Guatemala

Ehemaliger Vize-Chef der guatemaltekischen Polizei sitzt in Österreich in Auslieferungshaft


Guatemaltekische Polizei, Antigua / Antiguadailyphoto, flickr (Guatemala-Stadt, 01. Juli 2011, cerigua/poonal).- Der ehemalige stellvertretende Polizeichef von Guatemala, Javier Figueroa, sitzt in Österreich erneut im Gefängnis. Er war vor einigen Wochen in seinem Haus in Upper festgenommen, anschließend jedoch gegen Kaution wieder freigelassen worden. Ihm wird vorgeworfen, in Guatemala zwischen 2005 und 2006 an „außergerichtlichen Hinrichtungen“ von Angeklagten beteiligt gewesen zu sein, erklärten die österreichischen Behörden.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ried, Alois Ebner, bestätigte Medienberichte, wonach Figueroa insgesamt zehn Morde an Gefangenen zur Last gelegt werden.

Politisches Asyl in Österreich

Figueroa lebte seit 2007 mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Wernstein, in der Nähe des Ortes Schaerding in Österreich. Nach Angaben der österreichischen Behörden erhielt Figueroa Asyl, da er in Guatemala politisch verfolgt worden sei.

Im Falle einer Auslieferung könnte Figueroa in Guatemala zum Tode verurteilt werden. Die guatemaltekischen Behörden versicherten jedoch bereits, dass die Todesstrafe nicht angewendet werde. Österreich hätte sonst wahrscheinlich von einer Auslieferung abgesehen, die nun laut übereinstimmenden Presseberichten von Ende Juni unmittelbar bevorstehe.

Der schweizerische Staatsanwalt Michel Alexandre Grabe nahm zudem Ermittlungen gegen den ehemaligen Polizeichef Guatemalas, Erwin Sperisen auf. Sperisen lebt seit 2007 in der Schweiz. Ihm wird ebenfalls vorgeworfen, an außergerichtlichen Hinrichtungen beteiligt gewesen zu sein. Bei den Morden im Gefängnis Pavón im Jahr 2006 soll auch Figueroa beteiligt gewesen sein.

Geflohene Häftlinge erschossen

Laut Angaben der Internationalen Kommission gegen die Straffreiheit in Guatemala CICIG (Comisión Internacional contra la Impunidad en Guatemala) werden Sperisen vier Fälle von außergerichtlichen Hinrichtungen aus dem Jahre 2005 zur Last gelegt. Häftlinge, die aus einem guatemaltekischen Gefängnis geflohen waren, das auch als „El Infiernito“ („die kleine Hölle“) bezeichnet wird, seien damals widerrechtlich erschossen worden.

Darüber hinaus werden sieben weitere Hinrichtungen von Häftlingen aus dem Jahr 2006 untersucht. Die Gefangenen waren auf einem Rehabilitationsbauernhof des Gefängnisses von Pavón untergebracht. Außerdem wird wegen der Ermordung von drei salvadorianischen Abgeordneten und von deren Chauffeur sowie wegen des Mordes an vier Beamten der PNC im Gefängnis von „El Boquerón“ ermittelt.

„Mangel an Beweisen“

Während die schweizerische Polizei in diesen Fällen noch ermittelt, haben guatemaltekische Richter in erster Instanz das Verfahren gegen den ehemaligen Chef der guatemaltekischen Haftanstalten, Alejandro Giammattei, eingestellt. Giammattei wurde des rechtswidrigen Zusammenschlusses zum Zweck außergerichtlicher Hinrichtungen von sieben Gefangenen in der Haftanstalt Pavón beschuldigt. Das Gericht sprach ihn aus Mangel an Beweisen frei, so die CICIG.

 

alt

CC BY-SA 4.0 Ehemaliger Vize-Chef der guatemaltekischen Polizei sitzt in Österreich in Auslieferungshaft von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 399 Hallo und willkommen zum onda-info 399!Nach zwei kurzen Nachrichten aus Kolumbien und Ecuador haben wir zwei längere Beiträge für euch:Die Organisation Women in Exile setzt sich für die Rechte von geflüchteten Frauen ein. Sie wurde von Frauen gegründet, die selbst in Flüchtlingslagern lebten. Dieses Jahr wird Women in Exile 15 Jahre alt und auch Migrantinnen aus Lateinamerika sind dort aktiv. Wir stellen euch die Gruppe vor.Der zweite Beitrag führt nach El Salvado...
Karawane der Mütter ist Brücke der Hoffnung: Wiedersehen zweier Schwestern nach 37 Jahren Wiedersehen nach 37 Jahren durch die Karawane der Mütter / Foto: Ivan Sah, avc-noticias bei desinformemonos.org(Mexiko-Stadt, 21. November 2016, desinformemonos).- Aida Amalia wartet in einer Taquería, einem Imbiss, am Busbahnhof in Córdoba. Ihre Tochter Viviana Guadalupe Rodríguez Chang aus Puebla hat die 53-Jährige zu einem Treffen mit dem Koordinator der Mesoamerikanischen Migrantenbewegung (Movimiento Migrante Mesoamericano), Rubén Figueroa, hier her gebracht. Von ih...
Der amerikanische Traum ist aus. Von Lydia Cacho, Plan B*"Die Nordamerikaner*innen müssen sich nun mit den Ruinen dessen, was einst ihr Land war, auseinandersetzen" / Foto: Cesar Martinez López, Cimacfoto(Mexiko-Stadt, 14. November 2016, cimac).- Der Wahlsieg Trumps, so brüchig sein Triumph aufgrund seiner trägen Unwissenheit auch sein mag, so sehr er auch für das Weltbild eines frauenfeindlichen, rassistischen Unternehmers im Kapitalismus eintritt, der sich allen Grundideen des Menschenrechts, de...
Zweieinhalb Wochen Migrant*innen-Karawane gingen zu Ende Die Karawane 2016 / Foto: Rometeo Lucero, Rubén Figueroa und Consuelo Pagaza, desinformemonos(Mexiko-Stadt, 06. Dezember 2016, poonal).- Die 12. Karawane “Wir suchen Leben auf Todeswegen” der Mütter – sowie dieses Mal auch einiger Väter – von Migrant*innen aus Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala endete am 3. Dezember in Tapachula, Chiapas, nahe der Grenze zu Guatemala. Ab Mitte November waren die Teilnehmer*innen auf der Suche nach ihren verschwundenen Kindern...
XII. Karawane: Mütter aus Mittelamerika suchen ihre Kinder Foto: Daniela Sánchez, desinformemonos(Guatemala-Stadt , 08. November 2016, cerigua-poonal).- Am 15. November kommt die Karawane mittelamerikanischer Mütter auf der Suche nach ihren verschwundenen Töchtern und Söhnen zum zwölften Mal nach Mexiko. Mütter aus Nicaragua, Guatemala, Honduras und El Salvador treffen sich im guatemaltekischen La Mesilla, an der Grenze zu Mexiko, im Departement Huehuetenango. Dort werden sie die Grenze nach Mexiko überqueren und, auf der Suche ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.