Zwei Aktivisten der Landlosenbewegung MST erschossen

Trauerfeier nach Mord an MST-Aktivisten
Foto: Christian Woa Two, Brasil de Fato

(Paraíba, 10. Dezember 2018, Brasil de Fato/poonal).- Eine schwer bewaffnete Gruppe ist am 8. Dezember in ein Lager der Landlosenbewegung MST (Movimento das Trabalhadoras e Trabalhadores Sem Terra) eingedrungen und hat die beiden Aktivisten José Bernardo da Silva, besser bekannt als Orlando, und Rodrigo Celestino beim Abendessen erschossen. Das Camp mit dem Namen Dom José Maria Pires im nordöstlichen Bundesstaat Paraíba ist ein ehemaliger ein Bauernhof, der brach lag. Im Juli dieses Jahres wurde das einjährige Bestehen des Camps gefeiert.

Die zukünftige Abgeordnete des Bundesstaates, Cida Ramos, verkündete in einer schriftlichen Notiz: „Wir werden zur Trauerfeier kommen und damit ein politisches Zeichen setzen.“ Auch die Generalstaatsanwaltschaft, die Bundesstaatsanwaltschaft für Bürgerrechte und die Staatsanwaltschaft für Bürgerrechte des Staates Paraíba, die alle dem Bundesinnenministerium unterstehen, sprachen ihre Solidarität mit den Familien der beiden Ermordeten aus.

Eine schriftliche Solidaritätsmitteilung verfasste auch der Freundeskreis der MST in Paraíba: „Wir verstehen den feigen Mord an unseren Genossen als Fortsetzung des gewaltvollen Klimas, welches sich vor dem aktuellen politischen Hintergrund dieses Landes mit der Verbreitung eines neofaschistischen Gedankenguts und der Kriminalisierung von sozialen Organisationen und Bewegungen verschlimmert.“ Die MST veröffentlichte ebenfalls eine Stellungnahme: „Wir fordern Gerechtigkeit und eine Strafe für die Schuldigen. Wir glauben daran, dass unser Kampf kein Verbrechen ist.“

Paraíba: Kämpfe und Konflikte

Der Kampf um Land in Paraíba geht weit zurück. Die Ligen der Bauern (Ligas Camponesas), eine der wichtigsten Bewegungen, aus deren Aktivismus die Agrarreform hervorgegangen ist, agierte in Paraíba in den 1950er und 60er Jahren hauptsächlich in der Region Mari im Inland von Paraíba. Bis heute sei diese Region von Konflikten geprägt, so Marco Antonio Mitiderio Júnior, Professor und Forscher zum Thema Agrarkonflikte. Mitidiero zufolge, seien die Konflikte in der Region um Alhandra, in der auch der Mord an Orlando und Rodrigo stattfand, am intensivsten. Hier lebt auch der Abgeordnete der Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) und Pater Luiz Cuto schon seit mehr als zehn Jahren unter dem Schutz der Bundespolizei. Er hatte in der Vergangenheit die Aktivitäten von Auftragsmörder*innen angeprangert.

„Die Region ist von Gewalt geprägt und wegen der Zuckerrohr- und Kalksteinvorkommen begehrt“, erklärt Mitidiero. Dieses ressourcenreiche Gebiet zieht sich an der Küste über mehrere benachbarte Bundesstaaten hinweg. „Hier gibt es viele Konflikte und es wurden im Laufe der Zeit unzählige gewaltvolle Übergriffe und Drohungen registriert.“ Der Forscher betont allerdings, dass die Zahl der Morde in den letzten Jahren gesunken seien. Vor den Morden am 8. Dezember wurde der letzte Mord im Jahr 2016 verzeichnet. Damals wurde Ivanildo Francisco da Silva durch drei Schüsse in seinem Haus getötet. Er war Präsident der lokalen PT und Unterstützer der Pastoralen Kommission für Land CPT (Commissao Pastoral da Terra).

In den Jahren 1962 bis 2018 verloren insgesamt 31 Menschen ihr Leben im Kampf für die Rechte von Landarbeiter*innen.

CC BY-SA 4.0 Zwei Aktivisten der Landlosenbewegung MST erschossen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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