Mexiko

Aguas Blancas: 14 Jahre nach dem Massaker herrscht noch immer Straffreiheit


von adital

(Fortaleza, 29. Juni 2009, adital).- Vierzehn Jahre nach dem am 28. Juni 1995 von Angehörigen verschiedener Polizeikorps in Aguas Blancas (Bundesstaat Guerrero) verübten Massaker an einer Gruppe indigener Bauern der Bauernorganisation der Sierra des Südens OCSS (Organización Campesina de la Sierra del Sur), genießen die Verantwortlichen des Verbrechens noch immer Straffreiheit. Die Opfer des Massakers befanden sich damals auf dem Weg zu einer Demonstration für bessere Produktionsbedingungen, als sie im Tal von Aguas Blancas von über 200 Polizeikräften angegriffen wurden. Dabei wurden 17 Mitglieder der OCSS getötet und mehr als 30 weitere verletzt.

Ein Zusammenschluss von verschiedenen Menschenrechtsgruppen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Oppositionspartei PRD hatte daraufhin ein Verfahren gegen 24 beteiligte Polizisten sowie die administrativen Verantwortlichen erzwungen. Trotz aller belastenden Beweise wurden jedoch der damals amtierende Gouverneur von Guerrero, Rubén Figueroa Alcocer und der Regierungssekretär José Rubén Robles Catalán 1996 freigesprochen.

Um an das Verbrechen zu erinnern, veröffentlichte das Netzwerk zur Verteidigung der Menschenrechte REDDHH (Red de Defensa de los Derechos Humanos) am 14. Jahrestag des Massakers eine Presseerklärung, in der ein Ende der Straffreiheit für die Verantwortlichen des Verbrechens gefordert wird. Wie es in der Erklärung heißt, befinden sich die Beteiligten noch heute „in Freiheit und in der schützenden Obhut der Straflosigkeit, die ihnen der mexikanische Staat selbst gewährt.“

Deshalb fordert das REDDHH „die Bestrafung der Schützen und Drahtzieher von Aguas Blancas, den Stopp der Militarisierung des Bundesstaates Guerrero und ganz Mexikos, ein Ende der Kriminalisierung von sozialen Protesten und der Verteidigung der Menschenrechte, die Freiheit aller politischen Gefangenen des Landes sowie Beweise, dass alle verschwundenen Gefangenen noch am Leben sind.“

In seiner Erklärung weist das Netzwerk auch darauf hin, dass Menschenrechtsverletzungen in Mexiko andauern. In Guerrero, so das REDDHH, komme es immer noch zu Hinrichtungen und Attentaten. Außerdem ist in der Erklärung die Rede von „Anzeigen gegen Angehörige des Militärs wegen Schikanierungen, Missbrauch, Misshandlung, Massakern, willkürlichen Festnahmen und sexuellen Gewaltakten gegenüber indigenen Frauen; Verbrechen, die unter dem Deckmantel des Kampfes gegen das ‚organisierte Verbrechen‘ und ‚die Guerilla‘ gegen indigene Gemeinden begangen werden und so eine angespannte Atmosphäre der Verletzbarkeit erzeugen und die vom Menschenrechtszentrum La Montaña Tlachinollan dokumentiert worden sind.“

Dennoch geschehen diese Übergriffe nach Meinung des Netzwerkes nicht losgelöst vom nationalen mexikanischen Kontext, „wo sich jeder Bundesstaat in den Schauplatz eines militärischen Planspiels verwandelt und die zivilen Verantwortungsträger nach und nach ihrer Aufgaben enthoben werden.“ Bei den jüngsten Ereignissen handelt es sich der Erklärung nach um die Hinrichtung von zwei Mitgliedern der Ökologischen Bauernorganisation von Sierra de Petatlán und Coyuca de Catalán in der südmexikanischen Region Tierra Caliente.

CC BY-SA 4.0 Aguas Blancas: 14 Jahre nach dem Massaker herrscht noch immer Straffreiheit von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

onda-info 451
115
Hallo und Willkommen zum onda-info 451! Wie immer beginnen wir mit Nachrichten: Drei kommen aus Mexiko, über die Ermordung von Sinar Corzo, eine Entschuldigung bei der Journalistin Lydia Cacho und - mal wieder - Massengräber in Mexiko. Eine weitere Nota gibt euch ein Update zum Machtkampf um die Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala. In unserem onda-Studio hatten wir Laura Reyes aus Mexiko zu Besuch. Die Radioaktivistin berichtet von der aktuellen Situation u...
Vor 90 Jahren: Massaker an den Arbeiter*innen der Bananenplantagen
191
(Medellín, 5. Dezember 2018, colombia informa).- Am 5. und 6. Dezember 1928 erschoss das kolumbianische Militär tausende Frauen, Männer und Kinder in der Gemeinde Ciénaga im nordkolumbianischen Bundesstaat Magdalena. Bekannt wurden die Morde als das „masacre de las bananeras“ (zu dt.: Massaker an den Arbeiter*innen der Bananenplantagen). Die Soldaten mordeten im Interesse des US-amerikanischen Unternehmens United Fruit Company. Der Bundesstaat Magdalena an der Karibikküste...
Eliten verteidigen die Straflosigkeit
43
„Lasst uns darauf einigen, Frieden (Ziel 16) an den Anfang zu stellen" (UN-Generalsekretär Antonio Guterres, in seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 1. Januar 2017). "Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen" schaffen und erhalten ist ein Ziel der UN. Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres sogar das erste und wichtigste. Im Dezember 2006 vereinbarten Guatemala und die UN die Einsetzung einer Internationalen Kommission gegen die Straffreiheit. Genau in diese R...
onda-info 449
54
Hallo und Willkommen zum onda-info 449, ihr hört das letzte onda-info in diesem Jahr und wie immer waren wir mal wieder viel unterwegs, um Euch spannende Beiträge, Stimmen und Neuigkeiten aus Lateinamerika mitzubringen. Nach einer Nota über den geplanten Tren Maya in Mexiko starten wir mit der chilenischen Rapperin Ladeyabu. Mit ihr sprachen wir an Telefon über Hiphop, ihr neues Album und die Situation der Frauen in Chile. Mehr Informationen könnt ihr auf ihrer Webseite...
Sprecher*innen der Opposition auf Europa-Tour
112
Kein Frieden in Nicaragua. Zwar ist es in dem zentralamerikanischen Land in den vergangenen Monaten etwas ruhiger geworden. Doch nur mit Mühe kann die Regierung unter Präsident Daniel Ortega die Fassade eines Normalzustandes aufrecht erhalten. Wie geht es nun weiter nach den landesweiten Protesten? Bislang hat haben staatliche Sicherheitskräfte rund 500 Tote zu verantworten. Im Oktober kamen drei führende Oppositionelle und ehemalige Weggefährten Ortegas nach Berlin, um zu be...