Angriffswelle der Paramilitärs

von Hans Weber

Kolumbianische Paramilitärs. Foto: Amerika21/notimundo2.blogspot.de(Quibdó/Cúcuta, 10. Oktober 2013, amerika21.de).- Die Todesdrohungen von Paramilitärs gegen Kleinbauern, die ihr Land zurück fordern, sind vergangene Woche in den Gemeindebezirken Pedeguita, Mansilla und Curbaradó im Bundesstaat Chocó massiv angestiegen. Die Einschüchterungsaktionen nahmen zu, nachdem vertriebene Familien sich auf einem Grundstück ihrer kollektiven Ländereien versammelt hatten, um Bauten des dortigen illegitimen Besitzers Ex-Oberst Felipe Molano zu zerstören.

„Der legitime Besitzer dieser Ländereien war mein Vater, Juan de Dios Lince Villegas“, erklärte Andrés Lince. Er war von diesem Ackerland vertrieben worden, nachdem die Paramilitärs im Jahr 1997 seinen Vater und einen weiteren Verwandten enthauptet hatten. Ex-Oberst Molano, Mitglied des Vereins der pensionierten Militärangehörigen ACORE und Onkel des in die USA ausgelieferten Drogenhändlers Hugo Bernal Molano, bemächtigte sich des Grundstücks und verwandelte es in einen Viehhaltungsbetrieb.

Molano gehört zu einer Reihe von Unternehmern der Region, die das kolumbianische Institut für ländliche Entwicklung INCODER zu „widerrechtlichen Besitzern“ erklärt hat und laut Beschluss des Verfassungsgerichtshofs von 2012 müssten die Ländereien geräumt werden. Trotzdem haben die Behörden bisher nichts dafür unternommen. Der Aufsichtsbeamte, der von der Regierung mit den entsprechenden Räumungen beauftragt wurde, sei seit acht Monaten vollständig inaktiv, während die Agrarunternehmer ihre ökonomischen Aktivitäten weiterhin konsolidierten, so die ökumenische Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“. Die besetzten Ländereien würden stattdessen von Paramilitärs kontrolliert, die sich als Zivilisten gekleidet mit kurzen Waffen darin frei bewegten und Mitglieder der Gemeinden bedrängten.

Allerdings ist diese Zone nicht der einzige Gemeindebezirk, in dem in den letzten Wochen eine Einschüchterungswelle gestartet wurde. Die paramilitärische Gruppe Autodefensas Gaitanistas AUG hat im August in San José de Apartadó vier Kleinbauern getötet. Einer von ihnen wurde erwürgt.

Morde und Massenvertreibungen im Nordwesten Kolumbiens

In der vergangenen Woche sind im Nordwesten Kolumbiens zwei junge Angehörige der Bauernorganisation von Catatumbo ASCAMCAT verschleppt worden, die an den großen Agrarstreiks dieses Jahres teilgenommen haben. Sie gelten seitdem als verschwunden. Auch an der Grenze zu Venezuela bekommen die Einwohner*innen die Gewalt der Paramilitärs zu spüren. Im Juli und August haben paramilitärische Mafiastrukturen, die tief in den Drogenhandel und andere illegale Geschäfte verwickelt sind, vier Massaker in der Stadt Cúcuta begangen.

Die Morde an Zivilist*innen sind in dem nahe Cúcuta liegenden Verwaltungsbezirk Palmarito seit August ebenso enorm gestiegen. Die Landbewohner*innen versichern, dass es in dem Ort 40 stark bewaffnete Männer gibt, informiert Prensa Rural. Sie trügen Langwaffen, Maschinengewehre, Maschinenpistolen der Marke Uzi und Pistolen mit Schalldämpfern. Die Männer sollen von Tür zu Tür gegangen sein, um die Einwohner*innen aus dem Dorf zu vertreiben. Ende September sind etwa 600 Menschen aus Palmito nach Cúcuta vertrieben worden. In der Region sind die paramilitärischen Gruppen Los Urabeños und Los Rastrojos als Kontrollmacht tätig und handeln nach Aussagen der Anwohner*innen mit Unterstützung der lokalen Behörden.

CC BY-SA 4.0 Angriffswelle der Paramilitärs von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite möchte Cookies für ein optimales Surferlebnis und zur anonymisierten statistischen Auswertung benutzen. Eine eingeschränkte Nutzung der Webseite ist auch ohne Cookies möglich. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen