Guatemala

Landarbeiter*innen protestieren mit Straßenblockaden gegen Verarmung und politisches Desinteresse


von Héctor Samayoa

Mutter mit zwei Töchtern beim Holztragen / Lon&Queta(Guatemala-Stadt, 12. April 2011, cerigua).- Die Verstaatlichung der Stromerzeugung und die Verabschiedung des Gesetzes zur integralen ländlichen Entwicklung sowie Ernährungssicherheit sind die Hauptforderungen, mit denen sich Hunderte von Landarbeiter*innen aus den westlichen Departements Retalhuleu, Quetzaltenango und San Marcos an die Regierung und den Kongress wandten. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, blockierten sie am 12. April die Fernverkehrstraße am Pazifik.

Kritik an Privatisierung öffentlicher Güter und Ausverkauf der Ressourcen

In einer öffentlichen Stellungnahme wies das Komitee der bäuerlichen Entwicklung CODECA (Comité de Desarrollo Campesino) auf die tiefgehende wirtschaftliche Krise hin, die Tausende von Guatemaltek*innen in Armut und extreme Armut geführt habe. Als Ursachen werden die Privatisierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen und der Ausverkauf der natürlichen Ressourcen genannt. Die heutigen Besitzer*innen seien transnationale Unternehmen, wie die spanische Unión Fenosa, die mit der Bereitstellung von Elektrizität Milliarden verdiene.

Weiterhin stellt das Schreiben heraus, dass die Regierung ausschließlich die Interessen der Firmen bediene und schütze und dem bedingungslosen Ausverkauf von Land Vorschub leiste. Dies führe auch dazu, dass Landarbeiter*innen ohne einen Flecken Erde für den Eigenanbau bleiben, der für die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln ausreichen und ihnen Ernährungssicherheit garantieren würden.

Taube Ohren für bäuerliche Problemlage

Cándido Güinac, Repräsentant der Bauernorganisation äußerte sein Bedauern, dass Aktionen, die CODECA nun schon seit Jahren durchführt, keinerlei Wirkung gezeigt hätten. Grund dafür sei fehlender politischer Wille. Weder Regierung noch Kongress seien bereit, auf die Forderungen der Landarbeiter*innen einzugehen, so Güinac. Die Blockade der Landstraße sei ein erneuter Versuch, Druck auszuüben.

Nach Aussage von Güinac hätten sich die Fraktionen der größten Parteien, die Nationale Einheit der Hoffnung UNE (Unidad Nacional de la Esperanza), die patriotische Partei PP (Partido Patriota), die Partei Führer (Líder), die Große Nationale Allianz GANA (Gran Alianza Nacional) und die Guatemaltekische Republikanische Front FRG (Frente Republicano Guatemalteco) stets der Verabschiedung des Gesetzes zur integralen ländlichen Entwicklung verweigert. Doch müsse dieses Gesetz ohne jegliche Modifikation durchgesetzt werden, so Güinac. Des Weiteren forderten die Bauern von der Regierung, 300 Mio. Quetzales (ca. 26,6 Mio. Euro) zur Wiederbelebung der Landwirtschaft einzusetzen und dadurch die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

CODECA kündigt weitere Blockaden an

Elmer Juárez, ein weiterer Repräsentant der Campesinos, kündigte an, dass Blockaden außer in den oben genannten Regionen auch in der Finca Victorias (Departement Esquintla), in El Zarco (Departement Retalhuleu), Cocales (Departement Mazatenango) – alle an der Pazifikküste gelegen – und im nördlichen Departement Petén stattfinden würden.

 

alt

CC BY-SA 4.0 Landarbeiter*innen protestieren mit Straßenblockaden gegen Verarmung und politisches Desinteresse von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Wenn Gift drin ist, ist es kein Lebensmittel
37
Wenn Gift drin ist, ist es kein Lebensmittel – da gibt es für Gabriel und Andrea keine Diskussion. Die beiden leben und arbeiten auf der Chacra „La Bonita", einem kleinen Öko-Bauernhof in der Provinz Buenos Aires. Hier stellen sie Käse her, kochen Marmelade ein und versorgen sich und die Nachbarschaft mit nachhaltig produziertem Essen.  Eine Audio-Slideshow von Ximena Cosin und Christian Rollmann über den gelebten Widerstand gegen die industrielle Landwirtschaft.
Uruguay: Mehr Gemüse aus Bioanbau?
123
Gemüse aus konventionellem Anbau werden üblicherweise üppig mit Pestiziden behandelt - und diese sind bekanntermaßen umwelt- und gesundheitsschädlich. Trotzdem ist der Verzehr von Bioprodukten nur bei einer kleinen, meist mittelständigen Minderheit die Regel. Klar, Bio ist teurer. In Uruguay kommt hinzu, dass die meisten Bioprodukte nur schwer zu bekommen sind. Doch die Nachfrage steigt. Fälle von Gesundheitsbeschwerden durch den Pestizideinsatz im Land haben viele Menschen b...
Hinhörer: SDG 2 Kein Hunger
28
Onda „Hinhörer“: Nachhaltige Entwicklungsziele in wenigen Minuten auf den Punkt gebracht. Argumente, Infos und Straßenumfragen aus Deutschland und Lateinamerika. Heute: Kein Hunger
onda-info 461
118
Hallo und willkommen zum onda-info 461! Diesmal gibt es ein Spezial und unsere Sendung dreht sich heute um Argentinien. Am 1. August 2017 starb der argentinische Aktivist Santiago Maldonado nach einem Polizeieinsatz. Die ungeklärten Umstände seines Todes brachten 300.000 Menschen auf die Straße und setzten die Regierung unter Druck. Jetzt konnten wir mit seinem Bruder Sergio sprechen, als dieser in Berlin zu Gast war. Argentinien ist weltberühmt für sein Rindfleisch. De...
Wenn die Kuh kein Gras mehr frisst. Industrielle Fleischproduktion in Argentinien
215
Argentinien ist weltberühmt für sein Rindfleisch. Und wegen seiner großen Fläche wird dem südamerikanischen Land nachgesagt, dass die Kühe dort ein glückliches Leben hätten. Wer kennt sie nicht, die Bilder von weidenden Herden in der argentinischen Pampa? Doch ist dieses Bild heute überhaupt noch aktuell? Christian Rollmann hat sich für onda auf die Suche nach den Pampa-Rindern gemacht und überprüft, inwieweit der Mythos dem Abgleich mit der Realität standhält. Die Radioreih...