Guatemala

Mörder von Bischof Gerardi getötet


Von Darius Ossami

Gedenkmarsch für Bischof Gerardi in Guatemala 2008 / Foto: Dawn Paley, CC BY-NC-SA 2.0

Gedenkmarsch für Bischof Gerardi in Guatemala 2008 / Foto: Dawn Paley, CC BY-NC-SA 2.0

(Berlin, 20. Juli 2016, telesur-npl).- In der guatemaltekischen Haftanstalt Pavón bei Guatemala-Stadt ist es am Montag, 18. Juli zu schweren Unruhen gekommen; dabei sollen mindestens zehn Häftlinge ums Leben gekommen sein. Unter den Toten befindet sich der Ex-Oberst Byron Lima Oliva, der wegen seiner Beteiligung am Mord an Bischof Juan Gerardi eine 20-jährige Haftstrafe absaß.

Granatwurf auf Mithäftling

Nach Angaben des Anwaltes von Lima sowie mehrerer Mithäftlinge, wurde Lima durch eine Granate getötet, die von Marvin Montiel Marín geworfen worden sein soll. Der ehemalige Drogenhändler Montiel verbüßt wegen der Ermordung von 15 Nicaraguanern und einem holländischen Touristen im Jahr 2008 eine Haftstrafe von sage und schreibe 820 Jahren.

Bischof Juan Gerardi war am 26. April 1998 in der Garage seines Hauses in Guatemala-Stadt erschlagen worden. Nur zwei Tage zuvor hatte Gerardi den Bericht „Guatemala Nunca Más“ des Projektes zur Erinnerung an die Ereignisse des Bürgerkrieges REMHI (Recuperación de la Memoria Histórica) vorgestellt. Der Bericht hat über 54.000 Menschenrechtsverbrechen dokumentiert, die während des Bürgerkrieges von 1960 bis 1996 begangen worden waren; die meisten Verbrechen werden darin der Armee und Funktionären der Regierung zugeschrieben.

Geheimdienst EMP in Mord an Bischof verwickelt

Nachdem Regierung und Ermittlungsbehörden versucht hatten, den Mord an Gerardi als Alltagsverbrechen darzustellen, verdichteten sich die Hinweise, dass der Militärgeheimdienst EMP hinter dem Mordanschlag steckte. Am 8. Juni 2001 wurden drei Armeeoffiziere – Hauptmann Byron Lima Oliva, sein Vater Oberst Byron Disrael Lima Estrada und José Obdulio Villanueva – als Mörder Gerardis zu einer je 30-jährigen Haftstrafe verurteilt. Oberst Lima Estrada war in der sogenannten School of the Americas von amerikanischen Armee- und Geheimdienstoffizieren ausgebildet worden. Das Strafmaß für Vater und Sohn Lima wurde später auf je 20 Jahre herabgesetzt; Villanueva wurde bereits 2003 im Gefängnis ermordet.

CC BY-SA 4.0 Mörder von Bischof Gerardi getötet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Verteidigungsminister Cienfuegos: Keine Soldatenbefragung zu Ayotzinapa durch die CIDH Von Gerd GoertzFoto: Eneas de Troya, cc-by-2-0(Mexiko-Stadt, 06. Dezember 2016, npl).- Das mexikanische Verteidigungsministerium hat Ende November zum wiederholten Mal ausgeschlossen, dass die Soldaten des 27. Infanteriebataillons von Iguala direkt vor Mitgliedern der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) zum Fall der 43 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa aussagen werden. Bis heute ist die Rolle der zum Zeitpunkt des Verbrechens in der Nacht vom 26...
Oaxaca: Neuer PRI-Gouverneur Alejandro Murat Hinojosas tritt sein Amt an Schüler*innen üben, von staatlichen Behörden angeleitet, das Wählen. Ob das hilft? / Foto: IEEPC, CC BY-NC-ND 2.0, flickr(Oaxaca-Stadt, 02. Dezember 2016, onda-poonal).- In den frühen Morgenstunden des 1. Dezember erfolgte die Amtseinführung von Alejandro Murat Hinojosas als Gouverneur des südmexikanischen Bundesstaates Oaxaca. Damit übernahm die Regierungspartei PRI (Partido Revolucionario Institucional) von Mexikos Staatpräsident Peña Nieto nach sechsjähriger Unterbrec...
Der amerikanische Traum ist aus. Von Lydia Cacho, Plan B*"Die Nordamerikaner*innen müssen sich nun mit den Ruinen dessen, was einst ihr Land war, auseinandersetzen" / Foto: Cesar Martinez López, Cimacfoto(Mexiko-Stadt, 14. November 2016, cimac).- Der Wahlsieg Trumps, so brüchig sein Triumph aufgrund seiner trägen Unwissenheit auch sein mag, so sehr er auch für das Weltbild eines frauenfeindlichen, rassistischen Unternehmers im Kapitalismus eintritt, der sich allen Grundideen des Menschenrechts, de...
Zweieinhalb Wochen Migrant*innen-Karawane gingen zu Ende Die Karawane 2016 / Foto: Rometeo Lucero, Rubén Figueroa und Consuelo Pagaza, desinformemonos(Mexiko-Stadt, 06. Dezember 2016, poonal).- Die 12. Karawane “Wir suchen Leben auf Todeswegen” der Mütter – sowie dieses Mal auch einiger Väter – von Migrant*innen aus Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala endete am 3. Dezember in Tapachula, Chiapas, nahe der Grenze zu Guatemala. Ab Mitte November waren die Teilnehmer*innen auf der Suche nach ihren verschwundenen Kindern...
Die neuen Bildungszentren Von Luis Hernández NavarroKleine Dorfschulen gibt es bald nicht mehr? / Foto: Darij & Ana, cc-by-2-0, flickr(Mexiko-Stadt, 22. November 2016, la jornada-poonal).- Unter dem Vorwand, die Bildung auf dem Land verbessern zu wollen, befindet sich eine Art neue „Indigenen-Verbringung“ auf dem Weg. Nebenbei soll eine der wichtigsten pädagogischen Erfahrungen in Mexiko beseitigt werden. Auf dem Gipfel für Soziale Mobilität verkündete Bildungsminister Aurelio Nuño den ne...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.