Bolivien

Morales weist erneut US-amerikanischen Diplomaten aus


(Fortaleza, 09. März 2009, adital-poonal).- Der bolivianische Präsident Evo Morales hat am Montag, den 9. März, den zweiten Sekretär der US-Botschaft in La Paz, Francisco Martínez, zur unerwünschten Person erklärt. Morales beschuldigte ihn der Konspiration gegen die bolivianische Regierung.

“Ich habe heute beschlossen, Francisco Martínez, einen US-Amerikaner mexikanischer Herkunft, der in der US-Botschaft arbeitet, zur persona non grata zu erklären“, verkündete Morales während eines Festakts zur Ernennung des neuen Polizeikommandanten im Präsidentenpalast. Martínez, so Morales weiter, sei “während der gesamten Phase der konspirativen Zusammenarbeit ständige Kontaktperson für oppositionelle Gruppen gewesen“. Damit bezieht sich Morales auf die gewalttätigen Proteste und Putschversuche der oppositionell geführten Präfekturen gegen seine Regierung in fünf der neun bolivianischen Departements im September letzten Jahres (siehe Poonal Nr. 813, 815).

Als Reaktion auf diesen angeblichen Komplott hatte Morales noch im selben Monat den US-Botschafter Philip Goldberg ausgewiesen. Zwei Monate später verwies er auch die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA des Landes. Auch ihr warf Morales eine Beteiligung an der Verschwörung vor (siehe Poonal Nr. 822).

Der bolivianische Präsident erklärte, Martínez sei der Botschafts-Kontaktmann für ehemalige Polizisten gewesen, die mit der inzwischen aufgelösten Abteilung des Polizeigeheimdienstes COPES (Centro de Operaciones Especiales) zusammengearbeitet hätten. Dem bolivianischen Präsidenten zufolge habe sich ein ehemaliger Angehöriger des COPES, Rodrigo Carrasco, in die staatliche Erdölgesellschaft YPFB (Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos) eingeschleust, um die Verstaatlichung der Erdöl- und Erdgasproduktion in Bolivien zu vereiteln. Carrasco habe als leitender Angestellte der YPFB die Korruption in diesem Unternehmen vorangetrieben. So sei z.B. der damalige YPFB-Chef Santos Ramírez in die Annahme von Bestechungsgeldern des privaten argentinisch-bolivianischen Unternehmens Catler-Uniservice verstrickt gewesen.

Die Firma hatte von der YPFB einen Auftrag zum Bau einer Erdölanlage bekommen. Santos, der ein führendes Mitglied der regierenden Bewegung zum Sozialismus MAS (Movimiento al Socialismo) war, sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die US-Botschaft in La Paz hat sich zur Ausweisung ihres Diplomaten noch nicht geäußert. Bisher hat sie Vorwürfe einer angeblichen Verwicklung von Botschaftsmitarbeiter*innen in eine Verschwörung in Bolivien immer als falsch und haltlos zurückgewiesen.

CC BY-SA 4.0 Morales weist erneut US-amerikanischen Diplomaten aus von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Durch die Proteste sind wir sichtbar geworden“ – Menschen mit Behinderung fordern Rente der Würde Von Thomas Guthmann(La Paz, 13. September 2016, npl).- Fünf Monate lang protestierten Menschen mit Behinderung für ihre Rechte in La Paz. Gekommen sind sie mit einem Protestmarsch von Cochabamba in die Hauptstadt. Jetzt mussten sie ihren Protest aufgeben. Ihre zentrale Forderung, eine Rente der Würde zu erhalten, konnten sie nicht gegen die Regierung durchsetzen. Alex Vazquez ist ein stämmiger Mann. Er macht den Eindruck, als ob er nicht leicht aus der Fassung zu bri...
El Salvador eröffnet Botschaft in Bolivien (La Paz, 4. September 2016, prensa latina).- El Salvador hat am Mittwoch, 7. September 2016, seine Botschaft in Bolivien eröffnet. Der Präsident des zentralamerikanischen Landes, Salvador Sánchez Cerén, hatte dies am 4. September 2016 in La Paz mitgeteilt. Angaben des Staatschefs zufolge erlaube die Eröffnung der diplomatischen Vertretung einen Ausbau der Zusammenarbeit und des Handels mit Bolivien.„Wir glauben, dass Bolivien inzwischen über eine sehr dynamische Wirtschaf...
Recht zur Geschlechtsidentität und CSD in Bolivien Im Bolivien wurde kürzlich das Recht zur Geschlechtsidentität gesetzlich verankert. Seit Mai kann jede selbst bestimmen, welchem Geschlecht er angehört. Auf dem CSD in El Alto und in La Paz wurde das neue Gesetz von der LGTBI-Bewegung und ihren Verbündeten gefeiert. Ihr nächstes Projekt: die gleichgeschlechtliche Ehe. Doch es gibt auch Widerstand gegen die neuen Rechte und Freiheiten für Schwule, Lesben und Trans*personen in dem südamerikanischen Land. Den poonal-Beitrag ...
Zeuge: Cáceres wurde von Soldaten ermordet (Caracas, 21. Juni 2016, telesur/poonal).- Der ehemalige Oberfeldwebel Rodrigo Cruz war Mitglied einer Sondereinheit der Armee in Honduras. Nach einem Bericht des britischen Guardian vom 21. Juni habe die Einheit von Cruz den Befehl erhalten, mehrere Führungspersonen sozialer Bewegungen in Honduras zu ermorden. Eine davon soll die Umweltaktivistin Berta Cáceres gewesen sein. Rodrigo Cruz erklärte, ihr Name sei auf einer schwarzen Liste gewesen; die honduranischen Militärs hät...
Der Pfad der Frauen Wie in kaum einem anderen Friedensprozess ist die weibliche Bevölkerung in den Dialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla eingebunden.Von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 20. Juni 2016, npl).- Es war eine außergewöhnliche Delegation, die am 18. Mai dem Friedensdialog zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla-Organisation FARC in Havanna beiwohnte: 16 Kämpferinnen aus ehemaligen bewaffneten Gruppen nahmen an dem Treffen teil. Darunt...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *