Kaffee-Kooperative im Süden Mexikos

Frau schält den Kaffee (quitar la cascarilla). Foto: Knut Hildebrandt

(Berlin, 29. Mai 2019, npl).- Kaffee ist neben Erdöl eines der meist gehandelten Rohprodukte auf dem Weltmarkt. Die Preise für Rohkaffee werden an den Börsen der Industrieländer gemacht. Wenn die Preise fallen, können viele kleine Kaffeeproduzent*innen im globalen Süden kaum noch von ihrer Ernte leben. Doch selbst von steigenden Weltmarktpreisen profitieren sie kaum, denn die Gewinne werden dann von den Zwischenhändler*innen abgeschöpft. Um das zu umgehen, haben sich tausende Kleinbäuer*innen in Südmexiko in Kooperativen zusammengeschlossen und die Vermarktung ihres Kaffees in die eigene Hand genommen. Auch die Kooperative Yeni Navan wurde in den 80er Jahren zu diesem Zweck gegründet. Angesichts fallender Weltmarktpreise wollten kleine Kaffeeproduzent*innen aus Oaxaca alternative, eigene Vermarktungsmöglichkeiten schaffen. Heute verkaufen sie ihren biologisch angebautem Kaffee über den fairen Handel.

In der Cañada, im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca, herrscht ein Klima des immer währenden Frühlings. Deshalb wird in der Region einer der besten Kaffees Mexikos angebaut. Hier liegt das kleine Dorf San Pedro Sochiápam. Vier Stunden Fahrt über unbefestigte Straßen trennen Sochiápam von der nächsten Stadt; bis zur Hauptstadt des Bundesstaates Oaxaca ist es eine halbe Tagesreise. In Sochiápam leben die Menschen von der Landwirtschaft. Neben Mais, Bohnen, Obst und Gemüse bauen sie vor allem Kaffee an. Michizá heißt die Marke unter welcher ihr Kaffee von der Kooperative Yeni Navan (Lebendiges Licht) in Mexiko verkauft wird. Der Begriff steht für die sechs Ethnien, welche die Kooperative Yeni Navan vereint: Mixtecxs, Mixes, Chinantecxs, Chatinxs, Cuicatecxs und Zapotecxs.

Kooperative bietet bessere Konditionen und Weiterbildung

Die Kaffee-Plantagen liegen um das Dorf verstreut in den Bergen. Für Marcelino Quintero dauert der tägliche Fußmarsch zu seiner Parzelle eine knappe Stunde. Quintero ist Mitglied der Kooperative Yeni Navan. Über diese verkauft er seinen Kaffee zu besseren Konditionen als bei den Zwischenhändler*innen, welche nicht selten den Kaffeepreis manipulieren.

Am späten Vormittag ist Marcelino Quintero mit Juan Jiménez, einem der sechs Geschäftsführer*innen von Yeni Navan, und einem Agraringenieur auf seiner Plantage verabredet. Gemeinsam besprechen sie Möglichkeiten, die Pflanzen gegen den Kaffeerost zu schützen, eine Pilzerkrankung, welche die Ernte zerstört. „Seit einem Jahr bekommen die Produzent*innen neues Saatgut “, erklärt Juan Jiménez. Die neuen Pflanzen widerstehen nicht nur dem Kaffeerost, sondern liefern auch Bohnen von höherer Qualität, fügt er hinzu.

Die Geschäftsstelle der Genossenschaft in San Francisco Tutla. Foto: Knut Hildebrandt

Wenige Tage später in der Geschäftsstelle der Genossenschaft in San Francisco Tutla, am Rande von Oaxaca-Stadt. Während Juan Jiménez eine Kaffee-Bestellung fertig macht, erklärt er wie die Genossenschaft funktioniert. Neunhundert Frauen und Männer aus den verschiedenen Regionen Oaxacas haben sich in Yeni Navan zusammen geschlossen, um gemeinsam ihren Kaffee zu vermarkten. Großen Wert legt die Kooperative auf den biologischen Anbau des von den Mitgliedern produzierten Kaffees. Deshalb unterstützt sie diese mit Weiterbildungen zum Bio-Landbau und technischer Beratung. Das zahlt sich nicht nur mit höheren Preisen für den fair gehandelten Bio-Kaffee aus, sondern ist auch besser für die Umwelt und die Gesundheit der auf den Plantagen arbeitenden Menschen.

Ein Stückchen Gleichbereichtigung im Süden Mexikos

Eine wichtige Rolle spielt auch das Haus in San Francisco Tutla für die Kooperative. Hier wird nicht nur Kaffee geröstet und gemahlen, hier wohnen auch die Mitglieder, wenn sie nach Oaxaca-Stadt reisen müssen. Alle zwei Monate kommen Delegierte aus den 43 angeschlossenen Kommunen in die Geschäftsstelle, um gemeinsam über wichtige Fragen wie die Auszahlung der Erlöse zu entscheiden. Und alle drei Jahre werden auf der Generalversammlung die neuen Geschäftsführer*innen aus den Reihen der Mitglieder gewählt. Denn Yeni Navan hat keine fest angestellte Geschäftsleitung.

Auch in einem weiteren Punkt ist Yeni Navan etwas Besonderes im südmexikanischen Oaxaca. „Hier herrscht Gleichberechtigung. Bei uns gibt es keine Unterschiede“, betont Juan Jiménez. Knapp ein Drittel der Mitglieder der Kooperative sind Frauen. Und diese haben die gleichen Rechte wie ihre männlichen Genossen, erklärt Jiménez weiter. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Süden Mexikos. Vor allem auf dem Land wird Frauen immer noch die Rolle der Hausfrau zugeteilt. Und sie haben sich dem Willen ihrer Ehemänner unterzuordnen.
Beim Abschied erzählt Juan Jiménez noch von seinem großen Traum. Eines Tages soll der Kaffee von Yeni Navan auch in Deutschland unter ihrer eigenen Marke Michizá verkauft werden – denn bisher ist er nur in fair gehandelten Kaffeemischungen zu erhalten.

Eine schicke Audio-Slideshow zu dem Artikel findet ihr hier.

CC BY-SA 4.0 Kaffee-Kooperative im Süden Mexikos von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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