Argentinien

Dengueepidemie durch Monsanto mitverursacht?


von Darius Ossami

(Berlin, 29. Mai 2009, poonal).- In Südamerika hat sich die Dengueepidemie in den letzten Jahren immer mehr ausgebreitet. In diesem Jahr wurde in den bolivianischen Tieflandprovinzen Beni, Cochabamba, Pando und Santa Cruz der Notstand ausgerufen. Die Behörden registrierten 5000 Dengue-Fälle und 20 Tote. Die Regierung sprach von einem „nie dagewesenen Ausmaß“. Aus Brasilien wurden Ende April 45000 Fälle und 38 Tote gemeldet.

Auch Argentinien hat die schwerste Dengueepidemie seit Jahren hinter sich. Das Gesundheitsministerium sprach Ende April von fast 18000 Fällen, vor allem in den Nordprovinzen Chaco und Catamarca. Dabei galt das Denguefieber in Argentinien seit den 50er Jahren als ausgerottet. Bei der Suche nach Erklärungen stößt man auf einen Artikel, den der argentinische Agronom Alberto Lapolla am 23. April veröffentlicht hat. Den Hauptgrund für die Ausbreitung der Gelbfiebermücke sieht er im Klimawandel. Die Erderwärmung sorge für den Vorstoß von Tropenkrankheiten wie Gelbfieber, Malaria oder Dengue in klimatisch gemäßigte Zonen wie Nordargentinien. Vor allem betroffen sind hier allerdings nicht ländliche Regionen, sondern die ärmeren Viertel in den Großstädten. Die Regierung habe in den 80er und 90er Jahren die Schädlingsbekämpfung vernachlässigt und es versäumt, neue Pestizide gegen die Moskitos zu erwerben. Lapolla hat aber auch die Verbreitungsgebiete der Gelbfiebermücke mit Sojaanbaugebieten verglichen und große Übereinstimmungen festgestellt. Für den Agronomen steht daher fest, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anwachsen der Moskitopopulation und den beim Sojaanbau eingesetzten Pestiziden gibt. Zu dem auf die Saat aufgetragenen Pestizid-Cocktail gehört vor allem Glyphosat. Lapolla: „Das Glyphosat tötet Fische, Frösche und Kröten, d.h. alle natürlichen Freßfeinde der Moskitos, die Dengue- und Gelbfieber übertragen. Das läßt sich belegen durch das fast vollständige Verschwinden der Amphibien in der Pampaniederung und deren Wasserläufen (…) Wir können ohne Übertreibung feststellen, daß die Amphibien in den Sojaanbaugebieten der Vergangenheit angehören. Sie wurden von den Pestiziden vernichtet, die bei der Aussaat verwendet werden. (…) Eine weitere Verbindung liegt in der enormen Entwaldung in den Wald- und Hügelgebieten im Nordwesten und Nordosten Argentiniens. Dadurch wird das ökologische Gleichgewicht und damit der natürliche Lebensraum der Freßfeinde der Moskitos zerstört. “ Glyphosat ist Hauptbestandteil des Pestizids Roundup. Es wurde von der US-Firma Monsanto entwickelt, zusammen mit dem gentechnisch modifizierten Soja-Saatgut. Roundup soll verhindern, daß Unkraut auf den Feldern wächst, nur das Gensoja selbst ist immun. Roundup soll nicht über Gewässern versprüht werden, ist aber dorthin gelangt – sei es durch Wind, Unachtsamkeit oder Ahnungslosigkeit. Unterstützung erhält Lapolla von dem argentinischen Wissenschaftler Andrés Carrasco. Der Professor für Embryologie stellte Missbildungen bei Wirbeltieren fest, die durch Glyphosat hervorgerufen worden seien. Daraus leitet er auch eine Gefahr für menschliche Embryonen ab. Der Anbau des von Monsanto gelieferten Gensojas wurde in Argentinien 1996 zugelassen. Das Prüfverfahren fand in der Rekordzeit von 81 Tagen statt, wie die argentinische Tageszeitung Pagina12 herausfand. Die zu prüfende Akte bestand aus 136 Blättern, von denen 108 von Monsanto selbst stammten – auf Englisch, ohne Übersetzung. Trotz offener Fragen unterschrieb der damalige Agrarminister Felipe Solá die Zulassung – ohne ein juristisches Gutachten abzuwarten. Zwei Jahre darauf tauchte das Denguefieber wieder in Argentinien auf. Inzwischen wird genetisch modifiziertes Soja in Argentinien auf fast 18 Millionen Hektar angebaut. Dabei wurden im Sommer 2007/2008 168 Millionen Liter Glyphosat versprüht. Ende März war die französische Journalistin Marie-Monique Robin in Argentinien, um ihr Buch „Le Monde selon Monsanto“ vorzustellen, das gerade auf Spanisch (und Deutsch) erschienen ist. Sie sagt, Monsanto würde die toxische Wirkung von Roundup verharmlosen, so wie früher bei (ebenfalls von Monsanto produzierten) PCBs und Agent Orange. Am 31. März sollte Robin eigentlich von der Gesundheitsministerin Graciela Ocaña empfangen werden, doch die mußte kurzfristig absagen; sie war wegen des Ausbruchs der Dengueepidemie zur Präsidentin gerufen worden. Inzwischen ist der Sommer in Argentinien ist zu Ende. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Das Land muß keine Dengueepidemie mehr befürchten. Bis zur nächsten Saison.

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