Konflikte um Lithium-Abbau setzen das Land unter Druck

Eines der derzeit begehrtesten Metalle: Lithium / Foto: Mondalor via wikimedia commons (CC BY-SA 3.0)

(Mexiko-Stadt, 8. Februar 2021, Servindi).- Derzeit warten in Mexiko 36 Bergbauprojekte auf die staatliche Freigabe von 537.000 Hektar Land, um Lithium abbauen zu dürfen. Bei zehn Projekten handelt es sich um länderübergreifende Vorhaben. Die große Anzahl der Projekte führt zu einer steigenden Spekulation im Bergbaugeschäft und übt gleichzeitig Druck auf die Abbaugebiete aus. Dies alles geht aus einem gemeinsamen Dokument des Kollektivs GeoComunes, dem mexikanischen Netzwerk für vom Bergbau Betroffene (Rema) und der Organisation Mining Watch vom 5. Februar hervor. Der Bericht „Lithium: Der neue Handelsstreit durch den falschen grünen Markt“ warnt vor  Firmen, die Land besitzen und unrealistische Erwartungen sowie gesellschaftliche Konflikte fördern würden.

Laut dem Bericht provoziere der Eifer, Zugang zu den Lithium-Regionen zu bekommen, unter dem Deckmantel der als grün und fair gekennzeichneten neuen Technologien, Gewalt: „Es ist offensichtlich, dass der Kampf um die Gebiete, in denen es Lithium gibt, enorm sein wird“, sagt der Akademiker Juan Carlos Guadalajara und verweist darauf, dass die Kommunen am meisten unter den Firmeninteressen leiden werden. „Nicht nur, dass abgebaut wird. Es wird spekuliert und versucht, mit dem Land an der Börse Gewinn zu machen. Das ist der erste Schritt hin zur Abwertung des Landes und der gesellschaftlichen Beziehungen“, behauptet Guadalajara.

Die Spekulation mit dem Lithium

Die weltweite Lithium-Produktion sank im Jahr 2019 um 20 Prozent und die Nachfrage wächst nur langsam. Gleichzeitig werden nur 75 Prozent des Angebots bedient. Kleine Firmen spekulieren jedoch trotzdem auf den Anstieg des Preises. „Das führt zu einer wachsenden Spekulation. Gleichzeitig suchen immer mehr kleine Bergbauunternehmen in den Amerikas nach Lithium“, heißt es im Dokument. Insgesamt handelt es sich um 36 Projekte, die auch mit ausländischen Kapital von zehn Firmen ausgehen. Davon sind 19 Projekte bereits aktiv: Organimax Nutient Corp (15), Bacanora Lithium (drei) und eines von One World Lithium […].

Bei den aktuell auf Freigabe wartenden Projekten handele es sich größtenteils um derzeit inaktive Bergbauvorhaben kleiner kanadischer Firmen am Rande des Bankrotts. Sie seien abhängig von der Börsenspekulation um Rohstoffe in Kanada. Nur drei Firmen setzen ihre Projekte derzeit aktiv fort: Bacanora Lithium, Organimax und One World Lithium.

Das Lithium und die Energiewende

Durch die wachsende Bedeutung von sogenannten sauberen Energiequellen ist Lithium zu einem der begehrtesten Metalle geworden. Aufgrund seiner Eigenschaften ist es für die Antriebsenergie geeignet, was die Entwicklung kleinerer Batterien erleichtert und zugleich deren Lebensdauer erhöht. Der vom Kapitalismus geförderte Diskurs der „Energiewende“ suggeriert durch seine Rhetorik hier einen Wandel. Doch tatsächlich stellt die sogenannte Energiewende bisher keine Abkehr vom extraktivistischen Modell dar. Die Abnahme des Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen – verschärft durch fehlende chinesische Subventionen und der Reduzierung des Einlagerns von Lithium (dem sogenannten stockpiling) – haben die Produktion gesenkt.

Die Hauptquellen der Industrie sowie die wichtigsten Geldgeber erwarten jedoch einen bevorstehenden Boom der Nachfrage nach Lithium. Trotz dem auf Spekulation basierenden Vorantreiben des Lithium-Abbaus in Mexiko stellt der geopolitische Druck die Zukunft des Landes auf dem weltweiten Lithium-Markt in Frage, so der Bericht. Das Lithium aus Mexiko spiele dabei eine große Rolle für die Zukunft der USA. So sei es kein Zufall, dass sich der Umstand in der Auferlegung bestimmter Bedingungen in den neuen multilateralen Abkommen wie beipielsweise T-MEC widerspiegelt, die mit dem Land unterzeichnet wurden.

Die Maßnahmen, um den Lithium-Konsum bzw. die Extraktion in Nordamerika zu erhöhen und die Produktion, die sich hauptsächlich in Australien, Südamerika und Asien befindet, setzen die Abbaugebiete in Mexiko und Kanada unter Druck. Dies zeige sich insbesondere bei Unternehmen, die Lithium für die regionale Automobilindustrie liefern wollen. Das Dokument kommt daher zu dem Schluss, dass Lithium keinen Weg zur „Energiewende“ darstelle. Im Gegenteil: Es gehe lediglich um die Verwendung neuer Inputstoffe vor der eventuellen Erschöpfung anderer. Aus dem gleichen Grund würden dieselben Kolonial- und Kapitalakkumulationsstrukturen beibehalten, die der Bergbau schon immer reproduziere.

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