Anschlag auf Büro der Bauernorganisation Via Campesina. Widerstandsfront distanziert sich von Gewalt

von Harald Neuber, Tegucigalpa

(Darmstadt, 13. August 2009, amerika21.de).- Der Sitz der LandarbeiterInnenorganisation Via Campesina in der honduranischen Hauptstadt ist gut gesichert. Über dem schweren schwarzen Tor ist eine kleine, runde Kamera installiert. Jeder, der hier hinein möchte, muss sich ausweisen. Die Versammlungen finden in einem hinteren Teil des Gebäudes statt. Seit gestern Nacht ist klar, weshalb diese Sicherheitsvorkehrungen bestehen. Nach den Massendemonstrationen in Tegucigalpa und im nördlichen San Pedro Sula wurde das Gebäude von Unbekannten beschossen. Es ist der zweite Terroranschlag gegen die wachsende Demokratiebewegung in dem mittelamerikanischen Land.

Nach Angaben der Kommunikationsbeauftragten von Via Campesina, Marbel Márquez, eröffneten Unbekannte von einem cremefarbenen Toyota aus das Feuer auf das Gebäude. Der Zwischenfall ereignete sich um kurz vor halb zwölf in der Nacht – eineinhalb Stunden nachdem von dem Putschistenregime erneut eine Ausgangssperre verhängt wurde. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies ohne stillschweigende Zustimmung von Militär und Polizei geschehen ist“, sagt einer der Aktivisten, die in dem Gebäude Wache halten. Während der Ausgangssperre seien schließlich keine Privatfahrzeuge mehr unterwegs.

In einem Kommuniqué verurteilte die Organisation den Angriff entschieden. Als Teil des Protestbündnisses „Nationale Widerstandsfront gegen den Staatsstreich“ stehe Via Campesina für den Weg des friedlichen Widerstandes, heißt es in der Erklärung. Auch wird darauf verwiesen, dass vor gut zwei Wochen eine Bombe im Sitz der Gewerkschaft der Getränkeindustrie STIBYS (Sindicato de Trabajadores de la Industria de la Bebida y Similares) detonierte – einem weiteren Zentrum des demokratischen und friedlichen Widerstandes.

Nach dem Attentat verurteilte der führende Aktivist von Via Campesina, Rafael Alegría, die zunehme Gewalt. Weder seine Organisation noch die Widerstandsfront habe zudem etwas mit den Ausschreitungen während der Proteste während des Tages zu tun, sagte Alegría. Am Nachmittag hatten Jugendliche am Rande der Proteste Fensterscheiben eingeschlagen und eine Filiale des Fast–Food–Restaurants McDonald´s in Brand gesetzt. „Wir haben zu solchen Taten zu keinem Zeitpunkt aufgerufen“, sagte Alegría. Die Organisation rief Vertreter*innen sozialer Bewegungen erneut auf, den friedlichen Widerstand in Honduras zu unterstützen.

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