Bienen in Gefahr

Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 20. Mai 2019, desinformémonos).- In Mexiko sind in den vergangenen vier Jahren schätzungsweise 1,6 Milliarden Bienen verschwunden. Dies hat nicht nur Folgen für die Honigproduktion sondern auch für den Prozess der Bestäubung. Expert*innen sprechen von einer „apokalyptischen“ Situation.

Die wichtigsten Bestäuber des Ökosystems befinden sich in einer Krise. Zwar seien Bienen nicht die einzige bedrohte Art, allerdings sind sie eine der wichtigsten für das Ökosystem, so Tonatiuh Cruz Sanchez, vom Propolis-Untersuchungslabor der Fakultät für höhere Studien (FES) Cuautitlán der mexikanischen Universität UNAM.

Laut dem Experten der UNAM ist der große Rückgang der Bienenpopulationen auf eine Vielzahl von Bedrohungen zurückzuführen. Dazu gehören beispielsweise die Zerstörung ihrer Lebensräume, wie auch der exzessive Gebrauch von Chemie in der Landwirtschaft. Besonders der Einsatz von Glyphosat könnte zu dem Rückgang der Bienenpopulationen beitragen. Cruz erinnert daran, dass der Senat eine Dekret verabschiedet habe, um die Schäden zu verringern, die Bienen durch die Verwendung von Chemikalien erleiden.

Glyphosat als Mitverursacher für das Bienensterben

„Abgesehen davon, dass Glyphosat die Bienen tötet, verwirrt es sie und hindert sie daran, zu ihren Stöcken zurückzukehren. Auch andere Insekten, die für die Bestäubung eine wichtige Rolle spielen, wie Wespen, Schmetterlinge und Käfer, aber auch Vögel wie Kolibris oder Säugetiere wie die Fledermaus sind davon betroffen.“

Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen arbeitet Cruz an der Erhaltung der heimischen Bienenarten, im besonderen der Meliponas. Diese sogenannten stachellosen Bienen existierten schon weit vor der Ankunft der Spanier. Auch das Wissen um ihre Nutzbarkeit war weit verbreitet. Sie produzieren Honig und Öle für den medizinischen Gebrauch und auch in der Landwirtschaft sind sie von großer wirtschaftlicher Bedeutung. „Sie sind ein althergebrachtes Erbe, das wir schützen müssen, da sie bei der Erhaltung des Ökosystems eine wichtige Rolle spielen können.“, so Cruz.

Bisher gibt es in Mexiko kaum Studien zu dem Thema, weshalb die aktuelle Forschung der Expert*innen der UNAM von besonderer Relevanz ist. „Wir versuchen, die Tradition und das Wissen um das Propolis zu retten und untersuchen im Besonderen die mikrobakterielle Wirkung gegen Viren, Pilze und Bakterien.“

Honig für den Export

Traditionell wird das Propolis der Meliponas zur Behandlung von Wunden, Pilzerkrankungen, Atem- und Verdauungsproblemen, sowie bei Tieren angewendet. Durch ihre Forschung auf dem Gebiet ist die FES Cuautitlán Teil eines größeren Netzwerkes, dem 13 Organisationen mit über 700 Bienenkulturen in den mexikanischen Bundesstaaten Veracruz, Oaxaca, Chiapas, Tabasco und Puebla angehören.

In diesem Jahr wollen die Forscher*innen den Imker*innen die Ergebnisse ihrer Forschung näherbringen, diese ausbilden und über die wirtschaftlichen Vorteile der Meliponas aufklären.

Mexiko ist laut Daten des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der weltweit sechstgrößte Honigproduzent, und der drittgrößte Exporteur des sogenannten „flüssigen Goldes“. Trotzdem, so bedauert Cruz Sánchez, beträgt der Pro-Kopf-Konsum in Mexiko gerade einmal 100 Gramm pro Jahr. In Deutschland hingegen, neben England Hauptabnehmer mexikanischen Honigs, liegt der Verbrauch bei ca. einem Liter.

CC BY-SA 4.0 Bienen in Gefahr von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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