
(Quito, 21./27. Januar 2026, prensa latina).- Der Präsident Ecuadors, Daniel Noboa, hat am 21. Januar eine Erhebung der Zölle von 30 Prozent für Importe aus Kolumbien angekündigt. Die Maßnahme soll am 1. Februar in Kraft treten. Noboa erklärte auf dem Kurznachrichtendienst X, die Maßnahme sei eine Reaktion auf die angeblich mangelnde Kooperation in der Bekämpfung des Drogenhandels und des illegalen Bergbaus an der gemeinsamen Grenze.
„Wir haben echte Anstrengungen unternommen, mit Kolumbien zusammenzuarbeiten, trotz eines Handelsdefizits von über einer Milliarde Dollar jährlich. Aber während wir auf Dialog bestanden haben, kämpfen unsere Militärs immer noch gegen kriminelle Gruppen, die in den Drogenhandel an der Grenze involviert sind, ohne jegliche Kooperation“, sagte der ecuadorianische Präsident.
Hohe Zölle als „Sicherheitsgebühr“
Noboa bezeichnete die beschlossenen Zölle von 30 Prozent auf Produkte aus Kolumbien als „Sicherheitsgebühr“. Er fügte hinzu, dass dieser Zollsatz in Kraft bleiben wird, „bis es eine echte Absicht gibt, sich gemeinsam dem Drogenhandel und dem illegalen Bergbau in der Grenzregion entgegenzustellen, mit derselben Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, die Ecuador heute zeigt“.
Verschiedene Kommentare zum Beitrag des Präsidenten bezeichnen die Maßnahme als Imitation des US-Präsidenten Donald Trump; andere Nutzer*innen erinnern an die Abhängigkeit Ecuadors von Stromimporten aus Kolumbien, um seine Mängel in der Energieversorgung auszugleichen.
Kolumbien reagiert ebenfalls mit Strafzöllen
Die kolumbianische Regierung reagierte mit der Verhängung von Strafzöllen, ebenfalls in Höhe von 30 Prozent. Zudem stellte Kolumbien die Lieferung von Strom ein.
Daraufhin erhöhte Ecuador die Gebühren für den Transport von kolumbianischen Rohöl durch eine der ecuadorianischen Pipelines um 900 Prozent und kündigte am 27. Januar an, Strafzölle auf weitere Produkte als ursprünglich geplant zu erheben.
2025 gewalttätigstes Jahr in der Geschichte Ecuadors
Ecuador befindet sich in einer Sicherheitskrise nie dagewesenen Ausmaßes. Das Jahr 2025 ging mit mehr als neuntausend Morden als das bisher gewalttätigste in die Geschichte des Landes ein. Laut internationalen Untersuchungen durchqueren 70 Prozent der weltweit gehandelten Drogen ecuadorianisches Territorium.
Mitte Januar kündigte die ecuadorianische Regierung die Entsendung von zehntausend Militärs in die Küstenprovinzen Guayas, Manabí und Los Ríos, sowie Einsätze in Häfen und Gefängnissen an, um die organisierte Kriminalität zu stoppen. Die Regierung Noboas versichert, internationale Kooperation sei notwendig, um den Drogenhandel und damit verbundene Straftaten zu bekämpfen.
Im Januar 2024 hatte der Staatschef per Dekret die Existenz eines internen bewaffneten Konflikts ausgerufen und die Banden der organisierten Kriminalität zu Terroristen erklärt. Hinzu kommen immer wieder verlängerte Verhängungen des Ausnahmezustands und die Militarisierung von Teilen des Landes. Menschenrechtsorganisationen und Expert*innen hinterfragen diese Maßnahmen aufgrund ihrer mangelnden Effektivität und kritisieren erzwungenes Verschwindenlassen und andere Misshandlungen durch uniformierte Kräfte.
Übersetzung: Constanze Schwärzer
Präsident Noboa verhängt Strafzölle gegen Kolumbien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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