China Schweiz weltweit

Multi Syngenta bald in chinesischen Händen – Rückschlag für Monsanto 1


von Sergio Ferrari

Anti-Werbung für den umstrittenen Konzern Syngenta. Foto: Flickr/sehroiber (CC BY-NC 2.0)

Anti-Werbung für den umstrittenen Konzern Syngenta. Foto: Flickr/sehroiber (CC BY-NC 2.0)

(Bern, 4. Februar 2016, Diario Dominicano).- Das chinesische Staatsunternehmen ChemChina wird den Schweizer Saatgut- und Pestizidkonzern Syngenta für die Summe von 43 Milliarden Dollar aufkaufen. Dies kündigte die Schweizer Firma mit Sitz in Basel am 4. Februar an. Es wird sich um die größte Operation dieser Art handeln, die ein Unternehmen des asiatischen Landes bisher im Ausland getätigt hat. Beide Konzerne informierten über die Transaktion, die Teil einer Konzentrationsbewegung im Agrochemie-Sektor ist. Der Aufkauf bedeutet einen Rückschlag für den US-Multi Monsanto, dessen Übernahmeangebot von 45 Milliarden Dollar von der Schweizer Konzerngruppe im vergangenen Jahr zurückgewiesen wurde.

Syngenta ist mit einer Präsenz in 90 Ländern und etwa 28.000 Beschäftigten einer der weltweit operierenden Biotech-Giganten. Das Unternehmen steht ebenso weltweit an dritter Stelle der Saatgutverkäufer. Es entstand im Jahr 2000 als Ergebnis der Fusion von Novartis Agribusiness und Astra Zeneca. Fünf Jahre zuvor hatte sich Novartis im Zuge eines beschleunigten Prozesses von Konzernfusionen Ciba-Geigy und Sandoz einverleibt. Laut Firmensprecher*innen wird der aktuelle Vorstand von Syngenta weiterhin an der Konzernspitze stehen. Nach Abschluss der Transaktion soll der sechsköpfige Verwaltungsrat den chinesischen Unternehmer Ren Jianxin zum Präsidenten haben und vier Mitglieder des aktuellen Verwaltungsrats einschließen. ChemChina hat in jüngster Zeit mehrere Zukäufe getätigt. Zuletzt betraf dies den Erwerb des deutschen Maschinen- und Werkzeugherstellers KraussMaffei.

Paradebeispiel für anti-ökologisches Unternehmen

Unmittelbar nachdem die Kaufankündigung bekannt wurde, äußerte sich die engagierte schweizerische Organisation MultiWatch. Sie kämpft dafür, dass die Schweizer Multis überall in der Welt Menschen- und Umweltrechte respektieren. Die Transaktion „überrasche nicht“, da der eidgenössische Konzern in letzter Zeit wenig positive Geschäftsergebnisse aufgewiesen habe. MultiWatch hat in den zurückliegenden Monaten die Praktiken Syngentas als Paradebeispiel für ein anti-ökologisches Unternehmen angeprangert. Die Organisation rief den Konzern dazu auf, Arbeits- und Gewerkschaftsrechte seiner Beschäftigten einzuhalten. Eine weitere wichtige Organisation der Schweizer Zivilgesellschaft, die Erklärung von Bern, hat wiederholt auf die Verantwortung hingewiesen, die Syngenta Jahr für Jahr für Tausende von Vergiftungsfällen hat. Diese betreffen vor allem Landarbeiter*innen, die mit den von Sygenta vertriebenen hochdosierten Pestiziden in Kontakt kommen.

Fast jedes vierte weltweit verkaufte Pestizid kommt von Syngenta. Darunter befindet sich Paraquat, vor dessen Auswirkungen die wichtigsten internationalen Organisationen warnen. Nach den Kriterien und Anforderungen der UN-Welternährungsorganisation FAO gehört Paraquat zu den extrem gefährlichen Pestiziden. Paradoxerweise ist dieses Gift in der Schweiz und Europa verboten worden. In Lateinamerika, Afrika und Asien ist es jedoch weiterhin im Handel. Die FAO fordert die schrittweise Einstellung des Vertriebs und der Anwendung von Paraquat.

CC BY-SA 4.0 Multi Syngenta bald in chinesischen Händen – Rückschlag für Monsanto von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Vorfahrt für Transnationale Unternehmen Im Bundesstaat México wird eine Autobahn mitten durch das Gemeindeland der indigenen Gemeinde Xochicuautla gebaut. Foto: Desinformémonos/Frente Juvenil Xochicuautla (Mexiko-Stadt, 9. Juni 2017, desinformémonos).- Die Higa-Gruppe, Monsanto und der Energieerzeuger Energía Eólica del Sur gehören zu den Unternehmen, die die Rechte von verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Mexiko verletzt haben, aufgrund der Vorrechte, die ihnen die Regierung von Enrique Peña Nieto eingeräumt hab...
Monsanto und die mexikanischen Bauern und Bäuerinnen Der erste Teil der Versicherung ist glaubhaft. Allerdings kaum aufgrund humanitärer Gründe, wie es im Audio durchzuhören ist, sondern aus strategischen Vermarktungsgründen. Der zweite Teil ist eine Lüge, die nicht einmal die Monsanto-Leute glauben dürften. Derzeit dürfte Monsanto wegen dreier Vorbehalte diesen mexikanischen Bauern gar nicht verklagen. Erstens: Das mexikanische Bundesgesetz über Pflanzensorten (LFVV) schützt das Saatgut des züchtenden Bauern und verbietet Pate...
WHO-Agentur stuft weiteres Herbizid als „möglicherweise krebserregend“ ein „Möglicherweise krebserregend“ Die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO hat davor gewarnt, dass das Herbizid 2,4-D, das in Argentinien am zweithäufigsten verwendet wird, „möglicherweise krebserregend“ sei. Die Agrochemikalie wird, neben anderen Anwendungen, vor der Aussaat von Gensoja und Genmais versprüht. Vergangenen März hatte dieselbe internationale Institution bestätigt, dass Glyphosat genetische Schäden verursacht (Grund für...
Selbstversorgung mit Genmais? Stellungnahme öffentlicher Institutionen gefordert Ebenso wurden die entsprechenden öffentlichen Fachinstitutionen aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben: das Gesundheitsministerium, das Finanzministerium, der Nationalrat für Wissenschaft und Technik (Conacyt), die Bundeskommission für den Schutz gegen gesundheitliche Risiken Cofepris (Comisión Federal para la Protección contra Riesgos Sanitarios), die Bundesstaatsanwaltschaft für Umweltschutz Profepa (Procuraduria Federa...
Monsanto finanziert Meinungsumfrage zu Transgenen Weltweit verwirklicht Ipsos die unterschiedlichsten Aufgaben. In den letzten Jahren arbeitete das Marktforschungsunternehmen für UNICEF und erstellte eine Studie über Kinderarmut im ehemaligen Jugoslawien. Im Auftragt der EU untersuchte es die Einstellung gegenüber ImmigrantInnen. In Schweden erforschte es die Meinung der Bevölkerung zur Qualität der öffentlichen Verkehrsmittel. Für das Internationale Rote Kreuz untersuchte Ipsos die Erfahrungen von ZivilistInnen in Kriegsgeb...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu “Multi Syngenta bald in chinesischen Händen – Rückschlag für Monsanto