Rechtspopulist De la Espriella und Linkskandidat Cepeda ziehen in kolumbianische Stichwahl ein

Er könnte am 21. Juni neuer Präsident Kolumbiens werden: Iván Cepeda der links-progressiven Partei Pacto Histórico holte am Sonntag 40,9% der Stimmen. Foto: IvanCepedaCastro via wikimedia commons, CC BY-SA 4.0.

(Montevideo, 31. Mai 2026, La Diaria).- Die letzten Umfragen hatten es bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Abelardo de la Espriella, der rechtspopulistische Herausforderer, und Iván Cepeda, Kandidat der regierenden Linkskoalition Pacto Histórico, haben die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen. Am 21. Juni kommt es nun zur Stichwahl – ein Duell, das das Land spalten könnte.

Dank der effizienten Arbeit der Wahlbehörden stand das vorläufige Ergebnis bereits am späten Nachmittag fest: De la Espriella führte mit 43,7 % der Stimmen, knapp gefolgt von Cepeda mit 40,9 %. Eine der größten Überraschungen des Tages: Paloma Valencia, die Kandidatin der konservativen Centro Democrático – der Partei des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe – landete mit nur 6,5 % weit abgeschlagen auf Platz drei.

Noch schlechter schnitten die Kandidaten der politischen Mitte ab: Sergio Fajardo, ehemaliger Gouverneur von Antioquia und Ex-Bürgermeister von Medellín, kam auf 4,3 %. Die Bogotáer Bürgermeisterin Claudia López und Raúl Santiago Botero, Anführer der Bewegung Romper el Sistema, verfehlten sogar die 1 %-Hürde.

In absoluten Zahlen: De la Espriella erhielt 10,35 Millionen Stimmen, Cepeda 9,69 Millionen, Valencia 1,64 Millionen und Fajardo 1,01 Millionen. Dazu kamen 406.914 ungültige Stimmen (1,7 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 57,85 % – ein typischer Wert für Kolumbien, wo es keine Wahlpflicht gibt.

„Wir werden die Tyrannei besiegen!“

In einer ersten Reaktion veröffentlichte De la Espriella ein Video auf X, in dem er mit seiner Familie zu sehen war, die alle Trikots der kolumbianischen Nationalmannschaft trugen. „Dank der über zehn Millionen Kolumbianer, die uns unterstützt haben, sind wir in der Stichwahl! In 21 Tagen schreiben wir Geschichte!“, so der 47-jährige Anwalt, der sich als „Außenseiter des Systems“ inszeniert, die politischen Mechanismen Kolumbiens jedoch bestens zu kennen scheint. In seinem Umfeld finden sich zahlreiche einflussreiche Vertreter der Rechten.

Mit dem Spitznamen „El Tigre“ (Der Tiger) bekannt, lehnt De la Espriella die Friedensabkommen mit den Guerillagruppen kategorisch ab. Seine Nähe zu paramilitärischen Gruppen hat er nie geleugnet – im Gegenteil: Als Anwalt hat er viele von ihnen vertreten.

Kurzer, polarisierter Wahlkampf steht bevor

In den kommenden drei Wochen werden beide Kandidaten um die Stimmen der politischen Mitte und derjenigen werben, die am Sonntag nicht wählen gingen. Einige Unterstützungen sind bereits sicher: Álvaro Uribe, der große Verlierer des Tages, hat bereits angekündigt, De la Espriella zu unterstützen.

Die Wahl hat zudem gezeigt: Gustavo Petro bleibt die dominierende Figur der kolumbianischen Politik. Die Abstimmung am Sonntag war zu einem guten Teil ein Urteil über seine Amtszeit. Das erklärt, warum die politische Mitte fast bedeutungslos blieb. Dennoch sind ihre Stimmen nicht zu unterschätzen: Der Vorsprung von De la Espriella vor Cepeda beträgt nur 670.000 Stimmen – eine knappe Differenz, wenn man bedenkt, dass über 41 Millionen Menschen wahlberechtigt waren.

Petro stellt vorläufige Ergebnisse infrage

Nach Bekanntwerden der vorläufigen Zahlen  äußerte Petro auf X Zweifel: „Die veröffentlichten Zahlen haben keine bindende Wirkung. Ich akzeptiere als Präsident die Vorabzählung der privaten Firma der Brüder Bautista nicht. In der letzten Woche wurden die Algorithmen der Auszählungssoftware dreimal geändert, und es wurden 800.000 Wahlberechtigte hinzugefügt, die nicht im offiziellen Register stehen.“
Er betonte: „Ich werde nur die Ergebnisse der offiziellen Auszählungsausschüsse anerkennen, die von Richtern der Republik geleitet werden.“

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