ALER positioniert sich in Debatte um Digitalradio

von Nils Brock, Rio de Janeiro

Quelle: Archiv Serie Menschenrechte 2010(Berlin, 05. Oktober 2012, npl).- Das lateinamerikanische Radiobildungsnetzwerk ALER (Asociación Latinoamericana de Educación Radiofónica) verabschiedete auf seiner 14. Generalversammlung am 26. September im ecuadorianischen Quito eine Deklaration, in der es sich „für die Einführung der Norm DRM bei der künftigen Digitalisierung des Rundfunks“ ausspricht. Die Regierungen der Region werden dazu auffordert, diesen Standard ebenfalls zu unterstützen.

Hintergrund der öffentlichen Positionierung von ALER ist die in vielen Staaten Lateinamerikas ausstehende Entscheidung, welche Infrastruktur die Grundlage für die weitere Entwicklung digitaler Radiosysteme bilden soll.

Diskussionen um digitale Standards laufen bereits

Auch wenn es noch einige Jahre dauern dürfte, bis digital codierte Radiosignale beim Senden eine breite Anwendung finden werden, beraten staatliche Akteur*innen unter weitestgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit bereits jetzt darüber, welche der konkurrierenden Technologien dabei zum Einsatz kommen soll. Während öffentlich-rechtliche Radios in Europa in den vergangen Jahren vor allem den Standard DAB und DAB+ erprobten, buhlen in Lateinamerika vor allem die Vertreter*innen und Lobbyist*innen des in den USA entwickelten Modells HD-Radio vom Unternehmen Ibiquity und der von einem europäischem Konsortium entwickelte Standard Digital Radio Mondiale (DRM) um die Gunst staatlicher Entscheidungsträger*innen.

Anders als in Mexiko, das bisher als einziges Land HD-Radio als digitale Radioplattform gewählt hat, wächst in vielen anderen Ländern Lateinamerikas der Zuspruch für DRM, vor allem seitens lokaler und Community Radios. Die Sendearchitektur des US-Modells würde „die Zahl verfügbarer Frequenzen kaum vergrößern und noch dazu die weitere Existenz kleiner Radiosender gefährden“, argumentiert Rafael Diniz von der Unterstützerorganisation DRM Brasil. Denn gut funktioniert HD-Radio nur, wenn möglichst wenige Lokalsender den Datenströmen großer Stationen dazwischenfunken. Es überrascht also kaum, dass vor allem kommerzielle Medienunternehmen wie die einflussreichen Netzwerke Televisa, Prisa oder Rede Globe das US-Modell unterstützen.

DRM+ für Community-Radios am besten geeignet

Aus Sicht von Lokal- und Community Radios, sei dagegen „klar, dass DRM+ der beste Standard ist“, schreibt ALER. Dieser mache es möglich, die Zahl von Radiosendern zu erhöhen und damit gerade in Ballungsgebieten die aktuelle Saturation des UKW-Spektrums zu überwinden.

Auch die in Lateinamerika intensiv genutzten Kurzwellen- und Langwellenbereiche (AM) ließen sich mit DRM in besserer Qualität in eine digitale Sendestruktur überführen, während HD-Radio keine Nutzung dieser Frequenzbänder für den Rundfunk vorsieht. Schließlich sprächen im Vergleich mit den anderen Standards auch die niedrigen Kosten DRM, sowohl was die Hardware, Lizenzgebühren für Software aber auch den Stromverbrauch der Geräte angeht, so ALER.

Festschreibung der Monopole oder Inklusion?

Dieses letzte Argument zeigt bereits, wie stark die technischen Daten der einzelnen Modelle die soziale und politische Nutzung eines digitalen Radiomediums beeinflussen werden. ALER befürchtet vor allem, dass die Einführung von HD-Radio zur „Fortdauer der großen Monopole“ im Mediensektor beitragen werde. Wichtig sei deshalb die Einführung eines „dezentralisierten Rundfunkschemas, denn das ist erforderlich, damit alle auch überall das senden und hören können, was sie wollen.“

DRM Brasil begrüßte die Deklaration von ALER, denn die brasilianische Regierung wird bis Ende des Jahres entscheiden, mit welchem Standard künftig Radio im Zeitalter der Nullen und Einsen gemacht werden wird. Und dem Weg in die Digitalisierung, den das Land mit dem größten Radiosektor Lateinamerikas einschlagen wird, könnten – wie schon im Fall des digitalen TV-Standards – viele Staaten folgen.

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