2. Mai 2018, eine Kaution von einer Million Quetzales (ca. 135.000 US-Dollar) fest, nach deren Bezahlung Colom - angeklagt wegen Korruption im öffentlichen Transportsektor des zentralamerikanischen Landes - da...
Landwirtschaftsminister der Bestechung angeklagt Landwirtschaftsminister Blairo Maggi ist der Korruption angeklagt. Ob er aber wirklich vor Gericht gestellt wird, muss ausgerechnet der Oberste Gerichtshof entscheiden. Foto: Telesur (Caracas, 2. Mai 2018, telesur).- Die brasilianische Generalstaatsanwaltschaft PGR (Procuraduría General de la República) hat am Mittwoch, 2. Mai 2018 Klage gegen den Landwirtschaftsminister Blairo Maggi beim Obersten Gerichtshof STF (Supremo Tribunal Federal) eingereicht. Grund ist der mutma...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu “Vorsitzender von staatlicher Menschenrechtskommission erschossen – Gewalt eskaliert weiter