Tote und Verletzte bei Protesten

Proteste in Ecuador am 21. Juni. Foto: Colombia Informa

(Medellín, 21. Juni 2022, colombia informa/poonal).- Am neunten Tag des landesweiten Streiks in Ecuador, der am 13. Juni begonnen hat, ist ein junger Kichwa-Indigener in der Provinz Pastaza durch eine von Sicherheitskräften verschossene Tränengasgranate getötet worden. Das teilten Menschenrechtsgruppen mit. Zuvor waren bereits fünf Menschen bei den Protesten in Quito von einer Brücke gestürzt, wobei ein junger Mann starb. Zudem wurden mindestens 74 Menschenrechtsverstöße bei der jüngsten Protestwelle verzeichnet, die vom indigenen Dachverband CONAIE und weiteren Organisationen aus Protest gegen die neoliberale Politik des ecuadorianischen Präsidenten Guillermo Lasso angeführt wird.

Nach dem Tod des Indigenen in der Stadt Puyo in der Amazonasprovinz Pastaza kritisierten indigene und soziale Organisationen einen übermäßigen und ihrer Ansicht nach unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt seitens der Sicherheitskräfte. Diese hätten zum Teil direkt auf die Demonstrant*innen geschossen. Angesichts der Vorfälle in Ecuador mit zahlreichen Festnahmen forderten sie eine Stellungnahme internationaler Menschenrechtsorganisationen.

Am 21. Juni verschoss die ecuadorianische Nationalpolizei in der Hauptstadt Quito Tränengas im Universitätsviertel. Diese gilt als Ruhe- und Erholungszone für die Protestierenden, die jedoch von der Regierung nicht anerkannt wird. Damit seien tausende Menschen in Gefahr gebracht worden, beklagten Studierendenvereinigungen. Sie sprachen von schwerer Repression seitens Polizei und Militär, durch die bislang sechs Menschen Augenverletzungen und 18 Personen andere schwere Verletzungen erlitten hätten.

Tausende Indigene in Quito

Gleichzeitig erreichen weiterhin tausende Indigene die Hauptstadt Quito. Sie kommen aus den Provinzen Chimborazo, Cotopaxi und Tungurahua, um die Proteste gegen die Regierung Lasso sowie den landesweiten Streik zu unterstützen. Auch die Bewohner*innen mehrerer Viertel im Norden und Süden der Hauptstadt sind auf den Beinen. Die Protestierenden kritisieren, dass der verhängte Ausnahmezustand keine Kriegserklärung gegen die Gemeinschaften sein dürfe. Die Proteste dürften kein Grund sein, um die Armee auf die Straßen zu schicken.

Unterdessen drohte Verteidigungsminister Luis Lara den indigenen Organisationen, die den Streik anführen. Diese würden die Demokratie in „ernste Gefahr“ bringen, doch das Militär werde nicht dulden, dass die verfassungsgemäße Ordnung im Land zerbrochen werde. Am 20. Juni hatte Präsident Lasso den Ausnahmezustand von zunächst drei auf weitere sechs Provinzen Ecuadors ausgedehnt.

Die Protestierenden fordern unter anderem, die Kraftstoffpreise zu senken sowie einzufrieren und die Preise für Lebensmittel des täglichen Bedarfs zu kontrollieren. Die CONAIE (Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador) fordert außerdem einen Stopp der Erdölförderung und des Bergbaus in bestimmten Regionen des Landes und protestiert gegen Privatisierungsprojekte. Trotz Dialogversuchen zwischen der konservativen Regierung und den Protestierenden ist es bislang nicht zu einer Einigung gekommen.

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Kommentare zu „Tote und Verletzte bei Protesten“;

  1. ÖFFENTLICHE ANKLAGE DURCH DIE INTERNATIONALE GEMEINSCHAFT
    Am 13.Juni begannen tagelange Mobilisierungen der Gemeinschaften Ecuadors in Form von legitimen Protesten und mit einem öffentlichen Forderungskatalog, dem wir uns anschließen. Dieser versucht, die neoliberale Politik zu stoppen, die von der Regierung Guillermo Lassos, Vertreter der ecuadorianischen und regionalen Oligarchie, intensiviert wurde und umfasst folgende Punkte…

    https://girahh.noblogs.org/post/2022/06/23/oeffentliche-anklage-durch-die-internationale-gemeinschaft/

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