
(Brasilia, 25. Oktober 2026, Agência Brasil).- Der 80-jährige Luiz Inácio da Silva von der Arbeiterpartei (PT) wurde am Sonntag, den 25. Oktober, zu seiner vierten Amtszeit als Präsident Brasiliens wiedergewählt. Mit Mobilisierung in den Netzen und auf den Straßen besiegte er seinen Gegner.
Nach Auszählung von über 98,2 Prozent der Wahlurnen hat Lula 51,75 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, was 64.060.863 Stimmen entspricht. Der Wahlkampf hat in der zweiten Runde durch Reaktionen in den sozialen Netzen und Demonstrationen auf den Straßen an Fahrt gewonnen. Er übertrumpfte den Gegenkandidaten Flávio Bolsonaro vom rechten Partido Liberal (PL).
In den Netzen nahm Lula einen informelleren Ton an, er machte Videos im Selfie-Format und sprach die Wähler*innen direkt an. Aber der große Kurswechsel in dieser Hinsicht erfolgte, als der Abgeordnete André Janones von der Partei Rede Sustentabilidade (Netz Nachhaltigkeit) der Kampagne beitrat.
Historische Wende
Janones schuf die WhatsApp-Gruppe „Exército de Lula“ (Lulas Heer), die über zehn Millionen Personen umfasste, verstärkte mit ihrer Hilfe das Engagement der Linken in den sozialen Netzen und erweiterte die Pro-Lula-Kampagne.
Gleichzeitig ging die Bevölkerung in spontanen Aktionen auf die Straße. Soziale Bewegungen und Studierende organisierten verschiedene Demonstrationen in Dutzenden von Städten im ganzen Land. Die Bilder von Straßen, die ganz in Rot getaucht waren [aufgrund der roten Mützen, Kleidung und Fahnen der Menschenmengen, Anm. d. Übers.], halfen, den Ton für eine bis bisher nicht dagewesene Wende im zweiten Wahlgang anzugeben.
Vorschläge der Wahlkampagne
Lulas Wahlkampagne versprach eine Fortführung der in den letzten vier Jahren ergriffenen politischen Maßnahmen oder ihre Ausweitung, mit höheren Investitionen oder einer größeren Reichweite.
Lulas Regierungsplan umfasst Vorschläge in sehr unterschiedlichen Bereichen. So sieht er unter anderem die Erhöhung des Mindestlohns stets oberhalb der Inflationsrate, Investitionen in die nationale Verteidigung und die Schaffung eines Ministeriums für Öffentliche Sicherheit vor. Das Ziel dieses Ministeriums ist es, die Beteiligung der Bundesregierung an Sicherheitsmaßnahmen zu garantieren, die derzeit allein im Verantwortungsbereich der Bundesstaaten liegen.
Sein Regierungsprogramm sprach davon, „das weltweit größte öffentliche Netzwerk zur Krebsbekämpfung“ zu schaffen. Dafür sieht es Investitionen in die Diagnostik und Behandlung von Krebs mit modernen Techniken und Geräten vor, ebenso wie neue Medikamente zur Chemo- und Immuntherapie.
Anreize zum Schulabschluss
Im Bildungsbereich versprach Lula, neue Versionen des Programms Pé-de-Meia („Sparstrumpf“) zu schaffen, wie den Pé-de-Meia auf Hochschulebene. Das Programm Pé-de-Meia wurde 2024 in einer Version auf Schulebene geschaffen. Es handelt sich dabei um einen finanziell-edukativen Anreiz, der von der Bundesregierung gezahlt wird, um den Verbleib in den Schulen sowie den Schulabschluss von Personen zu fördern, die öffentliche weiterführende Schulen besuchen.
Nachdem Lula souverän den durch die Trump-Regierung auferlegten Zöllen („tarifaço“) entgegentrat, bekräftigte er erneut sein Engagement für ausgewogene diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mit allen Ländern der Welt, um die nationale Wirtschaft auf Grundlage der Industrialisierung zu stärken und neue Märkte für den Export zu suchen.
Biografie
Lula wurde am 27. Oktober 1945 in Garanhuns im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco geboren. Bevor er ins öffentliche Leben eintrat, war er Metallarbeiter und erlangte landesweite Bekanntheit als Präsident der Gewerkschaft dieser Berufsgruppe im Industriegebiet ABC Paulista in der Metropolregion São Paulo während des Redemokratisierungsprozesses des Landes.
Er besuchte keine Universität, sondern machte beim Ausbildungsdienst Senai eine Ausbildung zum Metallfacharbeiter. Seine Erfahrung als Anführer der großen Streikbewegungen der 1970er Jahre und sein Einsatz für die Demokratie während der Militärdiktatur in Brasilien brachten ihn dazu, 1980 die Arbeiterpartei (PT) mitzugründen.
In den Folgejahren nahm er an der Kampagne Diretas Já („Direktwahlen jetzt“) teil; 1986 wurde er zum Bundesabgeordneten der PT gewählt. Lula baute eine politische Laufbahn mit folgenden Zielen auf: Verteidigung der Rechte der Arbeiter*innen, Ausbau der Sozialpolitik, Kampf gegen Armut und Hunger sowie Beteiligung des Staates an der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung.
Im Laufe der jüngsten Geschichte hat er sich als einer der wichtigsten Anführer der brasilianischen Linken und des progressiven Lagers etabliert. Auch international hat er Aufmerksamkeit erlangt und gilt als eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten der Welt in diesem Jahrhundert. Er kandidierte mehrfach für das Amt des Präsidenten, bis er 2002 die Wahl gewann.
Lula regierte Brasilien von 2003 bis 2010 und übernahm 2023 erneut das Amt, nachdem er von der Verurteilung im Prozess um Lava Jato [„Autowaschanlage“ – der Name einer großen Korruptionsaffäre, Anm. d. Übers.] freigesprochen worden war und 580 Tage im Gefängnis gesessen hatte. Mit dem Wahlsieg 2022 war er der erste Präsident Brasiliens, der dreimal in dieses Amt gewählt wurde. Und jetzt kommt die vierte Amtszeit. Nach seinen eigene Worten wird es seine letzte sein.
Übersetzung: Christa Röpstorff
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