
(Montevideo/Buenos Aires, 12. Januar 2026, la diaria/anred/poonal).- Die verheerenden Waldbrände, die am 5. Januar in der südargentinischen Region Patagonien ausgebrochen sind, haben bislang 12.000 Hektar Wald und Felder vernichtet. 80 Prozent der Brandherde liegen in der Provinz Chubut, einige sind noch immer nicht unter Kontrolle.
Die Generalstaatsanwaltschaft von Chubut teilte mit, dass die Brände absichtlich mit Hilfe von Brandbeschleunigern gelegt wurden. Doch obwohl die Täter*innen noch unbekannt sind, haben das Ministerium für Sicherheit der rechten argentinischen Regierung sowie die als Hardlinerin bekannte Senatorin Patricia Bullrich bereits Aktivist*innen der indigenen Mapuche für die Brandstiftungen verantwortlich gemacht.
Regierung gibt Mapuche die Schuld
Das Ministerium für Sicherheit behauptete am 11. Januar auf X, „erste Anzeichen“ würden darauf hinweisen, dass die Taten mit „terroristischen Gruppen selbsternannter Mapuche“ in Zusammenhang stehen würden. Diese hätten bereits in der Vergangenheit „Angriffe auf Sicherheitskräfte und Privatbesitz in Form eines umweltbezogenen Terrorismus“ ausgeübt. Die Verantwortlichen würden identifiziert, verhaftet und vor Gericht gestellt, so das Ministerium. Ähnlich äußerte sich Senatorin Bullrich, die das Ministerium bis Ende vergangenen Jahres noch selbst geführt hatte. „Die Resistencia Ancestral Mapuche (RAM, eine radikale Mapuche-Organisation, Anm. d. Ü.) wurde zur Terrororganisation erklärt, wegen ihrer Vorgeschichte von Brandstiftungen, Gewalt und Umweltkatastrophen“, schrieb Bullrich ebenfalls auf X.
Die argentinische Regierung hatte die RAM bereits am 5. Februar 2025 zur „terroristischen Organisation“ erklärt, nach ebenfalls verheerenden Waldbränden kurz zuvor. Der Generalstaatsanwalt von Chubut, Carlos Díaz Mayer, wies die aktuellen Anschuldigungen jedoch zurück. Auch der Mapuche-Aktivist Facundo Jones Huala, der als das Gesicht der RAM gilt und unter Terrorverdacht in einem Gefängnis in Chubut sitzt, soll vor einem Jahr laut einem argentinischen Medienbericht gesagt haben: „Wir haben das nie gemacht und würden das auch niemals tun“.
Mapuche beklagen Vertreibung und Rassismus
Nun wiesen auch mehrere Mapuche-Organisationen die Behauptungen der Regierung scharf zurück. In einer Erklärung unter dem Titel „Vertreibung mithilfe des Feuers“ beklagten sie mangelnde Frühwarnsysteme seitens der Regierung, einen nicht erfolgten Wiederaufbau der meisten der über 70 vor einem Jahr zerstörten Häuser sowie Massenentlassungen bei der Feuerwehr. „Warum gibt es wieder ein Feuer? Warum gibt es keine Mittel, warum keine Prävention, und warum kommt sie immer zu spät? Und was ist die monothematische Antwort der Regierung? Sie beschuldigen die Mapuche“, schreiben die über 30 unterzeichnenden Gruppen. Und weiter: „Jahr für Jahr benutzen sie das Feuer als Vertreibungsstrategie. Sie benutzen Hass und Rassismus, um zu spalten.“
Waldbrände noch nicht unter Kontrolle
Auch ein Jahr nach den schlimmsten Waldbränden im Süden Argentiniens seit 30 Jahren sind die aktuellen Brände noch nicht unter Kontrolle, auch wenn die Regierung etwas anderes behauptet. In Chubut ist das Hauptfeuer in Puerto Patriada noch aktiv, wie die örtliche Brandschutzbehörde mitteilte.
Besonders betroffen von den diesjährigen Waldbränden sind die Ortschaften El Hoyo und Epuyén in Chubut, die zur sogenannten „Comarca Andina“ gehören, dessen schöne Landschaft bei Tourist*innen beliebt ist. Weitere betroffene Provinzen sind Santa Cruz, Río Negro und Neuquén. In Santa Cruz verbrannten 764 Hektar im Naturpark Los Glaciares; in den anderen beiden Provinzen wurden jeweils zwei Brandherde registriert.
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Oje, wir wollten beinahe in Argentinien Urlaub machen!
Es ist wichtig, den kolonialen Rassismus der Regierung Milei zu bezeichen. Ebenso wichtig wäre es aufzuzeigen, wie ein sehr grosser Teil der Linken im Verbund mit einem Teil der Rechten in Antisemitismus schwelgt, den Mythos des Plan Andina aufwärmt und wahlweise „den Juden“, „den Zionisten“ oder „den Israeli“ zuschreibt, in einem diabolischen Plan die Brände gelegt zu haben, um Patagonien zu übernehmen. Ebenso müsste aufgezeigt werden, wie Waldbrände zur Gewinnung von Land für grosse Agrarfirmen genutzt werden. Dann würde schnell auch die Funktion des Antisemitismus offengelegt, der derzeit in Argentinien offen grassiert.