Deutsche Bank soll zerstörerisches Wasserkraftprojekt in Chile retten

Von Nils Brock

NEIN zu ALTO MAIPO
Foto: Telly Gacitua (CC BY-NC 2.0)

(Berlin, 6. März 2018, npl).- Die Deutsche Bank machte in den letzten Wochen eher negative Schlagzeilen: ein schwacher Kurs, die vom Rückzug des chinesischen Großinvestors HNA verunsicherten Anleger*innen und eine 240 Millionen Dollar teure Vergleichszahlung wegen Zinsmanipulationen in den USA. Umso mehr müsste sich das Kreditinstitut freuen, ausnahmsweise mal als Retter in der Not gehandelt zu werden. Noch diese Woche könnte die Deutsche Bank als neuer Großinvestor des Wasserkraftprojekts Alto Maipo in Chile präsentiert werden. Das behaupten zumindest Mitarbeiter*innen der Weltbank gegenüber der chilenischen Wirtschaftszeitung Pulso.

14 Anzeigen wegen Verstoß gegen Umweltauflagen

Doch die Rettungsaktion ist ein zweifelhaftes Unterfangen. Denn gegen Alto Maipo, einem Prestigeprojekt des chilenisch-internationalen Konsortiums AES-Gener, liegen 14 Anzeigen des chilenischen Umweltministeriums vor: Das ambitionierte Bauvorhaben, das Wasser von drei Anden-Quellflüssen aus 4000 Metern Höhe zur Energiegewinnung in ein unterirdisches Laufwasserkraftwerk einleiten will, habe die Umweltauflagen mehrfach schwer verletzt. Nach wochenlangen Streiks und Arbeitsunfällen, zog sich Mitte 2017 zudem das deutsche Bauunternehmen Hochtief aus dem Projekt zurück und streitet mit AES-Gener nun vor einem US-Zivilgericht, wer vertragsbrüchig geworden sei und wer wen entschädigen soll. Auch die beharrlichen Proteste gegen Alto Maipo in Santiago, wo viele Menschen durch die Umleitung der Flüsse ihre Trinkwasserversorgung gefährdet sehen, produzieren regelmäßig Negativschlagzeilen.

Gesellschaftlicher Druck und Kosten steigen

Demo gegen Alto Maipo
Foto: Pía Matta (CC BY-NC 2.0)

Gestiegen ist damit nicht nur der gesellschaftliche Druck sondern auch die Kosten. 700 Millionen Dollar sollte Alto Maipo ursprünglich kosten, inzwischen gehen Experten von etwa 3 Milliarden aus. Nicht alle Beteiligten sind willig, diese Rechnung mitzutragen. Obwohl eine Erhöhung des Eigenkapitals um 80 Millionen US-Dollar geplant ist, braucht AES-Gener dringend weitere Finanziers. Trotz aller Vorbehalte konnte, nach dem Rückzug von Hochtief, die Strabag für eine finanzielle und bauliche Unterstützung gewonnen werden. Auch das deutsche Unternehmen Voith Hydro ist weiterhin interessiert für Alto Maipo „die komplette elektromechanische Ausrüstung, inklusive Turbine und Generator, das Engineering, die Produktion, den Aufbau und Inbetriebnahme der Anlage sowie das gesamte Projektmanagement“ beizusteuern.

Damit der Deal nicht platzt, hält auch die KfW Ipex – eine Tochtergesellschaft der deutschen Förderbank – an den zugesicherten Kreditlinien fest. Anders sieht es bei der zur Weltbankgruppe gehörenden Internationalen Finanz-Corporation (IFC) aus. Dort mehren sich die Hinweise auf einen Rückzug aus dem Alto Maipo-Projekt, nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus ethischen Gründen. Laut Pulso bestehen seitens der IFC Zweifel, ob das Projekt länger den sozialen und Umweltstandards der Bank entspricht. Es ist diese mögliche Lücke, die die Deutsche Bank mit Krediten schließen soll. Ob ihr ein solches Engagement bald bessere Schlagzeilen beschert, ist fraglich.

 

Zu diesem Thema haben wir folgendes Audio für euch: Explodierende Kosten und wackelnde Kredite. Steht das Wasserkraftwerk Alto Maipo vor dem Aus?

 

CC BY-SA 4.0 Deutsche Bank soll zerstörerisches Wasserkraftprojekt in Chile retten von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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