Ein tragisches Bild

Schild der Amerikas
Der „Schild der Amerikas“ ist ein ideologisches Projekt der rechtsextremen Regierungen Lateinamerikas um Donald Trump herum. Foto: Daniel Torok/x.com/WhiteHouse/ via Wikimedia

(Mexiko-Stadt, 17. März 2026, la jornada).- Dieses Foto wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Im Hintergrund das Logo des Treffens: „Shield of the Americas. Doral 2026“. Links und rechts davon die Flaggen der Vereinigten Staaten und von zwölf Staaten Lateinamerikas und der Karibik. Vorne, in der Mitte, in seinem traditionellen blauen Anzug mit roter Krawatte, Donald Trump. Zu seiner Rechten der Präsident El Salvadors, Nayib Bukele, in einem Anzug im französischen Militärstil, mit schwarzer, golden verzierter Jacke, entworfen von der Modedesignerin Marina Toybina. Zur linken Seite des amerikanischen Präsidenten der Präsident von Guyana, Irfaan Ali. Die einzige anwesende Frau, die bei der offiziellen Aufnahme ganz rechts platziert wurde, ist die Premierministerin von Trinidad und Tobago, Kamla Persad-Bissessar.

An dem Gipfeltreffen am 7. März in Trumps Golfresort Doral bei Miami nahmen die zwölf Staats- und Regierungschefs von Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guyana, Honduras, Panama, Paraguay sowie Trinidad und Tobago teil. An der US-Delegation nahmen neben dem Präsidenten unter Anderem „Kriegsminister“ Pete Hegseth, Außenminister Marco Rubio und die ehemalige Heimatschutzministerin Kristi Noem teil, die zur Sondergesandten der Initiative „Schild der Amerikas“ ernannt wurde (insgesamt umfasst die Initiative 17 Länder der Region – bei der kurz zuvor abgehaltenen Anti-Kartell-Konferenz der Amerikas („The Americas Counter-Cartel Coalition“) am 4.-5. März haben auch Bahamas, Belize, Guatemala, Jamaika und Peru eine gemeinsame Sicherheitserklärung unterzeichnet; Chile hat sie nicht unterschrieben, weil die anwesenden neugewählten Repräsentant*innen zu dem Zeitpunkt noch nicht offiziell im Amt waren – Anm. d. Ü.).

Militärkoalition gegen Drogenhandel und illegalisierte Einwanderung

Dieses neue Projekt einer Union in der amerikanischen Hemisphäre zielt weder auf die wirtschaftliche Integration noch auf die Schaffung einer Freihandelszone. Es ist auch nicht dafür gedacht, die Probleme Lateinamerikas lösen. Präsident Trump zufolge besteht der Zweck darin, eine neue regionale Militärkoalition zu schaffen, um mithilfe eines verstärkten Austauschs von Informationen, Ressourcen und militärischer sowie polizeilicher Unterstützung den Drogenhandel zu bekämpfen, transnationale Kartelle zu zerschlagen und die illegale Einwanderung einzudämmen. Der Kern des Projekts sei „die Bereitschaft, tödliche Gewalt anzuwenden, um die Kartelle zu zerstören“. Die Donroe-Doktrin, in die Praxis umgesetzt.

Sicherlich ist nur ein Zufall, dass das Abkommen einen Bezug zu einer am 6. Februar 2026 vom Weißen Haus erlassenen Verordnung mit dem Titel „Festsetzung einer ‚America-First-Strategie‘ für den Waffentransfer“ hat, die darauf abzielt, Rüstungsexporte ins Ausland zu steigern. Aber eigentlich logisch, Geschäft ist Geschäft. Bereits in Fahrt, warnte Multimillionär Trump mit deutlichem Blick auf China: „Wir werden es nicht zulassen, dass feindliche externe Einflüsse in dieser Hemisphäre Fuß fassen, und das schließt den Panamakanal mit ein.“

Mexiko, Brasilien und Kolumbien fehlen

An dem Gipfeltreffen nahmen weder Mexiko, Brasilien noch Kolumbien teil. Auch Uruguay und Venezuela nicht. Natürlich waren weder Kuba noch Nicaragua eingeladen. Trump entgegnete auf Kritiken am Fehlen der drei ersten Länder: „Ich glaube, sie wurden eingeladen. Vielleicht sind sie nicht gekommen.“ Und fügte hinzu: „Ich verstehe mich mit ihnen allen sehr gut.“

Guatemala nahm zwar nicht am Gipfel teil, aber kurz danach wurde die Aufhebung des US-Waffenembargos verkündet, das 1977 von Washington wegen Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des Bürgerkriegs gegen das Land verhängt worden war. Die guatemaltekische Regierung von Arévalo beabsichtigt, Waffen, Flugzeuge und Ausrüstung zu kaufen.

Der Präsident von Uruguay, Yamandú Orsi, erklärte, es sei merkwürdig, dass er nicht eingeladen wurde, und nach einigen verbalen Verrenkungen sagte er, dass er bereit sei, sich der Allianz anzuschließen. Der kubanische Präsident, Miguel Díaz-Canel, hingegen bezeichnete das Treffen als „reaktionär und neokolonial“.

Trump bezeichnet Mexiko als „Epizentrum der Drogenkartelle“

Während des Gipfeltreffens griff Trump auch Mexiko hart an. Er erklärte, dass es „das Epizentrum der Drogenkartelle“ in Lateinamerika sei. Er betonte, dass die Kartelle einen Großteil des Landes kontrollierten und dass die Vereinigten Staaten „alles Notwendige unternehmen [müssen], um sie zu bekämpfen“ und ihre Bevölkerung schützen müssen. Und er fügte hinzu: „Sie sind für einen Großteil des Blutvergießens und des Chaos verantwortlich und die Regierung der Vereinigten Staaten wird alles tun, was notwendig ist, um unsere Nation zu verteidigen und unser Volk zu schützen. Wir müssen sie ausrotten, wir müssen sie beseitigen (…) es wird immer schlimmer und es sind die Kartelle, die in Mexiko das Sagen haben.“ Und anschließend lobte er, wie er es schon bei anderen Gelegenheiten getan hatte, die mexikanische Präsidentin, indem er sie als „eine sehr gute Person“ bezeichnete und versicherte, dass er eine ausgezeichnete Beziehung zu ihr habe.

Als Antwort berichtete Mexikos Präsidentin Sheinbaum, dass ihre Regierung seit Beginn der aktuellen Amtszeit des Präsidenten Trump eine enge Sicherheitskooperation mit den Vereinigten Staaten habe. Und nahm es nebenbei gelassen hin, dass sie nicht zum jüngsten Gipfeltreffen eingeladen war. „Nun, das hat er so entschieden, nicht wahr?“, sagte sie. Ihr zufolge ist die bilaterale Beziehung im Bereich Sicherheit schon durch einen Mechanismus bilateraler Arbeit etabliert. „Seit Präsident Trumps Machtantritt haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Er kam am 20. Januar [2025] an die Macht und am 5. Februar gab es schon die Arbeitsgruppe für Sicherheit in Washington“, betonte sie. Die Vereinbarung sei Ende 2025 nach einem Besuch des Außenministers Marco Rubio in Mexiko erweitert worden, als „das Abkommen (…) im Rahmen unserer Souveränität, unseres Schutzes des Landes geschlossen wurde“.

Reinfall in Iran, Druck auf Lateinamerika?

Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat Trump bei seiner Initiative, Nicolás Maduro festzunehmen und sich des venezolanischen Öls zu bemächtigen, Erfolg gehabt. Bei seinem Bemühen, in Kuba ein Regimewechsel zu erreichen, hatte er ihn nicht. Und sein Versuch, das iranische Regime zu stürzen, ist ein richtiges Desaster. Dort sitzt er in einer Sackgasse fest.

Es scheint, dass er, um den Reinfall zu vertuschen, denn er bei seinem Abenteuer im Mittleren Osten erlebt, mehr Druck auf Mexiko ausüben und Lateinamerika noch mehr Fesseln anlegen muss. Und genau das macht er mit dem „Schild der Amerikas“, einem ideologischen Projekt, das die rechtsextremen Regierungen der Hemisphäre um ihn herum versammelt. Das Foto der Staats- und Regierungschefs mit Trump in der Mitte zeugt von seinem politischen und kulturellen Triumph auf dem Kontinent (auch wenn er zeitlich beschränkt und instabil ist); eine Zurschaustellung seiner Wahlerfolge, die seine Misserfolge im Orient vertuschen soll. Leider ist es gleichzeitig das aktuelle Abbild der Niederlage des Progressivismus (progesismo) auf dem Kontinent. Es ist eine Erinnerung an die fast ununterbrochene Abfolge von dessen Niederlagen und Rückschlägen.

Übersetzung: Christa Röpstorff

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