Chile

Indigene Pehuenche kämpfen für die Rettung der Araukarie


Araukarie

Ausgewachsene Bäume der Chilenischen Araukarie. Foto: Wikipedia

(Berlin, 15. Dezember 2018, poonal).- Die für Chile charakteristische Araukarie, eine uralte Baumart, ist infolge des Klimawandels und der Abholzung der Wälder vom Aussterben bedroht. In einem Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP erzählt der 63-jährige Ricardo Meliñir vom Kampf seines Volkes, der Pehuenche, für die wenigen ausgewachsenen Araukarien-Wälder, die in Chile noch übrig geblieben sind. Die Araukarie wurde vom chilenischen Staat 1976 zum Nationaldenkmal erklärt. Die Baumart gilt als eine Art Dinosaurier der Botanik. Doch Klimawandel und Holzfäller sorgen dafür, dass auch die Tage dieses Dinosauriers gezählt sein könnten.

Das genaue Alter der Araukarien lässt sich Ricardo Meliñir zufolge nicht berechnen. Er zeigt auf einen Baumriesen, der während des chilenischen Winters unter dem Gewicht des Schnees, aber auch der Last seiner Jahre zusammenbrach.

Frucht der Araukarie Teil der traditionellen Ernährung

In Quinquén, einem indigenen Ort der Region La Araucanía, der rund 600 Kilometer südlich von Santiago de Chile liegt, befänden sich nur noch 40 Prozent der Araukarienwälder in unberührtem Zustand. Ricardo ist Lonko, ein traditioneller Anführer seiner Pehuenche-Gemeinde. Das indigene Volk trägt den Namen der Frucht der Araukarie, Pehuén oder auch Piñón genannt. Die Samen sind ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Ernährung der Pehuenche. Aus den Früchten werden unter anderem Getränke sowie Marmeladen und Torten hergestellt. Die Pehuénfrucht ist sowohl reich an Proteinen als an Kalorien.

Trockenheit, Waldbrände und Pilzbefall

1991, unter der ersten demokratischen Regierung Chiles nach 17 Jahren Diktatur (1973 – 1990), erhielten die Pehuenche ihr angestammtes Land zurück. Allerdings war ein Teil der den Indigenen heiligen Nadelbäume bereits gefällt. Die Araukarie gibt es Schätzungen zufolge bereits seit 260 Millionen Jahren. Der chilenische Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda hat die uralten Bäume in seiner „Oda a la Araucaria“ als „Türme Chiles“ bezeichnet. Werden diese Türme dem Klimawandel bzw. den in seiner Folge zahlreicheren und immer verheerenderen Waldbränden standhalten? Zudem gilt das Holz der Araukarie als ein „Gourmet-Produkt“.

Seit einigen Jahren sorgt auch noch ein Pilzbefall dafür, dass Forscher*innen einen Kampf gegen die Zeit führen, um der Krankheit auf den Grund zu kommen. Möglicherweise spielt der Klimawandel hier eine weitere Rolle, da Regenmangel das Aufkommen von Pilzen begünstigen könnte, die die Äste der Araukarien zum Austrocknen bringen und schließlich den ganzen Baum abtöten. Besonders hiervon betroffen sind die jüngsten Araukarien.

Perspektive Ökotourismus

Unter dem Schutz der mächtigen Araukarien will ein Teil der Gemeinde Quinquén sich dem Ökotourismus öffnen. Denn die Erträge aus Subsistenz-Landwirtschaft und -Viehzucht fallen mager aus. Im vergangenen Jahr kamen laut Meliñir etwa 200 Tourist*innen hierher, mehrheitlich Französ*innen. Die Einheimischen würden künftig gerne mehr Tourist*innen aus aller Welt zeigen, wie ein Leben mit Respekt für die Umwelt und Erhaltung derselben aussieht. Ein Leben, das schon die Ahnen führten.

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