Guatemala

Repression gegen Indigene: mindestens sieben Tote


guatemala - Totonicapan. Foto mit freundlicher Genehmigung von Marcha indígena, campesina y popular(Guatemala-Stadt, 08. Oktober 2012, cerigua/adital/poonal).- Am Donnerstag, 4. Oktober wurden die Maya K’che‘ des guatemaltekischen Departments Totonicapán Opfer eines Angriffs der staatlichen Sicherheitskräfte, der mindestens sieben Tote und über 40 Verletzte forderte. Einheiten der Polizei und des Militärs versuchten, hunderte Bewohner*innen der 48 Gemeinden des Departments zu räumen, welche die wichtige Straße des Landes, die Interamericana, an verschiedenen Punkten blockiert hatten.

Der Angriff erfolgte gegen eine friedliche Demonstration, die sich gegen die Strompreise des Unternehmens Energuate, geplante Gesetzesreformen der Regierung von Otto Pérez Molina und gegen geplante Straßenbauvorhaben richtete. Das Vorgehen der staatlichen Sicherheitskräfte gegen die Indigenen forderte Tote und Verletzte durch Schusswaffen und Granatsplitter.

Bei den Todesopfern handelt es sich um Santos Hernández Menchú, José Eusebio Puac Baquiax, Jesús Baltazar Caxaj Puac, Arturo Félix Sapón Yax, Jesús Francisco Puac Ordóñez, Rafael Nicolás Batz sowie ein siebtes Todesopfer, das bisher noch nicht identifiziert werden konnte.

Empörung über repressives Vorgehen

In einer kurz darauf veröffentlichten Presseerklärung zeigte sich der Rat der westlichen Maya-Völker (Consejo de los Pueblos Mayas de Occidente) empört über die Geringschätzung der Lebens der Maya und die „unverantwortlichen“ Erklärungen, mit denen der Präsident und Vertreter der Sicherheitskräfte versucht hätten, die Toten gegenüber den Medien zu rechtfertigen.

Eusebio Hernández, Vizevorsitzender des Bürgermeisterrates der 48 Gemeinden des Departments erklärte: „Das ist ein Massaker, das die Regierung durch das Militär durchgeführt hat. Wir als Behördenvertreter werden nicht zulassen, das dies ungestraft bleibt.“

Untersuchung der Vorfälle gefordert

guatemala - Totonicapan2. Foto mit freundicher Genehmigung von Marcha indígena, campesina y popularInzwischen forderten verschiedene religiöse und Menschenrechtsgruppen eine Untersuchung der Vorfälle. Dazu gehören das Internationale Forschungszentrum für Menschenrechte Ciidh (Centro Internacional de Investigación de Derechos Humanos), das Komittee für landwirtschaftliche Entwicklung Codeca (Comité de Desarrollo Campesino), das Kommunikationszentrum für Entwicklung CECODE (Centro de Comunicación para el Desarrollo), der ökumenische Rat Guatemalas sowie die katholischen Priester der Region. Auch das guatemaltekische Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen verurteilte die Gewalttaten und entsandte eine Beobachtermission nach Totonicapán.

Der Innenminister Mauricio López Bonilla hatte zunächst erklärt, die eingesetzten Soldaten seien nicht mit Schusswaffen ausgestattet gewesen: „Die Gemeindemitglieder haben sich gegenseitig angegriffen.“ Präsident Otto Pérez Molina selbst betonte am Samstag, dass die sieben festgenommenen Soldaten ihrerseits erklärt hätten, in Notwehr gehandelt zu haben. Seinen Angaben zufolge sei der Auslöser der Gewalt ein Wachmann gewesen, der einen Lastwagen begleitete und auf die Demonstrant*innen geschossen habe, um sich freie Fahrt zu verschaffen.

Internationale Gemeinschaft soll Menschenrechtslage beobachten

Die in der „Marcha Indígena, Campesina y Popular“ zusammengeschlossenen Organisationen richteten ebenfalls einen dramatischen Appell an die guatemaltekische und Internationale Öffentlichkeit. Sie sprachen ebenfalls von einem Massaker und betonten, dass die Armee bei sozialen Protesten nichts zu suchen habe, denn „wo die Armee aktiv wird, gibt es Verletzte und Tote.“ Sie prangerten die fortschreitende Militarisierung in Guatemala an und gaben dem Innenminister, dem Verteidigungsminister und den Unternehmer*innen eine Mitschuld an den Ereignissen.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

banner teilhabe-2012

CC BY-SA 4.0 Repression gegen Indigene: mindestens sieben Tote von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Wo ist Santiago Maldonado? Hier, in der Gemeinde Pu Lof im Süden Argentiniens, wurde Santiago Maldonado zuletzt gesehen. Foto: Anred.org Von Darius Ossami (Berlin, 16. August 2017, npl). Seit dem 1. August ist der 28-jährige Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz in Patagonien spurlos verschwunden. Maldonado ist ein linker Aktivist aus dem Großraum Buenos Aires, der seit einigen Monaten in Patagonien lebt und schon mehrfach an Protestaktionen der Mapuche teilgenommen hat. Er hatte sich unt...
Yucatán: Staatliche Manipulationsversuche bei Befragung zu Gensoja Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 8. August 2017, desinformémonos/poonal).- Das mexikanische Menschenrechtszentrum Indignación von der Halbinsel Yucatán teilt in einer Presseerklärung mit, dass Regierungsinstitutionen weiterhin bemüht seien, den Konsultationsprozess in indigenen Gemeinden über den Anbau von Gensoja zu manipulieren. Sowohl die Nationale Kommission für die Entwicklung der Indigenen Völker (CDI) als auch die Interministerielle Kommission für Biosicherheit...
Bundesstaat Coahuila: Morde, Verschwindenlassen und Folter sollen vor den Internationalen Strafgerichtshof Zumindest in Coahuila wohl nicht nur ausschließlich im Auftrag des Staates im Einsatz: Die mexikanische Bundespolizei / Foto: Jesus Villaseca Perez, CC_BY-NC-SA 2.0 (Mexiko-Stadt/Berlin, 23. Juli 2017, poonal).- Am 6. Juli übergab die Internationale Föderation für Menschenrechte FIDH (International Federation for Human Rights) gemeinsam mit mehr als 100 mexikanischen Organisationen dem Internationalen Strafgerichtshof in den Haag (IStGH) einen detaillierten Bericht* über ...
Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres? Sie musste ihren Kampf mit dem Leben bezahlen. Am Grab der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Foto: Erika Harzer Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres in La Esperanza, Intibucá, Honduras, ermordet. Auftragskiller erschossen die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH. Mehr als 16 Monate sind seitdem vergangen. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungsh...
Indigene Gegner*innen von Gensoja beklagen Einschüchterung und Manipulationen Von Gerold Schmidt, Ceccam Im Labor veränderte Pflanzen. Foto: Ecoportal.net (Mexiko-Stadt, 27. Juni 2017, npl).- Die Maya-Gemeinden aus den Landkreisen Hopelchén und Tenabo im Bundesstaat Campeche sind weiterhin stark besorgt über den Konsultationsprozess, in dessen Rahmen sie zu ihrer Meinung über die Aussaat von Monsanto-Gensoja in Campeche befragt werden sollen. Sie klagen die Regierungsbehörden an, die indigenen Dorfgemeinschaften spalten zu wollen. Zudem kämen di...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.