Zuschüsse für gesündere Nahrungsmittelproduktion

Tereza Campello
Ansiedlung Milton Santos, MST. Foto: João Zinclar via Brasil de Fato

(São Paulo, 1. September 2025, brasil de fato).- Tereza Campello, Direktorin für Sozial- und Umweltfragen der Brasilianischen Entwicklungsbank BNDES, ist überzeugt, dass Brasilien in Bioprodukte und bäuerliche Familienbetriebe investieren muss, um Ernährungssouveränität zu gewährleisten und dem Klimanotstand entgegenzutreten. In einem Interview in der Sendung BdF Entrevista von Radio Brasil de Fato kritisiert sie das Modell des Agrobusiness, das auf Rohstoffexport und der intensiven Nutzung von Agrargiften basiert.

„Wir können nicht akzeptieren, dass ein großer Teil der Produktion exportiert wird, der gesund ist oder zumindest nicht diese wahnsinnigen Mengen an Chemikalien enthält, während für die brasilianische Bevölkerung die schlechtesten Produkte übrig bleiben, das schlechte Fleisch, oder verseuchte Produkte wie Soja oder Mais“, betont Campello.

Für sie ist die Produktion von Bioprodukten, sogenannte Bio-Inputs, eine Alternative von strategischer Bedeutung, um Ernährungssouveränität zu gewährleisten und dem Klimanotstand entgegenzutreten. Diese Inputs werden aus lebenden Organismen oder natürlichen Stoffen entwickelt, wie Insekten, Bakterien, Pflanzen, Viren oder Pilzen, und bekämpfen spezifische Pflanzenschädlinge, ohne Bienen, Insekten und andere Tiere zu schädigen.

Die BNDES kündete Ende August an, 60 Millionen Real (circa 9,5 Millionen Euro) für die Produktion von Bio-Inputs an Kooperativen von Kleinbetrieben zu vergeben. Diese Mittel sind ein Zuschuss, das Geld muss also nicht später an die Bank zurückgezahlt werden. Diese Initiative richtet sich an Kooperativen in ganz Brasilien, aber mit Schwerpunkt auf die Regionen Norden und Nordosten.

„Wir möchten ermöglichen, dass Bio-Inputs wesentlich gesünder und nachhaltiger werden und diejenigen erreichen, die in Brasilien echte Lebensmittel produzieren, also die landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Man kann nicht über eine Transformation der aktuellen Lebensmittelsysteme hin zu den notwendigen gesunden und nachhaltigen Systemen nachdenken, ohne von Bio-Inputs zu sprechen“, betont Campello.

Alternative zu Pestiziden

Brasilien ist der weltweit größte Verbraucher von Agrargiften. Für Campello hat diese Abhängigkeit direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und zudem das Land anfällig für internationale Krisen gemacht. Während der Pandemie und am Anfang des Krieges in der Ukraine seien durch die Unterbrechung des internationalen Handels und die Preissteigerungen die Risiken der Abhängigkeit von importierten Düngemitteln und chemischen Produkten deutlich geworden.

„Die Produktion von Agrochemikalien, Düngemitteln und Pestiziden in Brasilien nimmt zu, es gibt eine starke Abhängigkeit von chemischen Produkten. Diese Produkte werden größtenteils importiert. Das heißt, zusätzlich zur Frage der Ernährungssicherheit, also einer gesünderen und nachhaltigeren Produktion, sprechen wir auch über die Ernährungssouveränität“, unterstreicht sie.

Die Direktorin glaubt, dass das Projekt eine große Wirkung haben wird, indem es Autonomie für die bäuerlichen Familienbetriebe gewährleistet, da es sich nicht um ein Projekt handelt, von dem eine Gruppe nur vorübergehend profitiert. „Die Gründung dieser Kleinstunternehmen, dieser Bio-Input-Projekte, wird für alle Bauern von Nutzen sein“, erklärt sie.

Familiäre Landwirtschaft und Essen auf dem Teller

„Die bäuerlichen Familienbetriebe sind maßgeblich für die Erzeugung der Lebensmittel verantwortlich, die in Brasilien auf den Tisch kommen“, betont die Wissenschaftlerin. „In die Familienhöfe zu investieren bedeutet, in gesündere Nahrung zu investieren, denn im Allgemeinen bedeutet landwirtschaftlicher Familienbetrieb das gleiche wie Agrarökologie. Es ist sehr schwer, ein Erzeugnis der großen Agrarindustrie mit dem eines Familienhofes zu vergleichen, denn letzteres wird immer weniger Chemikalien enthalten“, fügt sie hinzu.

„In landwirtschaftliche Familienbetriebe zu investieren heißt, in richtige Lebensmittel zu investieren, in Agrarökologie, in soziale Gerechtigkeit“, meint Campello. Alles gehöre zusammen. „Wir sprechen über soziale Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Gerechtigkeit, über Gerechtigkeit und Gleichheit, Dezentralisierung und Landverteilung.“

Bewältigung der Klimakrise erfordert Ernährungswende

Die Wissenschaftlerin verknüpft das Thema mit der globalen Klimadebatte. Brasilien wird im November Gastgeber der 30. Weltklimakonferenz (COP 30) sein. Ihrer Ansicht nach reicht es nicht aus, nur über eine Energiewende zu sprechen, wie es oft in internationalen Foren der Fall ist.

„Immer, wenn wir über das Klima sprechen, fangen die Leute an, über die Energiewende zu sprechen, wie man die fossilen Kraftstoffe reduzieren und mehr erneuerbare Energien verwenden kann, es geht nur noch um Kohlenstoff. Aber tatsächlich werden wir keine neue strategische Agenda aufstellen können, mit der die Welt diese Klimakrise bewältigen kann, wenn wir nicht auch den Übergang zu nachhaltigen Nahrungsmittelsystemen in den Mittelpunkt dieser Agenda stellen“, analysiert sie.

Nach Einschätzung von Campello müsse die Ernährungssouveränität für das Land oberste Priorität haben, insbesondere angesichts globaler Krisen. Sie erinnerte an die Reiskrise während der Pandemie, als die Regierung des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro den Export von Reis förderte und der Bevölkerung empfahl, das Grundnahrungsmittel durch Nudeln zu ersetzen.

„Wie kann es möglich sein, dass ein Staat seiner Bevölkerung sagt, sie soll auf Reis und Bohnen verzichten, was eine gesunde Ernährung ist, eine der besten der Welt, und anstelle dessen Nudeln essen. Das kann wirklich nur eine Regierung machen, die sich überhaupt nicht um ihre Bevölkerung kümmert, wie es bei der Regierung Bolsonaro der Fall war“, kritisiert sie. „Es ist grundlegend wichtig, sich darum zu kümmern, was unsere Bevölkerung isst. Das ist nicht nur eine Aufgabe für die Regierung, sondern eine Aufgabe, die in aller Munde sein muss. Und vor allem auf dem Teller“, schließt sie.

Dieser Artikel gibt nur die wichtigsten Punkte des Interviews mit Tereza Campello wieder.

Übersetzung: Christa Röpstorff

CC BY-SA 4.0 Zuschüsse für gesündere Nahrungsmittelproduktion von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nachrichtenpool Lateinamerika
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.